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Bad Schwartau Bürgermeister-Wahlkampf: Prominente Hilfe für Fischer
Lokales Bad Schwartau Bürgermeister-Wahlkampf: Prominente Hilfe für Fischer
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21:35 06.02.2018
Rund 90 Minuten lang sprechen Christian Fischer und Ole von Beust (r.) miteinander und beantworten Fragen aus dem Publikum.

Rund 100 Zuhörer folgten der Einladung zur Auftaktveranstaltung der Reihe „Stockelsdorfer Gespräche“. Kein Wunder, schließlich kann sich selbst Bürgervorsteher Harald Werner nicht erinnern, dass jemals ein Ministerpräsident oder Erster Bürgermeister im Stockelsdorfer Rathaus gewesen ist. Diesmal also mit Ole von Beust immerhin ein ehemaliger.

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Der Bürgermeisterwahlkampf in Stockelsdorf nimmt Fahrt auf: Der CDU-Kandidat Christian Fischer holt sich nun prominente Unterstützung, am Montag hat er mit dem ehemaligen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust gesprochen.

Termine

Zwei weitere „Stockelsdorfer Gespräche“ stehen an:

Am 28. Februar spricht Christian Fischer in der Gerhart-Hauptmann-Schule mit Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien über Schulpolitik.

Am 1. März trifft er im Herrenhaus auf den ehemaligen CDU-Politiker und jetzigen Kölln-Geschäftsführer Christian von Boetticher zu einem Gespräch über Wirtschaft.

Und der CDU-Mann, der von 2001 bis 2010 die Geschicke Hamburgs leitete und mittlerweile wieder als Rechtsanwalt und Unternehmensberater tätig ist, enttäuschte die Zuhörer nicht. Launig und kurzweilig erzählte er, was er am Bürgermeister-Dasein vermisst („Wenn früher eine Baustelle nicht voran ging, konnte ich einfach anrufen. Heute würden sie sagen, der spinnt wohl.“) und warum er trotzdem keine Sehnsucht zurück verspürt: „Bei einem solchen Spitzenamt ist man nach acht bis zehn Jahren einfach durch. Anfangs finden die Leute es nett und interessant, wenn du jeden Abend zu ihnen ins Wohnzimmer kommst; irgendwann nervt es.“ Dem habe er im Sommer 2010 zuvorkommen wollen.

Diesbezüglich zog der Hamburger mit Lübecker Wurzeln, sein Vater kommt hierher, auch Parallelen zur Bundespolitik: „Auch bei den Koalitionsverhandlungen kann man einige nicht mehr sehen. Man sehnt sich nach neuen Themen und Gesichtern.“ Sein Wunsch: „Union und SPD müssen einen gemeinsamen Spirit entwickeln, der vier Jahre hält, anstatt auf Fehler des Anderen zu lauern.“ Der Koalitionsvertrag könne ohnehin nicht alles regeln. Auch der FDP gab von Beust noch einen mit: „Bis zum Ende zu verhandeln und dann mit einem vorbereiteten Papier vor die Presse zu treten, das geht gar nicht. So geht man nicht miteinander um.“

Respektvoller Umgang, ohnehin ein Herzensthema Ole von Beusts. Und eines, das er auch Christian Fischer mit auf den Weg gab: „Als Bürgermeister ist man für alle da, nicht nur für die eigenen Leute.“

Zwar sei man nicht nur Moderator, sondern müsse auch führen können. Und zeitweise müsse man dann auch die eigenen Leute trösten und ihnen klar machen: „Wir haben nur Erfolg, wenn wir die Anderen mitnehmen.“ Und, an Fischer gerichtet: „Wie ich Sie einschätze, können Sie das.“

Neben all den großen Themen nutzte Christian Fischer aber auch die Gelegenheit, Stockelsdorfer Wahlkampf zu machen. Den Münzplatz würde er gerne aufwerten, vielleicht durch Verlegung des Wochenmarktes in den Nachmittag und Außengastronomie. Auch solle man nicht immer nur im Kleinen denken, sondern darüber hinaus: von Stockelsdorf nach Bad Schwartau nach Lübeck nach Hamburg. „Es ist falsch, immer diese Insel-Lösungen zu machen.“ Auch möchte er sein Motto „Stockelsdorf 2030 – In welchem Stockelsdorf wollen wir leben“ mit allen Akteuren – von Wirtschaft über Vereine und Verbände bis Politik – der Großgemeinde gemeinsam gestalten.

Und als wäre es abgesprochen, lieferte ihm Ole von Beust in diesem Punkt die Argumente frei Haus: „Sie müssen für ein Gemeinwesen ein Leitbild entwickeln, wo Sie hinwollen, gemeinsam auch quantifizierbare Ziele formulieren.“ Wie soll die Stadt aussehen, wie das Zusammenleben. Gleiches gelte für Deutschland: „Es geht um die Überlegung, in was für einem Land wollen wir leben.“

Leistungs- oder sozialorientiert – man könne alles so oder so sehen. „Was fehlt, ist der Disput“, so von Beust, der für auch mal unkonventionelle Lösungsansätze plädierte. „Häufig sind wir zu bequem;

wir müssen uns auch mal gemeinsam in den Hintern treten.“

 Ilka Mertz

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