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Zu viel auf einmal

Tatort-Blitzkritik Nr. 226: „Land in dieser Zeit“ (Frankfurt) Zu viel auf einmal

Wollen die Frankfurter Ermittler jetzt ihren Münsteraner Kollegen nacheifern? Zeitweise hat es den Anschein in diesem Tatort, in dem der skurrile neue Chef Fosco Cariddi (Bruno Cathomas) immer wieder unvermittelt lautmalerische Gedichte von Ernst Jandl rezitiert und seine Truppe damit irritiert.

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Frankfurt. Die Kommissare singen später im Kanon „Auf der Mauer, auf der Lauer“. Ja, das ist in Maßen lustig, aber was soll es bedeuten? Die Handlung des Tatorts wirkt derart konstruiert, dass auch solche Momente nicht wirklich locker rüberkommen.

Der Brandanschlag auf den Friseursalon, bei dem eine junge Frau ums Leben kommt, soll nordafrikanischen Drogendealern angehängt werden. Vera, die junge deutsche Verdächtige, hat etwas gegen Ausländer, wohnt in einer WG mit Juliane (Anna Brüggemann), die sie ideologisch in eine stramm nationalistische Richtung drängt und zur Gruppe der „Kongruenten“ gehört, eine Anspielung auf die „Identitären“. Sie singen zusammen im Chor alte deutsche Volksweisen.

Kommissar Brix hat in seiner WG plötzlich drei freundliche Flüchtlinge, die zwar sein Zimmer und das Bad blockieren, aber alle bemüht die deutsche Sprache lernen wollen, gelbe Post-it-Zettel auf Möbel und Dinge kleben und dabei schon mal Orangen mit Bananen verwechseln.Die Handlungsstränge hängen nur lose zusammen Das Sprachen-Wirrwarr ist das einzige Bindeglied.

Als am Ende die Flüchtlingsfrau den Kommissaren helfen will, die junge deutsche Täterin mit Brix Auto verfolgt und dann von Männern wegen ihres Kopftuchs zusammengeschlagen wird, erscheint das unglaubwürdig. „Tatorte“ sollen und können etwas wagen, weil das Format eine treue Anhängerschaft hat.

Dieser will vielleicht zu viel: Er möchte eine Zustandsbeschreibung der aktuellen Lage in Deutschland geben. Nicht zufällig fehlen beim Titel „Land in dieser Zeit“ die ersten beiden Worte des alten Volksliedes: Kein schöner Land heißt es da. Bei seinem Ziel mutet dieser „Tatort“ den Zuschauern zu viel zu.

Die losen Enden werden nicht mehr verknüpft, die Handlung zerfasert. Das kann auch das interessante Ermittler-Duo Anna Jannecke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) nicht herausreißen.

Von Christian Risch 

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