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Vorsicht bei Autoerotik!

Wien Vorsicht bei Autoerotik!

Im Wiener „Tatort: Sternschnuppe“ sucht das Kommissar-Paar etwas Liebesglück und endet bei Ersatzhandlungen (So., 7. Februar, 20.15 Uhr)

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Wien . Dieser „Tatort“ war kein Krimi, sondern ein Film über die erotischen Wünsche und Geschlechterbeziehungen reiferen Menschen am Beispiel von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Nebenbei müssen sie auch in einem Todesfall ermitteln, doch vor allem diskutieren die beiden den ganzen Fernsehabend lang über eine altersgemäße Koitusfrequenz und über andere zwischenmenschliche Bedürfnisse.

Man erfährt: Ab einem gewissen Lebensalter lernt man potenzielle Partner nicht mehr in der freien Wildbahn kennen, sondern nur im beruflichen Kontext. Und das Nächstliegende – eine private Verbindung von Kollegen – ist das Unwahrscheinlichste. Zwischen den vertrauten Partnern fehlt einfach der erotische Funke. Das demonstriert bereits die erste Einstellung des „Tatorts: Sternschnuppe“. Eisner trällert sich was, Fellner bringt ihn mit dem im wienerischen Idiom giftig klingenden Satz „Schlecht gelaunt bist’ mir lieber“ zum Schweigen.

Die beiden Kommissare überlassen sich den sozialen Zentrifugalkräften und suchen ihr Glück bei Satelliten ihres Berufsalltags. Vergeblich. Mit der Sängerin Samy ergibt sich für Chefinspektor Eisner keine Gelegenheit für Intimitäten, und die Kommissarin Fellner schafft es mit ihrem Automechaniker Wolfi zwar ins Bett, doch bevor sie sich des BHs entledigt, schlägt ihr Telefon an. Interruptus.

Apropos Auto: Eine schöne Idee der Filmemacher Michi Riebl und Uli Brée ist, dass die fabelhafte Fellner als Ersatzhandlung ihren röhrenden Pkw liebkost („Man muss zärtlich zu ihm sein, dann kommt er, und zwar gewaltig“). Der Begrifft Autoerotik bekommt da eine ganz frische Bedeutung.

Autoerotik im eigentlichen Sinn ist dann auch das, was den egomanischen Musikmanager Udo ins Jenseits befördert – die Briten nennen es „kinky sex“, die Wissenschaft spricht, wenn’s schief geht wie hier, von „Accidental Autoerotic Death“. (Auch Michael Hutchence, Sänger der australischen Rockband INXS, soll auf diese Weise stranguliert ums Leben gekommen sein.)

Kein schöner Anblick. Ein Mal hätte genügt, doch das Würgespiel wird leider immer wieder ins Bild gebracht. Um den Cheflautsprecher einer Fernseh-Castingshow trauert dann so gut wie niemand. Dass dieser Udo, der junge Talente für seine niederen Vermarktungsbedürfnisse ausgenutzt hat, in vieler Hinsicht an einen gewissen Dieter Bohlen erinnerte, war dem „Tatort“-Team sicherlich bewusst. Ein bisschen Häme muss bei diesem Thema sein.

Zumal der Schluss dieser wieder stark durchkomponierten Wiener Serienfolge eher zum Weinen ist. Da stehen die Kommissare vereint und erotisch unerlöst am Grab der jungen Täterin, die ein Opfer war. Und wir Zuschauer dürfen uns fragen: Wird aus den beiden Monaden doch noch ein Paar? Fortsetzung folgt gegen Ende des Jahres.

Michael Berger

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