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Bad Schwartau Alles Jute: Stockelsdorf will ohne Plastiktüten auskommen
Lokales Bad Schwartau Alles Jute: Stockelsdorf will ohne Plastiktüten auskommen
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20:49 20.09.2017
Immer mehr Verbraucher haben umweltfreundliche Einkaufstaschen dabei, wie den Jutebeutel von Famila in Stockelsdorf. Quelle: Foto: Irene Burow

„Das große Ziel ist es“, erklärt Diplom-Ingenieurin Doris Lorenz, die den Runden Tisch federführend im Auftrag der Gemeinde Stockelsdorf organisiert hat, „dass wir es schaffen, aus allen Einzelhandelsläden Plastiktüten zu verbannen“. Viele Supermärkte haben – wie sich beobachten lässt – neben den Plastiktüten inzwischen auch Alternativen im Angebot, wie Papiertüten, Baumwoll- oder Jutebeutel. Oder aber sehr stabile Kunststoffbeutel, die mehrfach verwendet werden können.

Es kommt Bewegung in die Sache zur Idee der plastiktütenfreien Gemeinde Stockelsdorf. Vor über einem Jahr wurde diese Idee zum ersten Mal in den öffentlichen Raum gestellt. Jetzt hat dazu ein Runder Tisch stattgefunden. Dabei stellte sich ein positiver Trend dar.

So viel ist klar geworden am Runden Tisch: „Alle haben gesagt, dass der Trend klar zur Mehrwegtasche geht“, fasst Doris Lorenz zusammen. „Dabei muss es aber nicht zwangsläufig Jute oder Baumwolle sein“, sagt sie, „sondern es kommt darauf an, dass die Taschen mehrfach verwendet werden. Denn eine mehrfache Verwendung ist nachhaltig“.

Rund 150 Einladungen hatten die Gastgeber aus Politik und Verwaltung in erster Linie an Einzelhändler und Gewerbetreibende in Stockelsdorf verschickt. Zeit für den Runden Tisch hatten sich letztlich zwar gerade Mal eine Handvoll Vertreter aus dem Geschäftsleben von Stockelsdorf genommen. Dennoch trügt diese eher spärliche Resonanz, wenn man jetzt daraus schließt, in Stockelsdorf wäre das Thema Nachhaltigkeit noch nicht angekommen. Juliane Hagenström, die Inhaberin der „Bücherliebe“ am Rathausmarkt, hatte einfach keine Zeit für diesen Termin, sagt sie. Und sie gehört mit ihrem Geschäft bereits zu den konsequenten Vorreitern in Sachen „keine Plastiktüten mehr“. Bereits seit einigen Jahren gibt es in der „Bücherliebe“ nur noch Stoff- oder Papierbeutel für die gekaufte Ware.

Und die Inhaberin des Buchladens scheint nicht die Einzige zu sein, die diesen Weg geht. Mirko Cichetzki, Fachberater für Einwegartikel und innovative Verpackungen bei der Firma Henry Kruse, sagt, dass etwa seit einem Jahr ein Trend zu erkennen sei in Richtung alternativer Verpackungen. „Und auch die großen Supermarktketten ziehen mit. Sie stellen nach und nach um“, weiß Cichetzki. Und von einem großen Discounter wisse er, dass dieser bis 2019 nur noch Mehrwegtaschen anbieten wolle.

Der Fachberater der Firma Henry Kruse, die auch an namhafte Großkunden im Lübecker Raum liefert, sagt, „ich habe den Eindruck, dass aktuell bei den Endverbrauchern zwei von zehn Leuten wichtig ist, dass die Taschen nachhaltig sind“. Vor wenigen Jahren sei es gefühlt noch null zu zehn gewesen. „Da tut sich definitiv etwas“, sagt Mirko Cichetzki, „aber das braucht eben alles seine Zeit“.

Die Idee zur plastiktütenfreien Gemeinde stammt im Übrigen vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Gurth. Als Gurth seine Idee erstmals vorstellte, begründete er diese so: „Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wir möglichst wenig Ressourcen verbrauchen. Was mich ärgert als Bürger, ist, dass man beim Einkaufen unaufgefordert Plastiktüten in die Hand gedrückt kriegt.“

Damit jedenfalls soll in Stockelsdorf irgendwann Schluss sein. Das ist das Ziel. Und die Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran. Die Gemeinde lässt gerade an einem schicken Logo arbeiten für 5000 Stoffbeutel, die wahrscheinlich noch bis zum Jahresende produziert werden sollen. Und das ist mehr als nur ein konkretes Ergebnis am Runden Tisch – es ist ein Zeichen.

Plastikmüll

8,3 Milliarden Tonnen Plastik wurden laut US-Forschern seit der Entwicklung in den frühen Fünfzigerjahren bis dato weltweit produziert. Das meiste davon befindet sich heute als Müll in der Umwelt, davon ein sehr großer Teil in den Meeren.

Seit Einführung der Bezahlpflicht ist der Verbrauch von Plastiktüten von 2015 auf 2016 von 68 auf 45 Tüten jährlich gesunken.

Doreen Dankert

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