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Bad Schwartau Ministerium sucht Ersatz-Kino für „Wildes Herz“-Vorführung
Lokales Bad Schwartau Ministerium sucht Ersatz-Kino für „Wildes Herz“-Vorführung
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12:42 15.11.2018
Regisseur Charly Hübner (l.) und der Frontmann von Feine Sahne Fischfilet, Jan „Monchi“ Gorkow, bei der Premiere von „Wildes Herz“ im April 2018 in Rostock. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Bad Schwartau

„Das Ministerium hat die Planungen eines Termins für die Vorführung von "Wildes Herz" in der Region Bad Schwartau/Lübeck begonnen“, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Dabei werde die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler gewährleistet sein.

Der Film sollte im Rahmen der SchulKinoWoche in Schleswig-Holstein (26. - 30. November) in Bad Schwartau gezeigt werden. Nach einer anonymen Drohung per E-Mail war die Vorführung jedoch abgesagt worden. „Es gab Sicherheitsbedenken“, hatte ein Polizeisprecher am Mittwoch gesagt.

Diskussion mit Bildungsministerin geplant

Laut Bildungsministerium soll es nach der Vorführung der Dokumentation an anderem Ort auch eine Diskussion geben, an der Bildungsministerin Karin Prien (CDU) teilnehmen will. „Weil komplexe Organisations- und Sicherheitsfragen geklärt werden müssen, gibt es noch keinen festen Termin“, sagte der Sprecher.

In dem preisgekrönten Dokumentarfilm erzählt Schauspieler Charly Hübner die Geschichte der Band. Am Donnerstag war von der Band und von Hübner zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Im Oktober hatte die Stiftung Bauhaus Dessau unter Verweis auf ihr Hausrecht ein Konzert der Band auf der historischen Bauhaus-Bühne abgesagt. Rechte Gruppierungen hatten zuvor in sozialen Netzwerken gegen das Konzert mobil gemacht.

„Die Freiheit der Kunst ist Gradmesser einer demokratischen Gesellschaft“, sagte am Mittwoch (14. November) Kulturministerin Karin Prien vor dem Hintergrund der massiven Drohungen gegen das Kino. „Es ist nicht hinnehmbar, dass eine pluralistische Gesellschaft vor extremistischen Drohungen in die Knie geht und sich in ihren Freiheiten beschneiden lässt“, sagte Prien und hob hervor, das Kino habe nach Lage der Dinge richtig entschieden.

Konkrete Drohung nur gegen eine Vorstellung

Die Polizei hält sich mit konkreten Bewertungen zurück. Sprecher Dierk Dürbrook: „Es gab eine anonyme E-Mail mit Drohungen, die sehr ernst genommen wurden.“ Am Ende habe wohl ein Treffen mit einem Vertreter des Kultusministeriums und der Schulleitung in Timmendorfer Strand am Dienstag den Ausschlag für die Absage der Vorstellung durch den Kino-Betreiber gegeben. Das Movie Star Kino in Bad Schwartau wollte sich zu der Absage nicht äußern. Marketing-Leiter Mario Raabe: „Die Kripo ermittelt. Zu laufenden Ermittlungen wird es von unserer Seite keine Stellungnahme geben.“ Der Film „Wildes Herz“ sollte an zwei Tagen im Movie Star gezeigt werden. Nach LN-Informationen gab es aber nur eine konkrete Drohung gegen die Vorstellung am 28. November. Vorsichtshalber wurde aber auch die Vorführung am 29. November aus dem Programm genommen.

Bad Schwartaus Bürgermeister Uwe Brinkmann (parteilos) erklärte, dass er vollstes Vertrauen in die Sicherheitsbehörden habe. Grundsätzlich seien Absagen nach Drohungen sehr kritisch zu sehen. „Aber wer will in diesem Fall tatsächlich die Verantwortung dafür übernehmen, wenn tatsächlich etwas passiert“, sagte Brinkmann.

