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Vom Leben und Sterben in Luzern

Tatort-Blitzkritik Nr. 213, Freitod (Luzern), 18. September Vom Leben und Sterben in Luzern

Dieser Krimi ist stark - aber auch eine Zumutung. Zunächst für die Darstellerin einer Sterbenden: Barbara Magdalena Ahren muss als Gisela Aichinger ihr Leben in überaus realistischer Weise lassen – mit dem Gift Pentobarbital und den Ritualen eines Sterbehilfevereins, die  nicht so würdevoll sind, wie  solche Initiativen oft behaupten. Die 66 Jahre alte Schauspielerin gibt die Sieche, die aus dem Leben scheiden will,  so überzeugend verzweifelt, dass man ihr vor diesem Schritt nicht abraten will. 

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Der „Tatort: Freitod“ ist auch für die Zuschauer eine Zumutung. Eine, der man sich allerdings aussetzen sollte. Wohl noch nie ist das Thema Sterbehilfe in einem Fernsehkrimi  so ausführlich und genau durchdekliniert worden – diejenigen, die das gegen Bezahlung machen, sprechen schon aus juristischen Gründen lieber von „Sterbebegleitung“.  Selbst  die beiden Luzerner Kommissare Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) müssen sich zum Für und Wider verhalten. Dass der Film von Regisseurin Sabine Boss und den Drehbuchautoren Josy Meier und Eveline Stähelin mehr Sympathie für die Transitus-Leute haben als für ihre Gegner, die  sogenannten Lebensschützer, die als reichlich bigott erscheinen, sei dahingestellt.

Während sich der Großteil des Films  auf einer diskursiven Ebene bewegt, ist die Aufklärung der Mordfälle am Schluss eher routiniert krimimäßig. Wieder einmal waren nicht diejenigen die ganz Bösen, die ein großes Rad drehen.  Eine eher kleine Figur, die sich als völlig irre herausstellt, wird von Flückiger und Ritschard entlarvt. Man könnte sie  als ideale Vertreterin all der realen „Todesengel“ betrachten, die in Krankenhäusern und Pflegediensten Patienten den Exitus bereiten  – in einem Anflug von menschlicher oder religiöser Allmachtsfantasie. Die der Morde überführte Krankenschwester im „Tatort: Freitod“ fabuliert über ihre Tat und ihre Opfer: „Gott ist in mir, wenn sie gehen...“

Wir haben abseits der Krimihandlung einen Lehrfilm gesehen über Leben und Sterben  – und über Euthanasie, den angeblichen „schönen, leichten Tod“, dem stets  eine hässliche, schwere  Qual vorausgeht.

Michael Berger

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