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Bad Schwartau Bad Schwartaus Bürgermeister wohnt weiter in Hamburg
Lokales Bad Schwartau Bad Schwartaus Bürgermeister wohnt weiter in Hamburg
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16:03 22.09.2017
Die Bad Schwartauer wünschen sich, dass ihr Bürgermeister Uwe Brinkmann in der Stadt wohnt
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Bad Schwartau

Die übliche Tagesordnung war im Hauptausschuss schnell abgehandelt, eine einzelne Frage zum Schluss sorgte dann aber noch für eine gereizte Stimmung. „Im Auftrag meiner Fraktion möchte ich Sie fragen, wann Sie vorhaben, nach Bad Schwartau zu ziehen“, sagte der Ausschussvorsitzende Jürgen Habenicht (CDU). „Sie sind jetzt ein Jahr im Amt. Die Bürger wünschen sich, Sie und ihre Familie hier öfter zu treffen.“ 

„Es handelt sich immer noch um ein Dienst- und und kein Leibeigenen-verhältnis.“Uwe Brinkmann Bürgermeister

Brinkmann wohnt mit seiner Frau Larissa und den drei Kindern in Hamburg. Er zeigte sich zunächst irritiert, diese Frage erneut beantworten zu müssen. Wurde dann aber mehr als deutlich: „Es handelt sich immer noch um ein Dienstverhältnis und nicht um ein Leibeigenenverhältnis“, sagte er. „Wo ich mit meiner Frau spazieren gehe, das geht niemanden etwas an.“ Auch private Fragen zur Familienplanung, zu Elternzeit oder verbleibenden Urlaubstagen hätten in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Er verstehe nicht, warum er so eine Frage in diesem Gremium beantworten solle. „Ich empfinde das als persönlich verletzend“, so Brinkmann, der die Wahrung gewisser Standards und Prinzipien einforderte. „Ich bin auf alle Parteien zugegangen, habe transparent und immer gleiche Antworten zu dem Thema gegeben.“

Und so fasste er wiederholt zusammen, dass er und seine Familie nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten Domizil seien – mit einer Größe von 150 Quadratmetern aufwärts, gern mit Einliegerwohnung. „Wir würden gern etwas kaufen. Es ist aber nicht nur schwierig, sondern fast unmöglich in Bad Schwartau etwas geeignetes zu finden.“ Und damit sei er nicht allein. Aus der Bevölkerung wisse er, dass es vielen anderen Bürgern genauso gehe.

Rund 14 Monate ist Brinkmann nun im Amt und pendelt seitdem. Rechtlich gibt es in Bad Schwartau jedoch keine Vorgaben für den Wohnsitz des Bürgermeisters, eine sogenannte Residenzpflicht. Weder in der Hauptsatzung der Stadt, noch im Kommunalgesetz des Landes steht geschrieben, dass der Verwaltungschef dort wohnen muss, wo er arbeitet. Bei den Bürgern kommt das offenbar trotzdem nicht so gut an. Zumindest scheint er dadurch weniger präsent zu sein, ist immer wieder zu hören. Nach der Arbeit die Stadt zu verlassen, trage womöglich auch nicht unbedingt zur Glaubwürdigkeit beim Wähler bei – laut CDU-Fraktion Grund genug, nach über einem Jahr mal nachzufragen. „Das sollte Sie nicht treffen, es war eine simple Frage, die keinen hässlichen Hintergrund gehabt hat“, nahm Habenicht die Reaktion zur Kenntnis. „Wenn Sie das Thema politisch missbrauchen wollen, müssen wir uns überlegen, in welchem Klima wir hier künftig zusammenarbeiten wollen“, sagte der Bürgermeister. „Es geht hier auch um ein zwischenmenschliches Miteinander. Und ich muss sagen, dieser Umgang stimmt mich sehr nachdenklich.“

Am 1. August 2016 hatte Brinkmann die Nachfolge von Gerd Schuberth (CDU) angetreten, der sich nach 14 Jahren im Amt nicht zur Wiederwahl gestellt hatte.

 Von Irene Burow

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