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Bad Schwartau Der Beinahe-Durchmarsch der Kandidatin Tanja Rönck
Lokales Bad Schwartau Der Beinahe-Durchmarsch der Kandidatin Tanja Rönck
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10:29 31.05.2016
Freudige Fassungslosigkeit bei Tanja Rönck und Ehemann Andreas, Freude bei FWM-Chef Holger Bröhl (l.). Die Freien Wähler hatten Tanja Rönck als Bürgermeisterkandidatin nominiert, die Grünen unterstützten sie im Wahlkampf. Quelle: Fotos: Peyronnet

Beinahe wäre ihr der große Coup gelungen: Tanja Rönck (46), parteilose Malenter Bürgermeisterkandidatin, unterstützt von Freien Wählern und Grünen, hat die Sensation nur knapp verpasst. Fast hätte sie trotz der drei Gegenkandidaten mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Am Ende kam Rönck auf 48,4 Prozent. Es kommt also am Sonntag, 19. Juni, zur Stichwahl.

Parteilose Bewerberin kratzte an der 50-Prozent-Marke / Stichwahl gegen Christian Witt.

Susanne Peyronnet

über den Ausgang der

Bürgermeisterwahl

In der tritt Rönck gegen den zweiten parteilosen Kandidaten, den Einzelbewerber Christian Witt (46), an. Er war aus eigener Kraft und dank der Unterschriften von 137 Malentern auf die Kandidatenliste gekommen. Den Einzug in die Stichwahl verpassten Jörg Meyer (55, SPD) und Hans-Werner Salomon (60, CDU).

Es war ein Abend der Überraschungen, des Jubels, des spontanen Beifalls. Als um 18.20 Uhr das Ergebnis aus Neukirchen auf der großen Leinwand im Foyer der Schule an den Auewiesen erschien, zeichnete sich bereits ab, dass die beiden parteilosen Kandidaten die Nase vorn haben würden – allerdings noch in umgekehrter Reihenfolge. In Neukirchen holte Witt 59 Stimmen, Rönck 52. Beifall brandete in der Witt-Ecke auf. Bald darauf aber drehte sich das Bild. Je mehr Ergebnisse einliefen, desto klarer zeichnete sich der Vorsprung für Rönck ab. Deren Mienenspiel wandelte sich von einem Lächeln über Staunen bis hin zu freudiger Fassungslosigkeit. Stets eng an Ehemann Andreas geklammert, verfolgte sie, was sich auf der Leinwand tat. Ihren wohl größten Moment erlebte sie, als die Leinwand nach zwölf von 16 Wahllokalen 53,3 Prozent für sie zeigte. Das hätte gereicht, doch am Ende blieb sie dann doch unter 50 Prozent.

Lange Gesichter dagegen bei den Parteikandidaten. Jörg Meyer (SPD) nahm seine Niederlage hin und bewahrte die Fassung. CDU-Kandidat Hans-Werner Salomon dagegen wartete das Ende der Wahlveranstaltung gar nicht erst ab. Als Bürgermeister Michael Koch (CDU) den Kandidaten für ihre Bereitschaft dankte und ihnen Blumensträuße überreichte, war Salomon schon weg. Er sei, sagte er gestern, bis zum letzten Wahllokal-Ergebnis dageblieben und dann gegangen. „Das Ergebnis stand fest, warum sollte ich mir das noch antun?“ Dass eine Abschlussrunde geplant war, habe ihm niemand gesagt. Über die Gründe für seine Niederlage sagte Salomon nichts: „Ich will keine schmutzige Wäsche waschen.“

Jörg Meyer (SPD) nahm es sportlich. „Das war ein demokratischer Prozess. Wer kandidiert, muss damit rechnen, zu verlieren.“ Noch einmal werde er kein Bürgermeisteramt anstreben.

Für Christian Witt und Tanja Rönck geht der Wahlkampf weiter. „Ich möchte, dass jeder mich kennenlernt. Das ist mein Ziel für die nächsten drei Wochen“, sagt Witt. Tanja Rönck will weitermachen wie bisher, mit Infoständen und dem Besuch von Veranstaltungen. Für die Wähler, sagt sie, werde es jetzt schwerer, sich zu entscheiden: Die Kandidaten seien gleich alt und beide unabhängig.

Sieg der Unabhängigkeit

Die erste Lehre aus der Wahl von Malente ist nur eine scheinbare: Ob jemand Wahlkampf führt oder nicht, ist letztlich egal. Von den beiden Kandidaten für die Stichwahl hat die eine so intensiv Wahlkampf geführt, wie kaum jemand zuvor. Der andere ist spät gestartet und hat fast gar nicht für sich geworben. Ans Ziel sind beide gekommen, die Wahlkämpferin allerdings mit deutlichem Vorsprung.

Die zweite Lehre: Parteilosigkeit punktet. Das Malenter Rathaus, eines der wenigen, das noch einen Bürgermeister mit Parteibuch hat, wird bald ebenso von einem parteilosen Verwaltungschef geleitet wie viele andere im Umkreis schon lange. Das ist gut für das Amt. Den Parteien allerdings sollte das zu denken geben.

Wenn sie die Wahl haben, wählen die Menschen lieber unabhängige Kandidaten. Das ist nirgends deutlicher geworden als in Malente. Allerdings haben sich auch kaum irgendwo anders die Parteien so sehr dem Hauen und Stechen hingegeben. Auch dafür haben sie jetzt die Quittung bekommen.

 Susanne Peyronnet

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