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Bad Schwartau Beifall und Tränen zum Abschied von Pfarrer Imlau
Lokales Bad Schwartau Beifall und Tränen zum Abschied von Pfarrer Imlau
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20:13 14.11.2016

Es sind nicht wenige, denen beim Verlassen der Kirche der Pfarrei Maria Königin Tränen in den Augen stehen – dass ihr Pfarrer Michael Imlau Bad Schwartau verlässt, trifft die Gläubigen der katholischen Gemeinde hart. Nicht nur, weil es um „ihren“ Pfarrer geht, zu dem sie seit fast 16 Jahren großes Vertrauen aufgebaut haben – es wird auch keinen neuen Pfarrer geben, der ausschließlich für Bad Schwartau zuständig sein wird, denn durch eine Umstrukturierung werden die Schwartauer Katholiken nun der neu gegründeten Lübecker Pfarrgemeinde „Zu den Lübecker Märtyrern“ zugeschlagen (die LN berichteten).

Am Sonntag gab es in Bad Schwartau die letzte Heilige Messe mit Pfarrer Michael Imlau. Quelle: Birgit Jungke

„Sie werden immer in unseren Herzen bleiben.Otto Sawicki, Gottesdienstbesucher und bekannter Lübecker Schauspieler

„Das Gemeindeleben vor Ort wird leiden – das trifft auch den Nachwuchs. Demnächst müssen wir zum Gottesdienstbesuch in einen anderen Ort fahren – unsere Jungs haben so zum Beispiel viel weniger Kontakte zu den älteren Gemeindemitgliedern“, bedauert Stefan Jarszick die Entwicklung. Drastischer drückt es Hans-Peter Kahns aus: „Hier wird eine Gemeinde vernichtet“, sagt er und mutmaßt düster:

„Und das ist erst der Anfang.“

Die Zukunft der katholischen Gemeinde ist das Gesprächsthema Nummer eins unter den Gottesdienstbesuchern, die am Sonntag in Scharen in die Kirche strömen.

Pfarrer Michael Imlau indes zelebriert die Heilige Messe wie immer höchst professionell. Wie sehr ihn die Entscheidung, unfreiwillig in den Ruhestand versetzt zu werden, trifft, ist erst im anschließenden „inoffiziellen“ Teil zu spüren.

Zunächst verliest Prälat Patrick Boland einen Dankesbrief des Erzbischofs, der noch einmal auf die verschiedenen Stationen von Pfarrer Imlau, der auch der Schweiz und in Österreich tätig war, eingeht. Den „offiziellen Ton“ des Briefes entschuldigt der Prälat damit, dass dieser Text auch in die Personalakte eingehe. Anschließend wird es persönlich: So erinnert Boland daran, dass der Beginn von Imlaus Amtszeit zwar nicht ganz einfach gewesen sei, heute aber schaue er wie viele andere mit großer Wehmut zurück: „Ich sage einfach von Herzen Danke und hoffe, dass wir Sie wiedersehen“, richtete er seine Wünsche an den scheidenden Pfarrer. Dieser kündigte an, sich das Geschenk einer inzwischen verstorbenen Dame, eine kleine Kopie des Altarkreuzes, auf seinem persönlichen Altar in seinem neuen Zuhause aufzustellen – als wertvolle und schöne Erinnerung an die Schwartauer Zeit. Imlau dankte insbesondere denjenigen Besuchern, die stets lange Anfahrtszeiten in Kauf genommen haben, um der Heiligen Messe beizuwohnen. An diesem „Abschiedstag“ waren sogar Gläubige eigens aus Nordrhein-Westfalen angereist. Als der Gottesdienstbesucher Otto Sawicki an die Adresse Imlaus die Worte „Sie werden immer in unseren Herzen bleiben“ einwirft, brandet spontan lauter Applaus auf – der bekannte Lübecker Theaterschauspieler hat mit diesem Satz allen Anwesenden aus der Seele gesprochen.

Nach der Heiligen Messe fährt Pfarrer Imlau in sein neues Zuhause nach Hamburg. „Ich bin mit mir im Reinen, denn ich muss mir nicht vorwerfen, weggelaufen zu sein. Ich bin weggeschickt worden und habe in Gehorsam gegen mein Gewissen meinen Rücktritt eingereicht“, beschreibt er seine Gefühlslage.

Birgit Jungke

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