Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Bad Schwartauer kritisieren Minister
Lokales Bad Schwartau Bad Schwartauer kritisieren Minister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:24 09.10.2018
Bad Schwartau befürchtet durch die Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbeltquerung sechs Meter hohe Lärmschutzwände, die das Stadtbild verschandeln. Hier am Bahnübergang Kaltenhöfer Straße. Quelle: hfr
Bad Schwartau

Der Ton im Streit um Lärmschutz an der geplanten Beltschiene wird ruppiger. Bad Schwartaus Forderungen werden von der Bahn als „Wolkenkuckucksheim“ abgetan. Auch eine Aussage von Minister Bernd Buchholz (FDP), dass eine Kommune, die besonders laut schreit, nicht bevorzugt berücksichtigt werde, sorgt in Bad Schwartau für Empörung. Der Umweltbeirat kritisiert das Statement als wenig bürgernah. Die Kreuz-Ritter kündigen einen Protest-Hagel an.

Bad Schwartaus Bürgermeister Uwe Brinkmann (parteilos) ist für markige Worte bekannt. Mehrfach hat Brinkmann der Bahn schon vorgeworfen, beim Lärmschutz der Schienenhinterlandanbindung nicht mit offenen Karten zu spielen und mit „Gefälligkeitsgutachten“ zu argumentieren, um Kosten zu sparen. Diese forsche Gangart kommt nicht überall gut an. Vermutlich auch nicht bei Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz, der nach einem Spitzengespräch mit Vertretern der Bahn, Christoph Jessen vom Dialogforum und Landrat Reinhard Sager (CDU) klar machte, dass das Lärmschutz-Ergebnis nicht durch verbale Lautstärke entschieden werde. „Alle Kommunen an der Strecke müssen hinsichtlich des Lärmschutzes gleich behandelt werden“, sagte Minister Buchholz und löst damit große Proteste in Bad Schwartau aus.

„Von Gleichbehandlung kann doch keine Rede sein, wenn die Landesregierung Bad Schwartau die Umgehungstrasse nicht gewährt, die andere Kommunen erhalten“, sagt Meike Vogel von der Initiative Bad Schwartauer Kreuz-Ritter. „Scheinbar ist den Kieler und Berliner Politikern ihr Problem Bad Schwartau noch nicht annähernd bewusst. Anfang 2019 erwarten wir die Auslegung der Planfeststellungsunterlagen mit Einspruchsphase. Die Planung der Vorhabenträgerin beschäftigt sich momentan nicht mit einer sinnvollen Troglösung. Es wird somit Einsprüche der Menschen in Bad Schwartau hageln“, kündigt Meike Vogel weiter an. Ob der Pläne der Bahn, in der Ortsdurchfahrt Bad Schwartau über mehrere Kilometer eine sechs bis sieben Meter hohe Lärmschutzwand zu errichten, erklären die Kreuz-Ritter: „Wir wollen keine zweite ,Berliner Mauer’ mitten durch Bad Schwartau“.

Ironisch geäußerte Kritik kommt auch vom Umweltbeirat der Stadt Bad Schwartau. „Da ist ja Bürgernähe richtig zu spüren. Von Gleichbehandlung steht ja auch etwas im Grundgesetz. Gut, dass der Minister daran erinnert“, sagt der Vorsitzende Rudolf Meisterjahn. Forderungen der Region auf Lärmschutz bei einem langfristigen internationalen Verkehrsprojekt wurden in der Runde dagegen „als Wolkenkuckucksheim“ bezeichnet. Hoffentlich seien damit die Planungen der Deutschen Bahn gemeint. Meisterjahn erinnert zudem daran, dass zwei Drittel der lärmbetroffenen Bürger an der gesamten FBQ-Trasse im Stadtgebiet von Bad Schwartau leben. „Sind zwei Drittel der betroffenen Bürger die lauten Schreier? Bürgerfreundliche Politik sieht anders aus.“

Bürgermeister Brinkmann schlägt unterdessen etwas leisere Töne an. „Man weiß ja nicht in welchem Zusammenhang die Aussagen gemacht wurden. Deshalb werde ich die Angelegenheit derzeit nicht kommentieren oder bewerten“, sagt Brinkmann, der erst noch einen Gesprächstermin mit dem Abteilungsleiter im Verkehrsministerium abwarten will. „Wir wollen erst einmal die Ergebnisse der Gesprächsrunde ganz sachlich bewerten und nicht Nervosität erzeugen“, sagt Brinkmann, der aber auch noch einmal auf den jüngsten einstimmigen Beschluss des Bauausschusses der Stadt Bad Schwartau verweist – eine Erklärung zur Unverzichtbarkeit der geforderten Tieferlegung der Bahnstrecke in einem Trog-Bauwerk bei der Ortsdurchfahrt.

Genau dafür wurden in Bad Schwartau von Initiativen und Vereinen 3333 Unterschriften gesammelt, die die Kreuz-Ritter gemeinsam mit Bürgermeister Uwe Brinkmann in Berlin an den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag übergeben wollen, denn die Entscheidung für einen übergesetzlichen Lärmschutz fällt am Ende in Berlin.

Sebastian Prey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es ist wieder soweit: Die Universität zu Lübeck begrüßt 1011 neue Studenten der Uni Lübeck in St. Petri. Erstmals waren auch Ergotherapie- und Logopädiestudenten dabei.

08.10.2018

Harald Werner (CDU) ist seit Mitte Juni Ostholsteins neuer Kreispräsident. Im Interview spricht er über seine Liebe zu Fliegen und Einstecktüchern, Kunst, Politik und seine Sorge um die Demokratie.

06.10.2018

Stefanie Lutz aus Groß Parin hat sich für die Special Olympic Games im März 2019 in Abu Dhabi qualifiziert. Starten wird die 37-Jährige in der Disziplin Rollerskating.

06.10.2018