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Bad Schwartau Baustellen sorgen für Frust und Ärger
Lokales Bad Schwartau Baustellen sorgen für Frust und Ärger
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21:28 10.08.2017
Jan Jaeger (54) montiert ein Schild, damit Fremdparker nicht weiter den hauseigenen Parkplatz blockieren.

„Die Autofahrer wollen nur noch schnell vorbei, so dass kaum jemand mehr auf unsere Tankstelle fährt“, sagt Kathrin Scheffler (25), stellvertretende Stationsleiterin bei Avia. Rund ein Fünftel Umsatzeinbußen sind hier zu verzeichnen. Von Stammkunden wissen sie, dass sie inzwischen lieber das Fahrrad nehmen, um zum Beispiel von Lübeck aus die Schwartauer Werke zu erreichen. „Es ist grausam“, sagt Anwohner Henning Reiner (74).

Alle Ausweichstrecken seien quasi auch versperrt. „Man muss ja hier durch. Und ich habe als Rentner noch Glück. Die Berufstätigen tun mir leid.“ Richtig gekniffen ist der Pizzaservice Roma an der Kreuzung. „Wir haben Stress mit den Kunden, weil die Fahrzeiten viel zu lange dauern. Wir wissen nicht mehr, wie wir das erklären sollen“, sagt Inhaber Shahbaz Khawar (39). Die fünf Fahrer, die oft in Richtung Cleverbrück aufbrechen, müssten große Runden fahren, weil sie denselben Weg nicht mehr zurückfahren können. „Es ist ein unhaltbarer Zustand“, sagt auch Birger Schönberg (60), Geschäftsführer des benachbarten Geschäftes Projekt Akustik. „Ein Drittel unserer Kunden kommt von Hamburg und außerhalb. Sie werden in Lübeck von der Autobahn heruntergeleitet und fahren hier dann direkt wieder in die Baustelle“, sagt er. „Und die Straßen, durch die man sich sonst schlängeln könnte, sind größtenteils auch dicht. Ich finde schon, dass man erwarten kann, dass die Anzahl der Baustellen besser koordiniert werden kann.

Ganz in der Nähe, in der sonst eher ruhigen Schmiedekoppel rollt ein Wagen nach dem anderen durch das Wohngebiet. Gisela Ladehoff kann sich nicht daran erinnern, dass in den letzten zehn Jahren mal so viel Verkehr vor ihrer Haustür war. „Das ist schon extrem“, sagt die 75-Jährige. Durch die Sperrung der Kreuzung Hindenburgstraße/Cleverhofer Weg wegen Bauarbeiten am Regenwassersystem wird der gesamte Straßenverkehr seit Mittwoch unter anderem durch die Schmiedekoppel umgeleitet. Weil jetzt dort auch Linienbusse fahren, wurde auf beiden Seiten zudem ein absolutes Halteverbot ausgewiesen.

Und das sorgt bei besonders vielen Anwohnern für Unmut. „Mit meiner kleinen Tochter kann ich nicht so weit gehen. Da muss ich einfach verboten parken“, sagt Jasmin Schulte (30), die sich in der Gegend um eine ältere Dame kümmert. Auch Koch Andreas Dietzel (45) ist genervt: „Wenn ich spät von der Arbeit nach Hause komme, habe ich keine Chance, einen vernünftigen Parkplatz zu finden.“ So geht es vielen. Die Folge: Auch Privatparkplätze werden zugeparkt. Die Besitzerin der Schmiedekoppel 10-12 hat sogleich reagiert. Gestern Vormittag montiert Jan Jäger (54) entsprechende Hinweisschilder auf dem Parkplatz. „Ob das etwas nützt, wird sich zeigen“, sagt Jäger, der die Fremdparker auf dem Gelände teilweise auch verstehen kann. „Irgendwo müssen die Leute mit ihren Autos ja bleiben.“

Bad Schwartaus Polizeichef Andreas Block weiß um die aktuell schwierige Situation. Block: „Es gibt Engpässe, aber ich kann nur an alle appellieren, gelassen zu bleiben. Da müssen wir nun alle durch. Freuen wir uns auf bald bessere Straßen.“

I. Burow und S. Prey

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