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Bad Schwartau Buddenbrooks besuchten das Geertz
Lokales Bad Schwartau Buddenbrooks besuchten das Geertz
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18:21 13.04.2017
Das ehemalige elfzeilige Geertz-Hotel mit dem prachtvollen Mittelstück und dem Säulen-Portal. FOTOS/REPROS: IRENE BUROW/HFR

Die Gastwirtschaft Geertz muss großen Eindruck hinterlassen haben. Denn gelegen am Naherholungsgebiet Riesebusch/Schwartautal war es nicht nur der optimale Ausflugsort, über Jahrzehnte erarbeitete sich auch das Lokal einen guten Ruf. So gelangte das Haus Anfang des 20. Jahrhunderts zu Weltruhm: In dem Gesellschaftsroman „Buddenbrooks – Verfall einer Familie“ aus dem Jahr 1901 kehrten die berühmten Lübecker Kaufleute aus der Feder Thomas Manns dort ein. Dass die Buddenbrooks mit der Kutsche durch Schwartau fuhren und im Riesebusch zur Wilhelmsquelle spazierten, daran wird seit 2015 mit einem Denkmal erinnert (siehe Infokasten). Doch die Einkehr in dem Wirtshaus – dieses Detail ist mindestens für die Chronik des Hauses von herausragender Bedeutung. Sie ist in den vergangenen Jahren mit viel Aufwand entstanden.

Mit viel Aufwand wurden Erinnerungen der ehemaligen Gastwirtschaft und jetzigen Seniorenresidenz gesammelt. Entstanden ist eine Chronik.

„Ich dachte, mit einem Klick hätten wir haufenweise Informationen“, erzählt die Hausdame in der heutigen Seniorenresidenz, Wiebke von der Hagen, die maßgeblich an der Erstellung beteiligt war. Doch das Gegenteil war der Fall: Es gibt nur wenig Material. Und so stammen die meisten Einzelheiten aus den Erinnerungen von Menschen, die dem Haus verbunden sind und waren. „Es ist ein unheimlich spannendes Haus, das schon viel gesehen hat“, so von der Hagen. Zusammengetragen wurden auch einige Dokumente aus persönlichem Besitz – von Hochzeitsfotos und Bildern von Ausflügen bis zum Ausbildungszeugnis und der Erwähnung in den Lübecker Nachrichten.

Der Ursprung des Gebäudes in der Straße Riesebusch liegt nach Aufzeichnungen des Schwartauer Lehrers und Heimatforschers Max Steen im 15. Jahrhundert. Damals wurde von einem Herrn Möller für 124 Lübsche Mark eine kleine Wirtschaft gekauft, die der „Krug“ genannt wurde. Das Haus ging in verschiedene Hände und Berufszweige über, war unter anderem eine Branntweinbrennerei. 1763, rund 350 Jahre später, erwarb der Gastwirt Hans Geertz das Gebäude, das noch heute seinen Namen trägt. In den kommenden Jahrzehnten erlangte die Gastwirtschaft einen sehr guten Ruf. Die Lage im Grünen nutzten die Buddenbrooks für einen Ausflug und kehrten später dort ein. Die persönliche Bedienung wird im Roman ausführlich beschrieben: „Buchenwaldungen kamen in Sicht, der Wagen fuhr durch den Ort, über das Marktplätzchen mit seinem Ziehbrunnen, gelangte wieder ins Freie, rollte über die Brücke, die über das Flüßchen Au führte, und hielt endlich vor dem Wirtshaus ,Zum Riesebusch’ (...). Der Wirt, in gelbgesticktem Käppchen und Hemdsärmeln, trat persönlich an den Schlag, um den Herrschaften beim Aussteigen behilflich zu sein, und die Konsulin sagte: ,Wir machen nun also zunächst einen Spaziergang, guter Mann, und möchten dann, nach einer Stunde oder anderthalb, ein Frühstück haben. Bitte, lassen Sie uns drüben servieren... aber nicht zu hoch; auf dem zweiten Absatz, dünkt mich...’

,Alles, was da ist’ begann der Wirt mit großer Geläufigkeit, ,Krebse, Krabben, diverse Wurst, diverse Käse, geräucherten Aal, geräucherten Lachs, geräucherten Stör...’ ,Schön, Sie werden das schon machen.’ Und sie gingen über den Platz.“ Aber auch einfache Bürger und Vereine waren zu Gast.

Mit dem Stadtrecht 1912, der Anbindung von Straßenbahn, Eisenbahn und einer Schifffahrtslinie auf der Trave wurden die Moor- und Jodsolbäder genutzt. Durch den Fremdenverkehr wuchs die Stadt – und mit ihr das Geertz’. 1920 wurde es umgebaut und beeindruckte mit einer säulenverzierten Front. Es gab einen großen Tanzsaal mit Bühne. Und das ist es auch, woran sich die meisten Bewohner viel und gern zurückerinnern: drei mal pro Woche gab es Veranstaltungen, die bis über die Stadtgrenzen hinaus bekannt waren. Unterschiedliche Clubräume, eine Kegelbahn, sommerliche Schulfeste und ein großer Kaffeegarten taten ihr übriges.

Durch den Zweiten Weltkrieg kam der Betrieb weitgehend zum Erliegen. Vielen Flüchtlingen musste in den Sälen und Fremdenzimmern Unterschlupf gewährt werden. Und dann – 1960 – ist das Gebäude durch einen technischen Defekt fast vollständig zerstört worden. „Es brannte drei Tage lang, das Feuer war nur schwer unter Kontrolle zu bringen“, sagt Wiebke von der Hagen. Ein Stück Zeitgeschichte ging verloren. Ende der 60er Jahre entstand schließlich das jetzige Hochhaus, nach damals modernem Aussehen. Nun gab es einen Trakt mit Wohnungen und der Hotelbetrieb wurde wieder aufgenommen. Und wieder gab es Geselligkeiten und Feste, die jedoch nie wieder an die einstige Blüte heranreichten. Die Freizeitgestaltung hatte sich verändert. Mt Autos waren auch weiter entfernte Ausflugsziele erreichbar geworden. Das endgültige Aus für das Geertz kam 1985, seither befindet sich die Seniorenresidenz in dem Hochhaus.

Die Bewohner des Hauses freuen sich jetzt über eigene Exemplare der Chronik. „Wir haben mehrere drucken lassen, damit jeder für sich nachlesen kann“, sagt Wiebke von der Hagen.

Skulptur erinnert

Die Enthüllung der Thomas-Mann-Bronzeplastik erfolgte 2015 unweit des Riesebuschs. Dort führte die Kutschfahrt der Buddenbrooks vorbei, die Thomas Mann in seinem Roman beschrieb. Der Vorsitzende des Gemeinnützigen Bürgervereins, Klaus Nentwig, hatte sich für das Denkmal eingesetzt. Der Vorstand wollte Thomas Mann für seine literarische Würdigung Schwartaus ein Denkmal setzen.

Die Bronzeplastik wurde vom Künstler Claus Görtz entworfen. 25000 Euro hat sie gekostet; finanziert durch Bürgerverein, Stadt, die Sparkassen-Kulturstiftung und private Spender.

Irene Burow

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