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Bad Schwartau 2000 Frauen nutzten das Mammobil
Lokales Bad Schwartau 2000 Frauen nutzten das Mammobil
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14:39 29.06.2017
Anja Kuß steht am Röntgengerät (l.) und Franziska Groth zeigt, wo die Aufnahmen ausgelöst werden: Hinter einer Scheibe. Quelle: Fotos: Irene Burow
Bad Schwartau

 „Es war eine gute Beteiligung“, sagt Mitarbeiterin Anja Kuß. Das zeigt ihre jahrelange Erfahrung bei diesem streng durchstrukturierten Unterfangen.

Mobiler Vorsorgetrailer stand zehn Wochen in Bad Schwartau.

„ Die Chance auf Heilung bei einer frühzeitigen Erkennung liegt bei über 90 Prozent.Stephanie Spach

Screening-Zentrum Lübeck

Rund 5500 Frauen aus der Stadt und näheren Umgebung – aus dem Bereich der Postleitzahlen 23611, 23617 und 23626 –, die zwischen 50 und 70 Jahre alt sind, wurden eingeladen. Wer möchte, bekommt einen Termin. Erst dann steht fest, wie lange das Mammobil in einer Stadt stehen wird. „Wir versuchen es aber in der Regel im gleichen Zeitraum“, erklärt Arzthelferin Carmela Beckmann. Und das alle zwei Jahre – damit die Frauen regelmäßig kommen. Bis zu hundert sind es pro Tag. Sechs Mitarbeiterinnen kümmern sich um sie, immer drei pro Schicht.

„Wir freuen uns besonders über jede Frau, die zum ersten Mal zur Mammografie kommt“, sagt Anja Kuß. Denn die Untersuchung gehört zu den eher unangenehmen. Die Brust wird geröntgt und dafür zusammengedrückt. Wer schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, tue sich womöglich schwer, sich weiterhin untersuchen zu lassen. Die medizinisch-technischen Radiologieassistentinnen sind herzlich und einfühlsam. „Wir versuchen den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu machen.“

Sie zeigen die praktische Einrichtung des Mobils: Ein kleines Wartezimmer mit sieben Sitzplätzen gibt es für die Anmeldung. Ohne Termin geht hier nichts. Zwei Umkleidekabinen trennen den Wagen vom Kernstück: Der Röntgenanlage, die den Namen „Mammomat Inspiration“ trägt. Vier Aufnahmen aus verschiedenen Richtungen werden von der Brust gemacht. Dazu lässt sich der Apparat auch kippen. „Viele Frauen können sich nur schwer vorstellen, dass das fehlerfrei geht. Aber wir können versichern, es hat immer funktioniert, bei jedem Körperbau“, sagt die dritte an Bord, Franziska Groth. „Aufnahmen sind sogar mit Implantaten möglich.“ Und dass es am Ende einwandfreie Bilder gibt, dafür ist das Trio da. Die Radiologieassistentinnen haben eine spezielle Screening-Ausbildung und dürfen daher ohne anwesenden Arzt arbeiten. „Wir sind hier nur die Fotografen“, sagt sie lachend. Die Aufnahmen des Tages werden am Abend mitgenommen in das Screening-Zentrum Lübeck im Tesdorpfhaus. Noch am Abend oder am nächsten Tag werden sie von zwei Ärzten begutachtet – unabhängig voneinander. Sind sie sich uneins im Befund, kommt eine ganze Abteilung zusammen und entscheidet gemeinsam. Rein statistisch gesehen werden von den 2000 untersuchten Frauen 60 für weitere Untersuchungen eingeladen. Bei zwölf bestätigt sich der Verdacht auf Brustkrebs. Die gute Nachricht: Die Mammografie kann die Krankheit im Frühstadium entdecken. „Aus Angst vor der Diagnose schrecken noch immer viele Frauen vor einer Mammografie zurück. Dabei liegt die Heilungschance bei frühzeitiger Erkennung bei über 90 Prozent“, erklärt Stephanie Spach, Sprecherin des Lübecker Screening-Zentrums.

Früherkennung per Gesetz

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken bundesweit rund 72000 Frauen neu, im gleichen Zeitraum versterben 17100 Frauen an den Folgen. In Schleswig-Holstein werden jährlich etwa 3100 Neuerkrankungen und 640 Todesfälle gezählt.

2002 entschied deshalb der Bundestag das erste flächendeckende Screeningprogramm zur Früherkennung in Deutschland. Die gesetzlichen Krankenkassen wurden zur Kostenübernahme verpflichtet. Seitdem wurden 94 Screening-Einheiten etabliert, Schleswig-Holstein ist in vier Einheiten unterteilt. Die Organisation der Region östliches Schleswig-Holstein erfolgt in Lübeck unter der Leitung von Dr. Susanne Wulff und Dr. Dragan Brodnjak.

Seit 2007 werden infolgedessen alle zwei Jahre Mammografieaufnahmen erstellt. Momentan läuft die fünfte Screeningrunde an 24 Standorten in der Region östliches Schleswig-Holstein.

Insgesamt haben hier rund 214000 Frauen teilgenommen.

Weitere Infos: www.mammographiescreening-luebeck.de;

www.mammo-programm.de.

 Irene Burow

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