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Bad Schwartau 20 Jahre dabei - und auf der Überholspur
Lokales Bad Schwartau 20 Jahre dabei - und auf der Überholspur
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23:29 17.08.2016
Die Führungsetage von Visiconsult: Silke (52, v.l.), Firmengründer Hajo (55), Finn (25), Till (17) und Lennart Schulenburg (27). Zur Visiconsult-Philosophie gehört es, die Hanseatischen Tugenden zu pflegen, zu denen unbedingte Verlässlichkeit gehört. „Diesen Tugenden halten wir sehr hoch“, so Hajo Schulenburg, „und das zahlt sich aus“. Quelle: Fotos: Doreen Dankert

Wenn man die Geschichte von Visiconsult-Gründer Hajo Schulenberg hört, dann erinnert das ein bisschen an den Apple-Gründer Steve Jobs. Auch der Amerikaner hat damals ganz klein angefangen in einer Garage. Inzwischen kennt man die Produkte mit dem Logo des angebissenen Apfels auf der ganzen Welt.

Die Firma Visiconsult ist Globalplayer in der Röntgentechnik – Jubiläumsfeier wegen Auftragsflut verschoben.

Der Plan war, eine kleine Software-Bude zu haben und vielleicht einen Mitarbeiter. Das war’s.“Hajo Schulenburg, Visiconsult-Gründer

Das Symbol von Visiconsult ist ein Auge. Eine Auge, das richtig scharf sehen kann. Ein Auge, das Dinge sehen kann, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Ein Auge mit einem superscharfen Röntgenblick. Das ist es, womit Visiconsult seit 20 Jahren Geld verdient: individuell programmierte Röntgensysteme, die winzige Löcher in Schweißnähten von Schiffen, Flugzeugen, Ölpipelines oder auch Sprengstoff in herrenlosen Koffern entdecken können. Immer mit der passenden Maschinen- oder Robotertechnik dazu. Nichts von der Stange, alles „maßgeschneidert“. Also nichts, was man woanders kaufen kann. Nur hier in Stockelsdorf – und seit Kurzem in Atlanta, wo Visiconsult eine Tochterfirma gegründet hat, um auch auf dem amerikanischen Kontinent mitzuspielen im Röntgen-Business.

Eigentlich hatte der Elektrotechniker und Programmierer Hajo Schulenberg beste Karriereaussichten bei seinem einstigen Arbeitgeber, einem Röntgenhersteller in Ahrensburg, doch er wollte es selbst in der Hand haben, hat gekündigt und sich selbstständig gemacht.

„Natürlich hatte ich damals auch schlaflose Nächte“, erinnert sich der heute 55-Jährige. „Selbstständig sein klingt gut, aber wenn das Telefon wochenlang stillsteht und keine Aufträge reinkommen, dann fühlt sich das nicht mehr so gut an.“ Angefangen hat Hajo Schulenberg als Ein-Mann-Betrieb in einem kleien acht Quadratmeter großen Zimmer zu Hause. Irgendwann kam auch der erste Auftrag – und zwar von seinem ehemaligen Arbeitgeber. Später ist er dann umgezogen in die Garage, dort hatte er 20 Quadratmeter. „Die Idee war, eine Ein-Mann-Firma zu bleiben, Software zu bauen und damit glücklich zu sein“, so Schulenburg. Und ist er jetzt glücklich? „Überglücklich“, sagt er und strahlt, „das war wirklich eine tolle Entwicklung, aber überhaupt nicht wie geplant. Der Plan war eine kleine Software-Bude, vielleicht ein Mitarbeiter – das war’s.“

Und 20 Jahre später sieht es so aus: Unternehmensstandort in Stockelsdorf seit 2010 (weil in Lübeck nicht mehr genug Platz war) mit inzwischen drei Produktionshallen, aktuell 45 Mitarbeitern – Tendenz steigend, einer gerade gegründeten Tochterfirma in den USA und Kundschaft, die solche Namen hat wie Audi, BMW, Siemens, die Bundeswehr oder der Scheich von Abu Dhabi. Und die Auftragsbücher sind so voll, „dass wir tatsächlich in diesem Jahr keine Zeit mehr haben, das Firmenjubiläum zu feiern“, erklärt Lennart Schulenburg, der Vertriebschef von Visiconsult. „Wir sind froh, wenn die fertigen Anlagen an die Kunden schnellstmöglich ausgeliefert werden, damit wir hier wieder ein bisschen Platz haben in der Halle, um andere Aufträge bearbeiten zu können.“

Hajo Schulenburg ist der Kopf der Firma, die er zusammen mit seiner Frau Silke und seinen beiden großen Söhnen Lennart und Finn führt. Und der jüngste Sohn Till arbeitet ab jetzt neben der Schule auch bereits stundenweise bei Visiconsult. „In zehn Jahren sollen unsere Söhne das dann ganz allein machen“, so der Firmenchef. Solange programmiert Hajo Schulenburg hin und wieder noch selbst, führt Videokonferenzen mit Russen, Chinesen und anderen, hält in Teheran und anderswo auf Englisch Vorträge über topmoderne Röntgensysteme aus Stockelsdorf – und ist dabei einfach nur mehr als glücklich.

 Doreen Dankert

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