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Bad Schwartau Christian Zimmermann hat ein Stück Musikgeschichte
Lokales Bad Schwartau Christian Zimmermann hat ein Stück Musikgeschichte
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19:35 22.06.2017
Christian Zimmermann (83) lebt mit seiner Partnerin Ingrid Leitner in Bad Schwartau. Beide teilen die Leidenschaft für Musik aus alten Zeiten. Quelle: Fotos: S. Prey

Aus dem Trichter des alten Grammophons dröhnt die Musik. Christian Zimmermann reißt die Augen auf und schmunzelt zufrieden. „Das ist einmalig. Diese Qualität ist wirklich etwas ganz Besonderes – Wahnsinn“, sagt Zimmermann mit lauter Stimme. Schließlich muss er gegen die 100 Jahre alte Platte auf dem Grammophon anreden. „Die Lautstärke lässt sich nur über eine andere Nadel regeln“, erklärt Zimmermann, der seit vier Jahrzehnten Grammophone, Phonographen, Musikboxen und Schellack-Platten sammelt. Aus Platz- und Altersgründen hat sich der 83-Jährige in den letzten Jahren von einem Teil seiner Sammlung getrennt.

Der Bad Schwartauer besitzt die erste Jazz-Platte, die vor 100 Jahren in New York aufgenommen wurde.

Ein paar ganz besondere Stücke der Musikgeschichte nennt Zimmermann aber noch immer sein Eigen. So besitzt er unter anderem auch die erste Jazz-Platte der Musikgeschichte, die die Original Dixieland Jass Band vor 100 Jahren in New York aufgenommen hat. Dass Zimmermann diese besondere 78er-Schellackplatte von 25 Zentimetern besitzt, hat ihn selbst positiv überrascht. Seine Schwester Etta, die unweit der Schweizer Grenze lebt, hat Zimmermann einen Zeitungsartikel aus der Badischen Zeitung zugesandt. In dem Artikel „Als das Feuer entfacht wurde“ ging es um die erste Jazz-Platte der Musikgeschichte. „Das Label Victor kam mir doch ganz bekannt vor“, berichtet Zimmermann, der sogleich seine Plattenkoffer mit rund 500 Schellack-Platten durchstöberte und tatsächlich diese besondere Platte in einer unscheinbaren weißen Plattenhülle entdeckte.

Zwei Millionen Mal wurde die erste Jazz-Platte damals verkauft. Besonders viele Exemplare wird es nach Meinung Zimmermanns nicht mehr geben. „Schon gar nicht in einem so guten Zustand, wie die meinige“, frohlockt Zimmermann, der früher als selbstständiger Kaufmann in Lübeck tätig war. Und in der Tat, beim Abspielen der schwarzen Scheibe knistert es nur leicht und auch die Nadel hakt bei der dreiminütigen Spielzeit nicht einmal. Zimmermann, der ohnehin sehr eigen mit seinen Grammophonen und Phonographen ist, hütet diese Platte nun ganz besonders. Damit dem Stück Musikgeschichte wirklich kein Schaden zugefügt wird, ist sie nun auch noch von zwei Seiten im Plattenkoffer mit Pappe geschützt. Mehrere hundert Euro wird die Scheibe jetzt wohl wert sein. Aber darum geht es Zimmermann nicht. „Das ist ein echter Schatz der Musikgeschichte und muss erhalten bleiben“, erklärt der Experte, der unter dem Titel „Kann denn Schellack Sünde sein?“ eigene Veranstaltungen mit seiner Platten-Sammlung und Trichter-Grammophon veranstaltet. Nächster Termin ist am 2. September im Eichenhof in Stockelsdorf.

Mit Ilse Werner befreundet

Seine Sammelleidenschaft begann, nachdem Christian Zimmermann von einem Ilse Werner-Verehrer einen Koffer mit Schellack-Platten geschenkt bekam. Mit der 2005 verstorbenen Sängerin und Schauspielerin war Zimmermann auch gut befreundet. Überhaupt pflegte Zimmermann einen guten Draht zu ganz bekannten Musikgrößen. So trat Zimmermann unter anderem mit Max Raabe, Paul Kuhn, Hugo Strasser, Max Greger sowie im Lübecker Theater Geisler und in der MDR-Talkshow auf.

 Sebastian Prey

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