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Bad Schwartau Das Sterben und das Trauern in der digitalen Welt
Lokales Bad Schwartau Das Sterben und das Trauern in der digitalen Welt
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10:23 20.11.2016
Die digitale Welt hat inzwischen auch die Branche der Bestatter erreicht. Es gibt spezielle Trauerportale im Internet. Quelle: DOREEN DANKERT

Wenn sie offline im realen Leben sterben. Sterben sie dann auch online? Oder ist die digitale Welt ein Ort, an dem die Erinnerung an Verstorbene nie stirbt? Fragen, die sich vielleicht gerade am heutigen Totensonntag so mancher stellt.

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Referat über Wirkung von sozialen Medien nach dem Tod.

30 Millionen Facebook-Nutzer gibt es in Deutschland. Jedes Jahr sterben 300000; alle drei Minuten einer. Facebook hat einen Erinnerungs-Modus für die Seite Verstorbener.

Computerfehler

Kürzlich passierte bei Facebook eine bittere Panne: Aus Versehen wurden rund zwei Millionen Facebook-Nutzer für tot erklärt – darunter auch Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Ein Facebook-Sprecher: „ Ein schrecklicher Fehler.“

Diese Fragen zum digitalen Trauern sind relativ neu in der Menschheitsgeschichte. Erst seit 15 Jahren wird dazu geforscht, erklärt Prof. Dr. Monique Janneck, die jetzt einen Vortrag beim Bestatter Dabringhaus in Stockelsdorf hielt zum Thema „Über den Tod hinaus: Wie digitale Daten an uns erinnern“. Es gebe in der Tat bei den Bestattern eine neue Form der Kundschaft, so die Dozentin an der Fachhochschule Lübeck. Man nennt diese Kundschaft „digital nativs“ – zu deutsch: digitale Ureinwohner. Personen einer Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind. So ziemlich alles, was es in der realen Welt gibt, gibt es für sie auch in der virtuellen Welt.

Das gilt auch für Orte der Trauer. Real ist der Friedhof. Virtuell das digitale Trauerportal, das für viele Bestattungsunternehmen wie zum Beispiel auch Dabringhaus inzwischen zum Angebot der Dienstleistungen gehört. Hier kann man für einen Verstorbenen eine Kondolenz hinterlassen oder eine virtuelle Kerze anzünden – egal von welchem Fleck der Erde aus. „Die Leute wollen das, die nehmen das an“, sagt Gisa Greve von Rapiddata, einem Softwareanbieter für Bestatter. „Trauern und das Internet widerspricht sich nicht“, so Greve.

Das hat auch Monique Janneck festgestellt. Die Forscher seien sich einig darüber, dass sich etwas in der Trauerkultur ändert. „Trotz einiger kritischer Punkte ist das digitale Trauern eine positive Sache“, so die Dozentin, „denn das digitale Gedenken hilft dabei, den Verstorbenen in der Erinnerung für die Hinterbliebenen weiterleben zu lassen.“ Zudem habe man im Internet einen Gedenkort abseits des Friedhofs.

Zu den negativen Punkten gehört, dass es in den sozialen Netzwerken wie Facebook auch Falschmeldungen über den Tod eines Menschen geben kann, die Angehörige und Freunde extrem schockieren können.

„Fakt ist“, so Monique Janneck, „dass im Internet das Sterben und die Trauer öffentlich werden.“ Und wer das weder zu Lebzeiten noch danach nicht will, dem rät Gisa Greve, per Testament dafür zu sorgen, dass nach dem Ableben nichts aus der realen Welt in die digitale transferiert wird von den Hinterbliebenen.

 Doreen Dankert

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