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Wurst aus Tschetschenien

Tatort-Blitzkritik Nr. 238: „Am Ende geht man nackt“ (Bamberg) Wurst aus Tschetschenien

Den "Flüchtlings-Tatort" aus Bamberg fand unser Redakteur gar nicht schlecht. Er hatte Mängel, machte aber Lust auf mehr.

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Ein Brandsatz fliegt in eine Gemeinschaftsunterkunft, ein Mann rennt brennend nach draußen, eine Frau stirbt an Rauchvergiftung, weil sie sich aus einem abgesperrten Raum nicht mehr befreien kann. Es beginnt schockierend und dramatisch, dennoch wirkt der Anfang so, als hätten wir so etwas alles schon mehrmals in ähnlicher Form gesehen. Der nächste „Tatort“ zum Thema Flüchtlinge also, diesmal aus Bamberg.

Dennoch bleibt diese Geschichte in Erinnerung, und das liegt vor allem am Ermittlerduo. Dagmar Manzel als Paula Ringelhahn und Fabian Hinrichs als Felix Voss sind zupackend und mitfühlend zugleich, und sie pflegen nicht dauernd ihre persönlichen Probleme, sondern sind nah dran an den Betroffenen. Besonders Felix Voss ist ein Kommissar der etwas anderen Art in seiner Grundfreundlichkeit. Skurril und rührend zugleich, wie er allen Kollegen vom Urlaub in Tschetschenien Würste mitbringt und jeder fragt „Ist da Esel drin?“  Darauf muss man erstmal kommen.

Sein Undercover-Einsatz als „Tschetschene“  wirkt zwar weit hergeholt, aber durch diesen Einfall erfahren wir viel vom Leben in einer Unterkunft, von Sorgen und Ängsten der Menschen aus vielen Ländern, die jetzt zusammengewürfelt auf engstem Raum leben und von Krieg und Flucht geprägt und traumatisiert sind. Sie erleben Hilfsbereitschaft, aber auch Behördenwillkür und Ausbeutung als billige Putzkräfte. Felix Voss kümmert sich um den 16-jährigen Basem aus Syrien (Mohamed Issa), der seinen großen Bruder sucht. Und es gibt auch einen Kleinkriminellen, der andere manipuliert und für sich arbeiten lässt: Said Gashi (prima gespielt von Yasin El Harrouk)  Das alles scheint gut recherchiert von den Machern dieses Tatorts.

Dass ein Neonazi den Brandsatz geschmissen hat und ein reicher Immobilienhai das Gebäude abreißen und verkaufen will, fällt dann wieder in die Kategorie „vorhersehbar“. Zu dick aufgetragen die Schlussszene, als Basem bei einem Einbruch helfen soll und vom Hausbesitzer mit der Jagdflinte erschossen wird (obwohl der vorher doch die Polizei um Hilfe gerufen hat).  

Dennoch: Das Duo Ringelhahn/Voss macht Lust auf mehr Franken-Tatort.

Christian Risch

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