Politiker sprechen sich für Kunstfreiheit aus

„Wir brauchen eine reflektierte Debatte zu den Themen Extremismus und Freiheit der Kunst, wir brauchen keine plumpen Reflexe auf ein Kulturschaffen, das Einzelnen gegen den Strich geht“, sagte die Ministerin. Sie sei kein Fan des Films oder von Feine Sahne Fischfilet - „aber darum geht es nicht. Es geht um die Kunstfreiheit, und dafür muss man den Film nicht lieben“.

Ähnlich äußern sich andere Landespolitiker: Man könne „zu dieser Band stehen, wie man will, aber die Freiheit der Kunst ist absolut elementar für unsere Demokratie“, sagte der Chef der FDP-Fraktion im Kieler Landtag, Christopher Vogt, „wir müssen die Freiheit der Kunst gerade in diesen politisch aufgeheizten Zeiten sehr konsequent verteidigen.“ Es sei wirklich erschreckend, dass die Veranstalter sich gezwungen sahen, die Vorführung abzusagen, so Vogt. Er könne diese Vorsichtsmaßnahme mit Blick auf die Verantwortung für die Schüler zwar nachvollziehen. „Drohungen dürfen aber nicht dazu führen, dass Demokraten sich dauerhaft einschüchtern lassen und ihre Verhaltensweisen ändern“, betonte Vogt.

Kai Dolgner von der SPD-Landtagsfraktion:„Frau Prien hat vollkommen Recht, dass die pluralistische Gesellschaft nicht vor extremistischen Drohungen in die Knie gehen darf. Ich erwarte nun, dass das von Frau Prien angekündigte Sicherheitskonzept schnellstmöglich erarbeitet wird, um den Schülerinnen und Schülern die Aufführung zu ermöglichen, bevor es Schule macht, dass mutmaßliche Rechtsextremisten mit Drohungen bestimmen können, was gezeigt wird und was nicht.“

Film zeigen, „damit die Rechten ihr Ziel nicht erreichen“

Er könne die Entscheidung der Schule verstehen, sagte auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Lasse Petersdotter, die Sicherheit der Kinder stehe an erster Stelle. Er plädierte jedoch dafür, die Vorführung des Films unbedingt in anderem, sicherem Rahmen stattfinden zu lassen, „damit die Rechten ihr Ziel nicht erreichen“. Man müsse die Band dazu noch nicht einmal mögen. Gerade eine kontroverse Diskussion unter den Schülern über die Band und ihre Musik sei ja gewünscht.

Streitbare Band

Um die linke Band Feine Sahne Fischfilet hatte es bereits vor drei Wochen heftige Diskussionen gegeben, nachdem die Stiftung Bauhaus Dessau einen geplanten Auftritt der Musiker abgesagt hatte. Die Unesco-Weltkulturerbestätte solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, so die Argumentation. Rechte Gruppen hatten zuvor gegen das Konzert mobil gemacht. Die Absage führte bundesweit zu Protesten.

Das Konzert ist am Dienstag dieser Woche an anderer Stelle in Dessau nachgeholt worden - vor sechsmal so vielen Zuhörern wie anfangs geplant. Alles verlief friedlich. Der Auftritt soll am 1. Dezember auf 3Sat ausgestrahlt werden.

Der Film „Wildes Herz“ ivon Regisseur Charly Hübner und Produzent Lars Jessen begleitete die mecklenburg-vorpommerische Band und ihren Sänger „Monchi“. Die Dokumentation wurde unter anderem von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gefördert und hat das Prädikat „besonders wertvoll“ der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) erhalten. Er ist ab 12 Jahren freigegeben.

Veranstalter der Schulkinowoche sind die gemeinnützige Vision Kino gGmbH/Netzwerk für Film- und Medienkompetenz in Kooperation mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), mit dem Kino in der Pumpe Kiel, der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg, dem Landesverband Jugend und Film Schleswig-Holstein, der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein und der Bundeszentrale für politische Bildung.

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sep/wh/me

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