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Bad Schwartau Blitzmarathon in der Mühlenstraße und auf der A1
Lokales Bad Schwartau Blitzmarathon in der Mühlenstraße und auf der A1
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21:28 21.04.2016
Schon am frühen Morgen haben die Polizistinnen Regine Persson (l.) und Annika Cesartz in der Mühlenstraße einen Blitzer aufgestellt. Quelle: I. Burow

Auffällig langsam schleichen die Fahrzeuge die Bad Schwartauer Mühlenstraße entlang. Die Fahrer sind aufmerksam, flugs wird zuweilen das Handy am Ohr beiseite gelegt — hier wird geblitzt. „Viele Fahrer sind über den Blitzmarathon informiert“, sagt die Polizistin Regine Persson. Doch aus Erfahrung weiß sie: Es werden immer noch genug Temposünder „fotografiert“.

 

Ein Polizeiwagen fordert auf der A 1 einen Raser auf: „Folgen!“

„Auf der A 1 sind drei Video-Wagen im Einsatz.“ Dierk Dürbrook, Polizei-Sprecher

Um 7 Uhr hat sie mit ihrer Kollegin Annika Cesartz begonnen, die Technik aufzubauen. 15 bis 20 Minuten dauert das. Es ist eine der ersten Messstellen in Ostholstein. Testfotos zeigen, ob die Blitzer doch noch ein wenig gedreht werden müssen und ob die Bilder die richtige Belichtung haben. Um 7.30 Uhr starten die Messungen. Geblitzt wird in beide Richtungen. Trickreich hierbei: In Richtung Hindenburgstraße wird der Verkehr von der Seite geblitzt — für Fahrer ist das kaum sichtbar.

Es dauert nur wenige Minuten, da löst der Blitzer zum ersten Mal aus. Jemand ist mit 47 Stundenkilometern erwischt worden, erlaubt sind hier 30 km/h. Denn in der Nähe befinden sich eine Schule und Kindergärten. Drei Toleranzpunkte werden abgezogen — der Fahrer wird für 14 km/h zu viel auf dem Tacho 25 Euro zahlen müssen. „Wir hatten hier auch schon Überschreitungen von 70 oder 80“, sagt Regine Persson. Die Beamten rechnen bis zum Abend mit 400 bis 500 Überschreitungen allein an diesem Messpunkt.

Der installierte Blitzer in der Mühlenstraße gehört zu den wenigen festen Messstellen in Ostholstein. Andernorts sind die Beamten mit Videowagen und Lasern im Einsatz, wechseln permanent den Standort. Das bekommen auch die Raser auf der Vogelfluglinie zu spüren. Mit drei Video-Wagen ist die Polizei auf der A 1 und B 207 von und nach Fehmarn unterwegs. Ein Wagen mit modernster Messtechnik aus Neumünster, zwei mit beinahe schon nostalgischer Analogtechnik aus Scharbeutz.

Doch alle Videokameras arbeiten präzise und beweissicher. „Für uns ist der Blitz-Marathon aber wie ein normaler Dienst“, betonen Angela Ipsen und Frank Behrens. Sie kennen auf der Route jede Gefahrenstelle. Gestern gibt es zunächst wenig Ausreißer. Auf Fehmarn ist eine Wanderbaustelle, zudem sind im Kreisnorden auffällig viele Trecker unterwegs.

Trotzdem: Ihr Dienstwagen von 2006 dreht seine Runden, erwischt die ersten Sünder — und nähert sich einem eigenen Rekord. Ipsen: „Er ist fast 500000 Kilometer gelaufen.“

Erfolgreicher ist zu diesem Zeitpunkt bereits das Team von Rainer Pries. Soeben lotsen sie einen Holländer auf den Autobahnparkplatz „Ostseeblick“ in Höhe Heiligenhafen. Bei Gremersdorf, wo zusätzlich eine Radarkontrolle aufgebaut ist, haben sie Tempo 80 um 25 km/h überschritten — das kostet 100 Euro. Die schlimmsten Ausreißer mit Tempo 125 oder gar 130 müssen noch mehr blechen.

Dennoch ist die Stimmung entspannt. Die Bußgelder liegen aus Sicht der Skandinavier deutlich unter denen, die daheim fällig sind. Pries: „Die bedanken sich bei uns sogar noch für die ,günstigen‘

Preise.“ Ganz besonders happig ist es in Norwegen — dort wird einkommensabhängig kassiert. Auf dem Parkplatz behalten die Beamten von den Skandinaviern eine Sicherheitsleistung in doppelter Höhe ein, dafür entfällt nach ihrer Rückkehr die Angst vorm Fahrverbot. Mit 320 Euro Bußgeld kommt der Tempo-130-Raser davon.

Von Irene Burow und Gerd-J. Schwennsen

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