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Bad Schwartau Abendmahlskelch zurück in Curau
Lokales Bad Schwartau Abendmahlskelch zurück in Curau
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20:28 18.01.2018
Das Kuppa genannte Trinkgefäß des Kelchs ist deshalb verhältnismäßig klein, weil es vorreformatorisch ist. „Damals haben ja nur die Priester daraus getrunken, nicht die Gemeinde“, erklärt Margarete Oehlschlaeger. Quelle: Fotos: Roeßler
Curau/ Lübeck

Aus dem Jahr 1454 stammt der vergoldete Silberkelch der Kirchengemeinde Curau, „unser mit Abstand ältester Schatz“, sagt Pastor Florian Gottschalk. Über Jahrhunderte gehütet und gepflegt, doch dann eines Tages im vergangenen Jahr stellte der Pastor plötzlich fest, „dass immer, wenn ich das Abendmahl ausgeschenkt hatte, meine Finger klebten“. Erst habe er die Küsterin in Verdacht gehabt, „dass die vielleicht beim Einschenken gepütschert hat“. Doch auch als er selber und mit besonderer Sorgfalt den Wein in den Kelch gegossen hatte, seien die Hände klebrig gewesen. Bei einer eingehenden Begutachtung entdeckte er dann kleine Haarrisse.

Wenn Pastor Florian Gottschalk am Sonntag das Abendmahl austeilt, wird endlich auch ein alter Bekannter wieder dabei sein: Der 564 Jahre alte Abendmahlskelch erstrahlt nach einer Sanierung in neuem Glanz. Am Sonntag wird er im Gottesdienst eingeweiht.

Ein Gutachten bestätigte die Notwendigkeit der Sanierung. „Wir haben uns erkundigt, wer das durchführen kann, und so sind wir bei der Firma Oehlschlaeger gelandet“, erklärt Pastor Gottschalk. Als dann der Kostenvoranschlag in Höhe von 5000 Euro eintraf, habe man schlucken müssen: „Wir sind nur eine kleine Gemeinde mit kleinem Budget“, so Florian Gottschalk. Dank einer Einzelspende sowie Zuwendungen seitens des Landeskirchenamtes und der Bluhme-Jebsen-Stiftung konnte die Sanierung aber in Angriff genommen werden.

Die Lübecker Silberschmiedemeisterin Margarete Oehlschlaeger ist eine von ganz wenigen in Deutschland, die sich der Sanierung alter Kirchenkelche annimmt. „Das Landeskirchenamt bezuschusst seit einigen Jahren die Restaurierungskosten, daher bekommen wir mittlerweile sehr viele Anfragen“, sagt die Expertin. Ihr Mann – ebenfalls Silberschmiedemeister –, der vor zehn Jahren gestorben sei, „hatte nie sowas Altes in der Hand“.

Margarete Oehlschlaeger (71) hingegen hatte schon viele hunderte Jahre alte Kelche in der Hand. Doch auch nach 55 Jahren im Beruf ist es für die Silberschmiedin immer wieder eine Herausforderung, einen so alten Kelch zu sanieren. „Es gibt bei so altem Material immer Überraschungen, daher brauchen wir auch für eine Sanierung viel länger als für die Herstellung eines neuen Kelchs.“ Es sei immer wieder eine Ehre, alte Gefäße sanieren zu dürfen, „dass die Kirchen dieses Vertrauen haben“.

Seit einigen Wochen genießt sie nun auch das Vertrauen der Curauer Kirchengemeinde. Zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Monika Knorr hat sie den Kelch aufwendig saniert. Und es gab einiges zu tun:

Die Goldbeschichtung hatte sich fast vollständig aufgelöst. Der Boden des Trinkgefäßes (Kuppa) war durchgefressen, am Rand zeigten sich Fraßstellen und Risse. Auch das Nodus genannte prachtvolle Mittelstück wies Schadstellen auf, am Sechs-Pass-Fuß waren Kanten aufgerissen. Zudem – und das war fast das Schlimmste – war der Kelch bereits einmal repariert worden, und das mit Zinn. „Zinn ist der Tod von Silber“, sagt die Expertin.

Auf zahlreichen Fotos hat Margarete Oehlschlaeger die Schäden festgehalten. Und auch ihre Sanierungsmaßnahmen. „Für das Landeskirchenamt muss ich eine umfassende Dokumentation durchführen“, sagt sie.

Und Laien gut erkennen, was in dem Silberschmiede-Atelier alles an dem Kelch gemacht wurde. Die Schäden wurden ausgebessert, anschließend wurde der silberne Kelch wieder feuervergoldet. Kaum jemand in Deutschland beherrscht dieses alte Handwerk. „Auch ich habe jahrelang mit meinem Mann experimentiert, bis wir die richtige Technik hatten“, verrät die passionierte und erfahrene Silberschmiedin.

Nur so viel: In mehreren Schichten wird 1000er Feingold auf das Gefäß gebrannt. Nach den Bränden ist das Gold zunächst matt, mit einem Blutstein wird es dann sorgfältig poliert.

Und so kehrt der 564 Jahre alte Kelch goldig glänzend am Sonntag zurück in seine Kirche. Küsterin Nicole Schmitz wird den Wein einschenken, Pastor Florian Gottschalk das Abendmahl austeilen – und anschließend saubere Finger haben. Der Gottesdienst am Sonntag, 21. Januar, beginnt um 10 Uhr, Margarete Oehlschlaeger wird anwesend sein und im Anschluss gerne etwas zu dem Kelch und seiner Sanierung erzählen.

Von Ilka Mertz

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