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Bad Schwartau Bad Schwartauer Gymnasien sollen kleiner werden
Lokales Bad Schwartau Bad Schwartauer Gymnasien sollen kleiner werden
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12:40 28.09.2018
Das Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau ist völlig marode. Quelle: Leonardo Kelm/hfr
Bad Schwartau

Es war ein wenig Ruhe eingekehrt in die Bad Schwartauer Schullandschaft. Seit Donnerstag ist die vorbei: Der Ausschuss für Bildung und Jugend empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, die beiden städtischen Gymnasien fortan mit jeweils nur noch drei Zügen zu planen. Bislang ist ein insgesamt siebenzügiges gymnasiales Angebot vorgesehen – ein Beschluss, den der Ausschuss aufgrund eines CDU-Antrags erst im Juli 2017 gefasst hatte. Dem aktuellen Beschluss zugrunde lag ein entsprechender Antrag von CDU, FDP und Bündnis 90/ Die Grünen. Die Vertreter der SPD sprachen sich vehement dagegen aus.

Antrag als Drohgebärde?

Der erhöhte Raumbedarf durch die Wiedereinführung von G9 sowie unsichere Prognosen bezüglich der künftigen Schülerzahlen – so hatten die Beteiligten den Antrag begründet. Außerdem biete das aktuelle Modell des siebenzügigen Angebotes keine verlässliche Grundlage für Planungen und Investitionen. Argumente, die die SPD nicht gelten ließ. Es handele sich um den Versuch, einen Neubau des Gymnasiums am Mühlenberg zu verhindern, vermutete Hans-Peter Pahlke (SPD), „oder es handelt sich um eine Drohgebärde gegenüber den umliegenden Gemeinden, die sich bislang finanziell nicht an der Baumaßnahme beteiligen wollen.“ Pahlke redete sich regelrecht in Rage: „Dieser Antrag sagt ,Wir wollen keine Stockelsdorfer, keine Ratekauer, keine Ahrensböker. Wir wollen Grenzen ziehen, Zäune aufbauen’.“ Ein Unding sei das, schließlich käme durch Schüler von außerhalb auch Geld in die Stadt. SPD-Vertreter Daniel Böttcher ergänzte: „Welche Gemeinde hätte Grund mit uns über einen Schulverband zu sprechen, wenn wir jetzt diesen Antrag beschließen?“ Denn der besage doch eindeutig, „wir lassen eure Schüler draußen.“

Planungssicherheit durch Reduzierung

Eine Drohung sei nicht das Motiv gewesen, versicherte Katrin Engeln von den Grünen, die den Antrag formuliert hat, auch bei einer Sechszügigkeit wäre genug Platz für Stockelsdorfer Schüler. Aber die Schülerzahlen würden nun mal abnehmen und diese Verkleinerung biete eine Planungssicherheit für das, was kommt. „Wir wissen nicht, wie sich die Schullandschaft in den nächsten 20 Jahren entwickelt“, so Katrin Engeln. Zudem werde der GaM-Neubau durch diese Begrenzung nicht gefährdet, sondern eher unterstützt. Marfee Broziat (FDP) pflichtete ihr bei: „Die demografische Entwicklung sagt, dass es weniger Schüler geben wird, daher ist eine Begrenzung sinnvoll.“ Und wenn es doch mehr würden, könnte man ja einen Anbau errichten. Der Ausschussvorsitzende Carsten Dyck (CDU) verwies auf den durch die Rückkehr zu G 9 gestiegenen Raumbedarf: „Letztes Jahr haben wir mit unserem Beschluss gerne mehr Flexibilität ermöglicht, aber damals war auch der G 8-Modus aktuell.“ Er verwies zudem auf eine Reduzierung der Baukosten, ermöglicht durch eine kleinere Planung des Gymnasiums am Mühlenberg: „Mit den Zahlen können wir dann hoffentlich besser leben.“

Unrealistisches Vorhaben

Bei den Eltern, Schülern und GaM-Schulleiterin Amira Yassine kamen all diese Argumente überhaupt nicht gut an. Arnd Hemmer, Vorsitzender des Schulelternbeirates am GaM, meldete sich zu Wort: „Wir sind einhellig entsetzt!“ Die letzten Jahrgänge am GaM seien immer vierzügig gestartet, am Leibniz-Gymnasium drei- oder vierzügig, „Das Sie jetzt die Realität ausblenden, ist nicht nachvollziehbar.“ Das Argument wegen G 9 könne man nun weniger Schüler aufnehmen, sei das Allerletzte. „Ich kann Sie im Sinne der Schüler und Lehrer nur bitten, diesen Unsinn endlich aufzugeben“, so sein Appell. Lautstarker Applaus aus den Zuschauerreihen und von den SPD-Vertretern. Auch Hans-Peter Pahlke appellierte noch mal an die anderen Ausschussmitglieder, „den Antrag zu schieben, damit wir das interfraktionell richtig besprechen können“.

Empfehlung an Stadtverordnete

In einer Sitzungsunterbrechung wurde dann auch gesprochen, allerdings blieben CDU, FDP und Grüne unter sich. Carsten Dyck überprüfte in welcher Form ein Beschluss überhaupt möglich wäre, um dann nach der Pause zu verkünden: Der Ausschuss kann den Antrag als Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung beschließen. Und so stimmten die sieben Vertreter von CDU, FDP und den Grünen dafür, allen Baumaßnahmen an den beiden Gymnasien künftig eine Drei-Zügigkeit zugrundezulegen. Die drei SPD-Vertreter stimmten dagegen. Die Stadtverordneten kommen das nächste Mal am 22. November zusammen.

Ilka Mertz

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