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Bad Schwartau Demonstranten begleiten Dobrindt
Lokales Bad Schwartau Demonstranten begleiten Dobrindt
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21:27 08.07.2017
Vom Bad Schwartauer Markt ging der Protestzug zum Bahnübergang Kaltenhöfer Straße. Der Verkehr staute sich bis weit in die Innenstadt. Quelle: Irene Burow
Bad Schwartau

„Es sind irre viele“, freute sich Hauptorganisatorin Meike Vogel von den Kreuzrittern. Auf dem Bad Schwartauer Markt setzten sie ein Zeichen für die drastischen Auswirkungen des geplanten Belttunnels, diesmal mit besonderem Fokus auf den Titel des Heilbades, den sie durch den wachsenden Bahnverkehr in Gefahr sehen.

„Wir sind froh und dankbar, was hier auf die Beine gestellt wurde“, sagte der Bauausschussvorsitzende Andreas Marks (WBS), der auch der Koordinierungsgruppe zur Festen Fehmarnbeltquerung in Bad Schwartau angehört. „In verschiedenen Gremien passiert schon viel. Doch so wird auch die Bevölkerung weiter motiviert, sich am Protest zu beteiligen.“

Mit von der Partie waren auch Vertreter der Asklepios Klinik, die Beltretter, die Bürgerinitiative Elisabethstraße, der Haus und Grundbesitzerverein, der Verein Lebensträume und der Verein zum Schutz von Umwelt- und Wohnqualität (Vesuw). „Sogar der Verkehrsminister ist da“, witzelte Andreas Marks mit Blick auf die Betonbüste von Alexander Dobrindt, die zum Schluss mit einem Protestmarsch zu den Schienen in der Kaltenhöfer Straße begleitet wurde.

Der Kopf des Bundesverkehrsministers ist von der Oldesloer Bildhauerin Rosa Treß gestaltet worden, die gestern auch dabei war. Die Büste stand erst auf Fehmarn und geht weiter auf Wanderschaft durch Deutschland. Gerüchten zufolge soll das nächste Ziel Stuttgart sein.

40 Seiten stark ist das Lärmgutachten, das am Dienstag, 11. Juli, in der Krummlandhalle vorgestellt wird. Beginn der öffentlichen Veranstaltung ist um 17.30 Uhr.

„Der Tag war ein voller Erfolg“, resümierte Reimer Schley vom Vesuw. „Die Leute mussten gar nicht groß angesprochen und aufgeklärt werden, sie kamen direkt und haben unterschrieben.“ Bis zu 500 Unterschriften sind an nur einem Tag gesammelt worden, insgesamt sind es inzwischen rund 800. Die Unterschriftenlisten zum Thema Heilbad liegen noch bis Mitte August an diversen Standorten aus.

Wie viel Lärm hat Bad Schwartau wirklich zu erwarten?

Zur Prognose des zukünftigen Bahnlärms in der Ortsdurchfahrt Bad Schwartau hat die Stadt ein Gutachten erstellen lassen. Um die 32 000 Euro haben die 40 Seiten, 32 Pläne und sechs Skizzen gekostet. Die Ergebnisse sind ernüchternd. „Im Grunde werden fast alle Menschen in der Stadt in allen Wohngebieten zusätzlich belastet“, sagt Bernhard Schmidt, der sich im städtischen Bauamt mit der Schienen- Hinterlandbindung zur Festen Fehmarnbeltquerung befasst.

Die konkreten Ergebnisse der Schalltechnischen Untersuchung wird Mathias Daudert vom Akustik Labor Nord (ALN) jetzt öffentlich präsentieren. Am Dienstag, 11. Juli, wird der Gutachter um 17.30 Uhr in der Krummlandhalle (Schulstraße 8a) die Prognosen für die unterschiedlichsten Szenarien vorstellen. Schmidt: „Da bislang nicht gesichert ist, welche Verkehrsbelastung erwartet werden muss, werden vom Gutachter verschiedene Belastungsszenarien untersucht und vorgestellt. Insbesondere die Frage, wie viele Güterzüge im Nachtzeitraum fahren werden, entscheidet über die erforderliche Höhe und Länge von Lärmschutzwänden.“

Ergänzt wird der Vortrag durch ein Rechtsgutachten über die Schutzansprüche der Betroffenen und die Möglichkeiten von Einwendungen bei unzureichenden Schutzmaßnahmen. Hierzu wird erneut Rechtsanwältin Dr. Michèle John im Auftrag der Stadt Auskunft erteilen.

Zur Präsentation der Ergebnisse einer erschütterungstechnischen Untersuchung kamen Anfang Mai mehr als 150 Bürger in die Krummlandhalle. Schmidt: „Die Lärm-Betroffenheit ist um einiges größer. Ich gehe davon aus, dass entsprechend mehr Bürger kommen.“

 Irene Burow

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