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Bad Schwartau Basteln als Meditationsübung
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20:23 19.10.2013
Ehefrau Ellen Liercke darf den neuen Bogen als Erste testen.

Es ist der wichtigste Moment eines jeden Bogenbauers: Wenn Hendrik Liercke seinen Bogen das erste Mal spannt, entscheidet sich, ob sich die monatelange Arbeit gelohnt hat, oder ob das Holz mit einem lauten Knall zerspringt. Nur wenn alles perfekt bearbeitet wurde, hält der Bogen der Spannung stand. Meistens hat Liercke Glück.

Der 45-jährige Curauer hat vor gut sieben Jahren den Bogenbau für sich entdeckt. „Auf einem Mittelaltermarkt in Lübeck hat alles angefangen“, erzählt er, „ich habe einen Bogenbauer kennengelernt und bei ihm meinen ersten Bogen erworben.“ Doch schnell wollte Liercke selbst Hand anlegen. Von seinen Nachbarn hat er sich deshalb zum nächsten Geburtstag einen großen Eschenholzspalt gewünscht — das optimale Holz für einen Bogen. Wochenlang hat er mit einem Zugmesser Schicht um Schicht des Stammes abgetragen. „Das Holz muss ganz trocken sein, bevor man damit arbeiten kann, oft muss es ein bis zwei Jahre lagern.“ Damit aus einem einfachen Balken ein filigraner Bogen entsteht, braucht es viel Fingerspitzengefühl. „Die Jahresringe vom Holz dürfen nicht durchtrennt werden, sonst kann er später an der Stelle leicht brechen“, erklärt Liercke.

Wenn der Bogen fertig ist, fehlt nur noch die Sehne. „Heute wird größtenteils Kunststofffaser verwendet, aber auf meinem Bogen ist noch Schustergarn, eine Art Leinen“, so Liercke. Dann steht das „tillern“ auf dem Programm. Hierbei wird der Bogen schrittweise gespannt und so getestet, ob er biegsam genug ist. „Ich bin immer richtig aufgeregt, wenn er das macht“, verrät Ehefrau Ellen Liercke, „wenn das klappt, hat sich die ganze Arbeit gelohnt. Sonst muss man von vorne anfangen.“ Wenn Liercke mit seiner Frau und Sohn Jannis einen Spaziergang durch den Wald macht, dann findet er immer etwas, was er gebrauchen kann. „Ich bin ein Jäger und Sammler“, erzählt er lachend. Und sein Hobby begeistert auch andere Curauer: Beim Sommerfest der Kirchengemeinde konnten Kinder sich vor kurzem an Pfeil und Bogen versuchen. Und auch gemeinsam mit den Nachbarn geht der gelernte Gärtner ab und an runter zum Bach und verbringt ein paar Stunden beim Bogenschießen. „Der Sport trainiert die Stabilität des Körpers und erfordert viel Konzentration“, weiß Liercke.

Doch es ist längst nicht sein einziges Hobby: Entspannung findet Liercke auch beim Weidenflechten. Statt vor dem Fernseher zu sitzen, flechtet der 45-Jährige im Winter Körbe, Deko-Artikel und Rankgerüste für den Garten. „Wenn das Laub abgefallen ist, kann man dazu wunderbar Weide nehmen“, erklärt er, „aber auch Zweige von Clematis, Hopfen oder Hartriegel sind gut geeignet.“ In der Vorwerker Diakonie, wo Liercke arbeitet, hat er bereits Kurse im Korbflechten gegeben und auch den Schulhof seines Sohnes mit selbstgebauten Tipis verschönert. „Beim Basteln kann ich dem Alltag entkommen“, schwärmt er, „es ist wie ein Weg zu sich selbst.“ Überall in Haus und Garten findet sich die Weidenkunst wieder. „Gut zwei Jahre hält sich das Holz draußen, dann verrottet es“, erzählt Liercke. Doch das ist wohl auch gut so, sonst wäre ja kein Platz für neue Werke.

„Beim Basteln kann ich dem Alltag entkommen — es ist ein Weg zu sich selbst.“
Hendrik Liercke (45)

Maike Wegner

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