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Bad Schwartau Bürgermeister will Stadtteilzentrum schließen
Lokales Bad Schwartau Bürgermeister will Stadtteilzentrum schließen
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11:39 07.03.2018
Der Mietvertrag für das Stadtteilzentrum an der Hauptstraße in Cleverbrück wurde seitens der Verwaltung zum 31. Mai gekündigt. Quelle: MERTZ

Die Ausschusssitzung dümpelte so vor sich hin. Rund zwei Stunden lang hatten die Politiker über dies (Erweiterung der Stadtbücherei) und das (Spielplatzplanung) diskutiert, als der zuständige Amtsleiter Timo Michaelsen nach vorne trat, um ein neues Konzept für die Bad Schwartauer Jugendarbeit vorzustellen. Was dann kam, versetzte die Politiker aller Parteien in hellen Aufruhr.

Timo Michaelsens und von Bürgermeister Uwe Brinkmann in Teilen bereits umgesetztes Konzept sieht vor, die Arbeit im U 12- und Ü 12-Bereich stärker zu trennen. Der U 12-Bereich soll künftig nahezu ausschließlich an den beiden Grundschulen angesiedelt sein. „Da sollten wir unser ganzes Potential reinstecken, denn dort haben wir mit Werk- und Computerräumen sowie Turnhallen perfekte Voraussetzungen“, erklärte Timo Michaelsen. Das Ziel: Einführung der Offenen Ganztagsschule zum 1. August 2019. Michaelsen betonte: „Die Vereine, die derzeit die Betreuten Grundschulen ermöglichen, sollen auf keinen Fall aufgelöst werden.“ Das Ziel seien bis zu fünf Kurse pro Tag, davon mindestens einer aus dem sportlichen Bereich. Dies solle durch Zusatzangebote von freien Trägern erreicht werden. „Wir wollen keinen Träger drüberstülpen, sondern Lücken auffüllen“, erläuterte Michaelsen.

Im Ü 12-Bereich sind die Pläne weniger konkret: weniger offene Jugendarbeit (nur noch ein Jugendcafé statt zwei), dafür mehr verlässliche Angebote wie beispielsweise monatliche Fahrten zum Bowling oder Lasertag nach Lübeck. Was hingegen nach wie vor fehlt, ist ein Konzept für die Jugendarbeit in Cleverbrück (die LN berichteten). Ziel sei die Schaffung eines Treffpunktes für Jugendliche in dem Stadtteil, heißt es in Michaelsens Papier. Allerdings gebe es kein Grundstück.

Selbstverwaltung nicht beteiligt

„Ich begrüße, dass Sie sich Gedanken gemacht haben, wie man die Jugendarbeit effizienter gestalten kann“, eröffnete Ellen Brümmer (CDU) die Diskussion, aber es stelle sich ihr die Frage, wann und wie die Kommunalpolitik einbezogen werden sollte. Auch Hans-Peter Pahlke (SPD) fragte: „Wer war an dem Konzept beteiligt?“ Die Verwaltung sei eingebunden wesen, so die Antwort von Timo Michaelsen, „federführend der Bürgermeister“. Und der habe viele Sachen auch schon entschieden: So sei der Mietvertrag für das Stadtteilzentrum in Cleverbrück bereits zum 31. Mai dieses Jahres gekündigt worden.

Ebenfalls beschlossen ist der Umzug der Stadtjugendpflege in die Räumlichkeiten der „Alten Zwoelf“ zum 1. Juli dieses Jahres.

Rumms, das hatte gesessen. Die Politiker waren fassungslos. „Ich finde kaum Worte“, sagte Ellen Brümmer, „die Verwaltung ist nicht legitimiert, Fakten zu schaffen.“ Auch Birgit Clemens war entsetzt:

„Wir haben so um einen Platz in Cleverbrück gerungen, das können Sie doch nicht einfach wegwischen.“ Andrea Zacharias (WBS) sagte: „Mich erschlägt diese Vorgehensweise.“ Und Jörg-Reiner Zacharias:

„Die Verwaltung hat schon das Museum dicht gemacht, soll das mit dem Stadtteilzentrum jetzt auch so laufen?“ Das Zentrum an der Hauptstraße sei immer als Übergangslösung betrachtet worden, „dass es jetzt dicht gemacht wird ohne ein neues Konzept, möchte ich nicht akzeptieren“. Auch Konrad Rahe (Grüne) konstatierte: „Für Jugendliche gibt es also in Cleverbrück auch weiterhin nichts.“

„Uns fehlt die Möglichkeit, dort etwas anzubieten“, erklärte Timo Michaelsen. Er hatte, da Bürgermeister Uwe Brinkmann nicht an der Sitzung teilnahm, die undankbare Aufgabe, die Pläne und Entscheidungen der Verwaltung zu verteidigen. Das Stadtteilzentrum sei nun mal für den Ü 12-Bereich völlig ungeeignet und der U 12-Bereich ergebe an den Schule mehr Sinn. Überhaupt sei das Objekt „von der Qualität her nicht mietwürdig“. „Das können Sie nicht entscheiden“, betonte Ellen Brümmer.

Da der Ausschuss wegen der Kommunalwahl am 6. Mai erst nach den Sommerferien wieder tagen wird, „und dann ist das Stadtteilzentrum zu“, gab Ausschussvorsitzender Carsten Dyck schließlich die Richtung vor: „Wir werden einen Antrag für die Stadtverordnetenversammlung formulieren.“ Hier sollen die Entscheidungen des Bürgermeisters noch verhindert werden.

 Von Ilka Mertz

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