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Bad Schwartau Awo-Projekt: Suche Zimmer, biete Hilfe
Lokales Bad Schwartau Awo-Projekt: Suche Zimmer, biete Hilfe
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12:06 15.06.2017
Findet das Projekt klasse: Die angehende Musikpädagogik-Studentin Agnes N. (23) aus Hamburg sucht ein Zimmer. Quelle: privat/hfr
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Bad Schwartau

Die Idee ist gut, läuft aber bisher nur schleppend: Beim Projekt „Wohnen gegen Hilfe“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) können Menschen aus Bad Schwartau und Umgebung Hilfe im Haushalt bekommen – gegen Wohnraum. Das Problem: Bisher gibt es nur Anfragen von Lübecker Studenten und Auszubildenden. An Wohnangeboten mangelt es hingegen noch. „Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass Senioren sich bestimmt freuen würden über Hilfe und etwas Geselligkeit“, sagt Hannelore Witt, Vorsitzende der örtlichen Awo.

„Es ist jedes Mal unheimlich gut angelaufen.“ Hannelore Witt, Awo-Ortsvorsitzende

Eine Studentin, die sofort mitmachen würde, ist Agnes N. - die 23-Jährige will ab Oktober an der Lübecker Musikhochschule studieren und sucht ein Zimmer. Sie weiß, in anderen Städten ist das Projekt gang und gäbe. „Ich habe schon in Hamburg in der Schule davon gehört. Jetzt habe ich drei Jahre in Saarbrücken gewohnt und da gab es das auch, doch bis jetzt hat es sich für mich nicht ergeben“, sagt sie. Doch jetzt wäre ein guter Zeitpunkt. „Ich würde Gartenarbeit übernehmen, Reparaturen oder am Computer helfen“, bietet sie an. Auch beim Einkaufen, Putzen und im Haushalt würde sie sich einbringen. Im besten Falle melden sich ältere Menschen, die Musik mögen. Denn die künftige Musikstudentin würde gern mit ihrem Klavier einziehen und gelegentlich auf anderen Instrumenten üben.

Partnerschaften gibt es hier seit 2013. Bisher sind es drei in Bad Schwartau und zwei in Lübeck. „Es ist jedes Mal unheimlich gut angelaufen“, sagt Hannelore Witt. So unterstützt eine Studentin beispielsweise eine 95-jährige Dame. Das Angebot richtet sich aber nicht nur an Senioren. „Vielleicht gibt es auch eine alleinerziehende Mutter, die Hilfe gut gebrauchen kann“, sagt sie. Für junge Flüchtlinge sei „Wohnen gegen Hilfe“ zudem eine gute Möglichkeit der Integration. Ein Ehepaar in Bad Schwartau habe bestätigt, dass es eine große Bereicherung bedeute, einem Geflüchteten eine zeitlang ein neues Zuhause zu geben, so die Awo-Vorsitzende. „Dann wird gemeinsam gekocht und alle Beteiligten erfahren etwas von der Kultur des anderen.“ Vielleicht habe sich das Projekt noch nicht gut genug herumgesprochen, vermutet sie.

Deshalb soll nun ein Flyer entwickelt werden, der bei Ärzten, in Apotheken und gastronomischen Einrichtungen ausgelegt wird. Angelehnt ist das Projekt an „Wohnen für Hilfe“ des Studentenwerks Schleswig-Holstein, das es seit 2012 gibt und Partnerschaften zwischen Familien, älteren oder behinderten Menschen geschaffen hat. Durch Vordrucke des Studentenwerks gibt es die größtmögliche Absicherung für Wohnraumanbieter. Rechtlich sei die Unterbringung eines Studenten in einem privaten Haushalt völlig unkompliziert. Die Hilfeleistungen würden als Gefälligkeiten gelten, heißt es beim schleswig-holsteinischen Studentenwerk. Steuerlich habe das Ganze keinerlei Auswirkungen.

Ein Vertrag werde trotzdem aufgesetzt, in Kiel mit einer 14-tägigen Kündigungsfrist. Außerdem werde darauf bestanden, dass die Studenten eine Haftpflichtversicherung hätten. Komplizierter sei die Auswahl der beiden Parteien. Interessierte würden vorab Fragebögen ausfüllen, aus denen zum Beispiel die Einstellung zu Tieren im Haus, zu den jeweils möglichen Arbeiten in Wohnung und Garten und zu einem gemeinsamen Badezimmer hervorgehe. Für die Senioren gebe es quasi das Gegenstück: Auch sie können ihre Wünsche angeben.

Wer Wohnraum gegen Hilfe anbieten möchte, wendet sich unter der Rufnummer 0451/29 61 822 oder per Mail: mwitt@t-online.de an Hannelore Witt.

 Irene Burow

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