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Bad Schwartau Ärger um Fernwärme: Protest der Bollbrüch-Anwohner
Lokales Bad Schwartau Ärger um Fernwärme: Protest der Bollbrüch-Anwohner
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19:17 08.01.2016
Hans-Jürgen Detlef (v. l.), Gabriele Sporkenbach, Reinhard Jäckel, Heike und Jürgen Schuster debattieren über Fernwärme. Quelle: Fotos: Kim Meyer

Heißes Wasser und die wärmende Heizung sind gerade im Winter unverzichtbar. Für viele Fernwärme-Kunden der HanseWerk Natur GmbH (zuvor E.on Hanse) bedeutet die Versorgung derzeit eine Menge Ärger. Sie erhalten seit einigen Monaten Schreiben mit dem Betreff „Umstellung Ihrer Preisgleitklausel im Wärmelieferungsvertrag“.

Dahinter verbirgt sich eine veränderte Preisberechnung — ohne Einwilligung der Kunden. Sie wurden zwar angeschrieben, in Kraft trete die Umstellung laut HanseWerk Natur durch öffentliche Bekanntgabe.

Die Verbraucherzentralen Schleswig-Holstein und Hamburg halten das Vorgehen für rechtswidrig, eine Klage beim Landgericht Hamburg läuft.

Auch die Anwohner im Wohngebiet Bollbrüch ärgern sich über ihren Energielieferanten, die HanseWerk Natur GmbH. „Wir müssen jetzt hunderte Euro im Jahr mehr zahlen“, sagt Hans-Jürgen Detlef. Dabei habe die Firma seit dem Einzug 1998 die Preise bereits mehrfach erhöht — der Arbeitspreis habe sich in der Zeit mehr als verdoppelt, der Grundpreis sei um 75 Prozent gestiegen. Mit der aktuellen Änderung der Preisgleitklausel sollen der Rentner und seine Lebensgefährtin nun 42,74 Euro statt wie bislang 25,51 Euro pro Monat als Grundpreis zahlen — eine Steigerung um 67,5 Prozent. Gleichzeitig sei zwar der Arbeitspreis von 83,13 Euro je Megawattstunde auf 80,34 Euro gesunken. „Unterm Strich muss ich trotzdem mal wieder mehr zahlen“, beklagt Detlef. Schriftlich habe er den Änderungen widersprochen — abgewiesen.

„Die haben uns in der Hand“, sagt Nachbar Reinhard Jäckel. „Wir haben keine Möglichkeit, aus den Verträgen auszusteigen.“ Es gebe keinen anderen Fernwärme-Anbieter, umrüsten sei aus Platzgründen nicht möglich. Eins ärgert den 44-Jährigen besonders: In der aktuellen Diskussion hat er festgestellt, dass seine Preise jahrelang anders berechnet wurden als bei den Nachbarn, nämlich teurer. Der Grund:

nicht ersichtlich. Deshalb habe er schriftlich bei der Firma angefragt. „Darauf habe ich keine Antwort bekommen.“

Besonders erbost die Anwohner, dass der Grundpreis angehoben wird: So lässt sich nicht über das eigene Verhalten Geld sparen. „Die Politik ist gefordert“, sagt Jürgen Schuster. Die gesetzliche Grundlage und die Abrechnungs-Formeln müssen verständlicher werden. Ehefrau Heike Schuster ergänzt: „So kann man auch die Preise nicht vergleichen.“

„Fernwärme-Kunden stehen schlechter da, als die im Gasversorgungsbereich — weniger Transparenz, weniger Verbraucherschutz“, moniert Margrit Hintz, stellvertretende Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Betroffene Kunden sollten sich bei uns oder der Kartellbehörde für Energie melden.“

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte bereits im Herbst den Energielieferanten abgemahnt und eine Frist gesetzt, einen Verzicht auf weitere Bescheide zu erklären und zu zusichern, bei betroffenen Kunden auf die geänderte Preisgleitklausel zu verzichten. „HanseWerk Natur ist dem nicht nachgekommen“, sagt Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg. Daraufhin sei Klage beim Landgericht Hamburg eingereicht worden. „Zu einer Vertragsänderung gehören beide Parteien“, sagt Hörmann. Es bedürfe der Zustimmung jedes einzelnen Kunden. Außerdem verstoße die Umstellung gegen das Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Wettbewerbsrecht.

Die HanseWerk GmbH sieht das anders: Wärmeversorgungsunternehmen seien berechtigt, die allgemeinen Versorgungsbedingungen, zu denen auch die Preisanpassungsklausel gehört, durch öffentliche Bekanntgabe zu ändern — in diesem Fall im Wochenspiegel. Durch die Preisumstellung sinke in Bad Schwartau bei rund 70 Kunden der Preis, für 80 Kunden entstünden Mehrkosten. Gründe seien die Vereinheitlichung von Altverträgen sowie die Umstellung auf den Gaspreisindex, der im Internet nachvollziehbar sei. „Unsere berechnete Wärmelieferung ist preis- und marktgerecht“, teilt das Unternehmen mit.

Ob das Landgericht Hamburg zu einem ähnlichen Urteil kommt, wird sich voraussichtlich im Laufe des Jahres zeigen. Die Verbraucherzentrale rechnet mit einem ersten Gerichtstermin noch in diesem Quartal.

Keine Transparenz für Fernwärme-Kunden
Der Preis für Fernwärme ist im Grunde zwischen den verschiedenen Anbietern für den Verbraucher nicht vergleichbar, da jeweils unterschiedliche Faktoren und Höhen von Kosten eingerechnet werden.

Der Grundpreis beinhaltet Kosten des Energielieferanten zum Beispiel für den Bau, die Verwaltung, Wartung und Reparatur der technischen Anlagen. Auch die Personalkosten werden eingerechnet.
Der Arbeitspreis setzt sich aus dem Wärmeverbrauch des Kunden und den Kosten für den Brennstoffeinsatz beim Fernwärmeerzeuger sowie dem Pumpstrom, der benötigt wird um das Haus zu beliefern, zusammen.

Kim Meyer

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