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Lokales Der geheimnisvolle Blaudruck
Lokales Der geheimnisvolle Blaudruck
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17:53 24.11.2018
Alexander Vandrich (37) ist einer der wenigen Blaudrucker: Er übt eine altüberlieferte Kunst aus. Quelle: Rüdiger Jacob
Neustadt

 Ein Mann lebt seinen Traum: Wenn Alexander Vandrich zu einer der etwa 600 hölzernen, Model genannten Schablonen greift, fangen seine Augen förmlich an zu leuchten. Der 37-Jährige arbeitet bei der Koch-Werkstätten GmbH, einer kleinen Blau- und Zeugdruckerei mit eigener Färberei. Hier ist der gelernte Offsetdrucker mit einigen Jahren Agenturerfahrung als Mediengestalter in seinem Element: „Irgendwann hatte ich den Drang, etwas Kunsthandwerkliches zu machen“, sagt Vandrich, der in einem elfköpfigen Team arbeitet. „Die Arbeit ist vielseitig“, sagt der Mann, der sowohl in der Werkstatt als auch auf Märkten steht. „Es ist reizvoll und kreativ, wenn ich mir stets neue Muster und Farbkombinationen ausdenken kann“, so Vandrich. Auch die Beratung der Kunden gehört zu den Tätigkeiten des Mitarbeiters.

Volle Konzentration notwendig

Vandrich nimmt ein hölzernes, mit Messing besetztes Model, auch Druckstock genannt. Den taucht er mit der Unterseite in ein Farbbad, so dass das Muster satt mit Farbe bedeckt ist. Dann drückt er das Teil vorsichtig auf ein zuvor auf einen großen Arbeitstisch stramm aufgezogenes Leinentuch, auf dem gleich große Felder aufgezeichnet sind. Quadrat für Quadrat entsteht so ein Abdruck des Musters. Hierbei muss Vandrich sehr konzentriert arbeiten. „Einen Rückgängigknopf gibt es nicht“, sagt der Blaudrucker. Womit er meint, dass die ganze Mühe dahin ist, wenn einmal ein Druck nicht so ist, wie er soll. „Das ist absolut erfüllend“, sagt Vandrich, „und es ist schön, dass ich mir die Zeit nehmen kann, die ich für ein gutes Ergebnis brauche.“

Geschäft gibt es seit 1803

Ilka Koch (47) ist, wie sie lächelnd sagt, die Frau im Hintergrund, macht die Werbung und beschickt die Märkte mit Produkten aus der Werkstatt. Vor acht Jahren haben sie und ihr Mann Klaus Koch-Süzen (54) das Geschäft übernommen. Und das gibt es bereits seit 1803. Inzwischen wird der Blaudruckerberuf in der siebten Generation ausgeübt. Produziert werden unter anderem Tischdecken, Vorhänge, Gardinen, Bettwäschen und Schürzen und Stoffe etwa für Trachten. Während es früher nur den traditionellen Blaudruck in den Farben Blau und Weiß gab, sind es heute auch die sogenannten Direktdrucke in allen möglichen Farben.

Ein Welterbe

Der Blaudruck ist in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe anerkannt worden. Die Deutsche Unesco-Kommission hat die Drucktechnik 2016 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Heutzutage existieren nur noch wenige Handwerksbetriebe, die die Herstellung der Model und die alten Drucktechniken beherrschen. Industriell wird der Blaudruck nicht hergestellt. Bei den Koch-Werkstätten in Neustadt werden auf Wunsch auch Stücke aus „Uroma“s Wäschetruhe“ mit zauberhaften Motiven zu langlebigen Erinnerungsexemplaren bedruckt.

Wie der traditionelle Blaudruck genau funktioniert, erklären Vandrich und Koch so: „Der zunächst von uns in Blau eingefärbte Leinenstoff wird aufgespannt und mit einer Flüssigkeit namens Papp bedruckt“, so die Experten, die damit eine grünliche, undefinierbare Flüssigkeit meinen. Wie die zusammengesetzt ist, wird nicht verraten. „Das ist ein streng gehütetes Geheimnis“, sagt Ilka Koch. Jedenfalls wird aus dem Papp-Aufdruck nach dem Eintauchen des Stoffes in ein Entwicklerbad später ein herrlich strahlendes Muster in Weiß. „Das können florale Ornamente sein“, weiß Vandrich. Und das ist dann der geheimnisvolle Blaudruck, der dank einer im Hause speziell entwickelten Appretur sogar Rotweinflecken standhält. Prädikat: alte Technik, beständiges Produkt.

Rüdiger Jacob

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