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Zwischen Klamauk, Slapstick und Tim & Struppi

Tatort-Blitzkritik Nr. 204: „Der treue Roy“ (Weimar) Zwischen Klamauk, Slapstick und Tim & Struppi

Der Tatort mit Christian Ulmen und Nora Tschirner lässt unseren Redakteur ratlos zurück. Eins ist sicher: Der Weimar-Tatort ist das direkte Gegenstück zum Action-Geballer von Til Schweiger.

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Eine Blitzkritik von Uwe Nesemann.

Vielleicht hätte man sich einfach vorher ein wenig schlau machen sollen. Man hätte zum Beispiel ein Interview mit dem Regisseur Gregor Schnitzler lesen können, der sagt, die Filme der Coen-Brüder seien seine Vorbilder für den Weimar-Tatort gewesen. (Was unter uns gesagt ja ein recht hoch gestecktes Ziel ist.)

Man hätte sich auch die Vita der Autoren vor Augen führen können, zumindest jene von Murmel Clausen, der aus dem engeren Umwelt eines Bully Herbig kommt und unter anderem am Drehbuch vom „Schuh des Manitou“ mitgewirkt hat. Hätte man all dies getan, wäre man vielleicht nicht ganz so ratlos zurückgelassen worden mit dem „treuen Roy“, jenem Tatort aus Weimar, der sich irgendwo einreiht zwischen Klamauk, Slapstick und – mit Abstrichen – den Abenteuern von Tim & Struppi.

Es gab zumindest vieles zum Schmunzeln oder gar zum Lachen in diesem Sonntagabend-Krimi, sofern es denn einer war. Roy, der Untote (Florian Lukas), der selbst die Sprengung eines Hochhauses oder einen Kopfschuss (pardon: zwei Kopfschüsse!) überlebt, seine von Fritzi Haberlandt krass gespielte Schwester, die es schafft, stets das Unpassende zu tun oder zu sagen.

Das Ermittlergespann Nora Tschirner und Christian Ulmen, der allzu gerne (schließlich sind wir ja in Weimar!) Goethe zitiert, und das bis zum Abwinken. Und auch der für einen Tatort inzwischen unvermeidliche Kriminaltechniker (Matthias Matschke) hat seinen Auftritt, hier zur Abwechslung einmal als Kotzbrocken dargestellt. Oder, wie es im Originaltext heißt, „eine richtige Arschkrampe“; Professor Boeme lässt grüßen.

Der Plot selber ist ebenfalls nicht ohne Witz und Ironie, mit etwas Wohlwollen darf man ihm sogar einen gewissen Hintersinn nachsagen. Manches ist überraschend, anderes vorhersehbar. Ein Manko, das der „treue Roy“ freilich mit anderen Folgen der Serie teilt.

Wem das alles gefällt, der verbrachte einen erfreulichen TV-Abend. Wer es lieber auf die harte Tour mag, wird indes nicht umhin kommen festzustellen, dass Weimar wohl als das direkte Gegenstück zu Til Schweigers Action-Geballer in die TV-Hisorie eingehen wird.

Während an der Elbe das Blut in Strömen fließt, gab es in diesem Tatort nur drei Leichen – und zwei davon waren schon tot, als sie umgebracht wurden. Solcherlei kann man amüsant finden; man sollte es nur vorher wissen.

Uwe Nesemann

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