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Bad Schwartau Auf Wanderschaft im Militärgebiet
Lokales Bad Schwartau Auf Wanderschaft im Militärgebiet
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22:33 21.10.2013
Etwa 70 Teilnehmer sind der Einladung des Eckhorster Dorfvorstandes um Helmut Neu (4. v. l.) gefolgt und machen sich auf den Weg ins FFH-Gebiet in der Wüstenei. Quelle: Fotos: Binder

„Wandert Eckhorst aus?“, scherzt ein erstaunter Landwirt, als die lange Kolonne an ihm vorbeizieht. Dorfvorsteher Helmut Neu grinst. Rund 70 Frauen, Männer und Kinder hat er im Schlepptau, als er sich aufmacht in Richtung Wüstenei. „Mit dieser Resonanz können wir sehr zufrieden sein“, sagt er. Zusammen mit den weiteren Mitgliedern des Dorfvorstandes hat Neu den Ausflug ins Landschaftsschutzgebiet organisiert; dank einer Sondergenehmigung darf die Gruppe sich an diesem Tag sogar im FFH-Gebiet (Fauna Flora Habitat) umsehen — einem Bereich, der militärisch genutzt wird und deshalb eigentlich tabu ist für die Öffentlichkeit.

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Petra Markmann hält Frösche und Pilz mit ihrer Kamera fest.

Gummistiefel, Proviant-Rucksack, Nordic-Walking-Stöcke — jeder Teilnehmer hat sich auf seine Art für die Tour gerüstet. Gut gelaunt wandert der Trupp durch die herbstliche Landschaft, die Luft ist erfüllt von einem fröhlichen Stimmengewirr, abseits des Weges wirbelt immer wieder einer von vielen Hunden buntes Laub auf. An prägnanten Orten wird zwischendurch Halt gemacht und Helmut Neu gelauscht, der viel über die Wüstenei, ihre Geschichte und ihre landschaftlichen Besonderheiten zu berichten weiß.

Nach einem kurzen Marsch erreicht die Wandergruppe die Grenze zum militärischen Sicherheitsbereich. „Berühren und Aneignen von Gerät, Munition und Munitionsteilen ist verboten!“ mahnen hier diverse Schilder — bei deren Betrachtung der ein oder andere kurzfristig ein wenig von der bisherigen Entspanntheit einbüßt.

Doch die Beklommenheit währt nicht lange; schnell wird sie abgelöst von Neugier, befinden sich die Ausflügler jetzt schließlich mitten im FFH-Gebiet. Begeistert schlagen sich die Eckhorster in den Wald, während Helmut Neu berichtet, dass in der Wüstenei jedes Jahr 35 bis 40 Rehe sowie bis zu 20 Wildschweine erlegt werden. 2003 sei hier der erste Schwarzkittel geschossen worden, erinnert sich Neu, seither sei die Ausbreitung „nicht mehr aufzuhalten“. „Wir sind hier jetzt bestimmt mit mindestens 20 Wildschweinen im Wald“, schätzt der Jäger und weist seine Zuhörer auf eine Schneise im hohen Gras hin, die die Tiere geschlagen haben.

Elsbeth Ulrich genießt die Tour durch die Wüstenei in vollen Zügen. „Es ist so schön hier“, sagt die 73-Jährige. Als Kind habe sie hier noch Blumen gepflückt, erinnert sie sich, „damals durfte man das noch“. Vom elterlichen Hof in Eckhorst habe sie regelmäßig Ausflüge in die Wüstenei unternommen, erzählt Elsbeth Ulrich. Zunächst, um Osterglocken zu pflücken. Allerdings „waren die dann immer schon verwelkt, wenn ich damit zu Hause ankam“, sagt die Eckhorsterin lachend. Also stieg sie irgendwann um auf Schlüsselblumen. „Das hat besser geklappt, die hatten mehr Ausdauer.“ Wie viele Menschen aus der Gegend bedauert Ulrich, dass das Gebiet inzwischen nicht mehr frei zugänglich ist. Umso mehr freuen sich diejenigen über den Wandertag. Für die Initiatoren regnet es entsprechend Lob. „Eine tolle Idee“, sind sich alle einig. Rund vier Stunden wird marschiert — mit Ausnahme einer Mittagspause. Am Grab von Detlev von Rumohr erfährt die Gruppe Details aus dem Leben des letzten Eigentümers vom Gut Steinrade, auf einer kleinen Anhöhe bekommen die Ausflugs-Teilnehmer einen Eindruck vom militärischen Übungsgelände. Hier werden Kameras gezückt, um grasgrüne Laubfrösche und die verschiedensten Pilze zu fotografieren, dort wird über den Baumbestand gefachsimpelt. Und wieder woanders wird ganz nebenbei noch schnell die Gästeliste für das nächste Fest im Dorf vervollständigt.

Ein erfolgreicher Tag also — in jeder Hinsicht.

Die Wüstenei
400 Hektar groß etwa ist das Landschaftsschutzgebiet Wüstenei. Rund 300 Hektar davon werden als Übungsplatz der Bundeswehr genutzt.

227 Hektar gelten als FFH-Gebiet, fallen also unter die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Sie dient dem Schutz der biologischen Vielfalt. Die FFH-Fläche besteht zu einem Drittel aus Wald und zu zwei Dritteln aus ungedüngtem Mäh- und Weidegrünland mit Niedermoor-Senken und Tümpeln. Der FFH-Bereich liegt mitten im militärisch genutzten Areal.

Jennifer Binder

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