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Bad Schwartau Asklepios Klinik: Therapeuten streiken
Lokales Bad Schwartau Asklepios Klinik: Therapeuten streiken
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19:36 01.09.2016
Rund 80 Mitarbeiter befanden sich insgesamt im Ausstand. Sie zeigten Flagge vor der Tür. Quelle: Fotos: Irene Burow

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft begründet den Streik mit der „schroffen Ablehnung von Tarifverhandlungen des Asklepios-Konzerns“.

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Gewerkschaft Verdi fordert Tarifbindung – Laut Konzern ist das im Reha-Bereich undenkbar.

„Die rund 360 Beschäftigten der Reha-Klinik arbeiten seit Jahren ohne Tarifvertrag und zu schlechten Bedingungen“, sagt Steffen Kühhirt, Verhandlungsführer von Verdi. „Die Zeit ist reif. Die Beschäftigten aus Therapie, Pflege, Reha und anderen Berufsgruppen brauchen endlich deutlich bessere Löhne, die ein gutes Leben ermöglichen. Das Geschäftsmodell der Asklepios Reha-Klinik basiert auf Dumping-Löhnen. Wir wollen das mit einem Tarifvertrag ändern.“ Was die Gewerkschaft vor allem stört, sind ungleiche Bedingungen für Mitarbeiter in Hamburg und Bad Schwartau. „Mit niedrigen Löhnen wird der Tarifvertrag der Hamburger Asklepios-Kliniken umgangen bzw. Reha-Leistungen von Beschäftigten der billigeren Reha-Klinik erbracht. In diesem Sinne agiert die Klinik Bad Schwartau wie eine Dumping-Tochter des Konzerns in Hamburg“, so Steffen Kühhirt. Die Gehälter würden sich teils um 700 bis 800 Euro brutto unterscheiden. „Mit 1900 Euro fängt man an. Selbst wer zehn Jahre oder länger dabei ist, bekommt nur 2100 bis 2200 Euro brutto“, sagt er.

„Wir bezahlen unsere Mitarbeiter in Bad Schwartau absolut branchenüblich und haben in der Vergangenheit regelmäßige Gehaltserhöhungen vorgenommen“, entgegnet Konzern-Sprecher von Asklepios, Rune Hoffmann. „Gleichwohl können wir den Unmut darüber nachvollziehen, dass andere Kollegen bei gleicher Arbeit im Akutbereich höhere Gehälter erzielen.“ Grund dafür sei es, dass im Akutbereich höhere Pflegesätze gelten und sich der Staat an den Investitionskosten der Akutkliniken beteilige. „Hier sollte der Ordnungsgeber – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des demographischen Wandels – umdenken. Vorher ist an eine Tarifbindung im Reha-Bereich nicht zu denken“, so Hoffmann. Wie er erklärt, gebe es in 90 Prozent aller Rehakliniken in Deutschland keine Tarifverträge – lediglich in den staatlichen Häusern im Besitz der Rentenversicherung. „Häuser, die ohne staatliche Unterstützung auskommen müssen, können sich das schlicht nicht leisten.“

Die Gewerkschafter von Verdi wollen das nicht akzeptieren. „Die Finanzlage ist schwierig, aber machbar“, sagt Christian Wölm von Verdi. „Der Verdienst liegt hart an der Grenze, wenn nicht sogar darunter.“ Die gestern gestartete Aktion, bei der rund 80 Mitarbeiter vor der Klinik ein Zeichen setzten, wird heute den ganzen Tag fortgesetzt. Vor allem Therapeuten streiken – laut Gewerkschaft sind das Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten, aber auch Pfleger. „Das ist die größte Beschäftigtengruppe im Haus. Anwendungen sind reihenweise ausgefallen“, so Wölm.

Die Klinik hat alle Patienten im Vorfeld über den Streik und etwaige Einschränkungen für den normalen Tagesablauf informiert. „Die Versorgung der Patienten in der Asklepios Klinik Bad Schwartau ist sowohl ärztlich als auch pflegerisch sichergestellt“, sagt Sprecher Rune Hoffmann. Lediglich bei ambulanten Behandlungen seien im Vorfeld teilweise Termine, die zum Zeitpunkt des Streiks stattgefunden hätten, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden.

Der Streik ist erst der Auftakt. „Das ist ein Warmlaufen. Wir sind auf einen langen Kampf vorbereitet“, sagt Kühhirt. „Bei künftigen Streiks werden die Kollegen aus Hamburg nach Bad Schwartau kommen. Dann ist auch eine Demonstration durch die Stadt geplant“, kündigt er an. Die Kollegen aus Bad Schwartau und Hamburg seien sehr streikbereit und hätten die Nase voll, mit Billig-Löhnen abgespeist zu werden. „Der Fachkräftemangel im Norden spielt uns in die Hände. Schließlich möchte der Konzern die Mitarbeiter auch dauerhaft bei der Stange halten.“ Doch bevor es überhaupt zu Verhandlungen kommt, geht es bei dem Arbeitsausstand erst einmal darum, den Konzern an einen Tisch zu bekommen.

Patienten haben laut Verdi gelassen reagiert. Sie gesellten sich teilweise hinzu und kamen mit den Gewerkschaftern ins Gespräch. Der Warnstreik betrifft auch Einrichtungen in Hamburg und Harburg. Verdi hat Asklepios eine Notdienstvereinbarung im Streikfall angeboten. Bisher wird das jedoch abgelehnt, die Versorgung sei im Moment gesichert, heißt es seitens Asklepios.

Irene Burow

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