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Bad Schwartau Der Ehen-Schließer
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00:00 06.01.2013
Michael Henk traut im Dezember im Herrenhaus Christine Brüssau (31) und Timo Sievers (36) aus Lübeck. Quelle: Fotos: Doreen Dankert
Stockelsdorf

An seine allererste Trauung kann sich Michael Henk noch so lebhaft erinnern, als wäre sie erst gestern gewesen. Das Paar, Mitte 20, kam aus einem Dorf der Großgemeinde. Der Bräutigam in lila Latzhose, die Braut im Hippie-Look. „Ja“, sagt Michael Henk schmunzelnd, „das waren Alternative. Aber sie waren tolerant, denn bei meiner ersten Trauung ging nicht alles glatt.“

Ziemlich genau auf den Tag 30 Jahre ist das jetzt her. So lange ist Michael Henk von Amts wegen mit dem Heiraten beschäftigt. Keiner im Kreis hat mehr zu bieten. Und deshalb feiert Michael Henk jetzt nicht nur sein 30-jähriges Dienstjubiläum als Standesbeamter in Stockelsdorf, sondern zugleich den „Titel“ des dienstältesten Standesbeamten in ganz Ostholstein. Bis dato hat Henk 975 Ehen geschlossen.

Aber wie wird man Standesbeamter? Zum Beispiel indem der zuständige Bürgermeister der Gemeinde einen Mitarbeiter seiner Verwaltung (ohne zu fragen) auswählt und ihn einfach für den Standesbeamten-Lehrgang anmeldet — so geschehen im Sommer 1982 im Fall von Michael Henk. 29 Jahre alt war Henk seinerzeit — und selbst schon (und immer noch) verheiratet. „Ich und Standesbeamter — das ist nix für mich. Das war mein erster Gedanke“, erinnert sich Henk. Ein halbes Jahr später hielt er die Ernennungsurkunde in den Händen. Die Nervosität zu Beginn der Standesbeamten-Karriere ist bei Henk schon lange verflogen. Aber nicht die Ernsthaftigkeit, mit der Michael Henk sich jedes Mal auf eine Zeremonie vorbereitet. Denn bevor er eine Hochzeitsgesellschaft empfängt, wird im Spiegel der perfekte Sitz von Anzug, Krawatte und Frisur geprüft. Schließlich soll es für die Brautleute der schönste Tag im Leben werden — da muss alles passen. Auch das Outfit des Ehe-Schließers.

„Ich hatte mal eine Trauung“, erzählt Henk, „da hat die Braut plötzlich angefangen zu lachen und hörte gar nicht mehr auf. Ich wusste nicht, warum. Ich dachte, an mir ist irgendwas komisch und die lacht über mich. Das war schon eine heikle Situation.“

Aus der Stockelsdorfer Statistik geht hervor, dass inzwischen wieder mehr geheiratet wird. Haben sich in den 1990er Jahren im Schnitt 35 Paare pro Jahr „getraut“, „so waren es 2012 mehr als 150 Paare “, bescheinigt Henk. Allerdings lebt nur die Hälfte der Heiratswilligen in der Großgemeinde, die anderen kommen aus Lübeck oder sogar aus anderen Bundesländern. Michael Henk glaubt, dass es dafür vor allem drei Gründe gibt: Erstens: Das barock eingerichtete Trauzimmer im Herrenhaus, das sich seit einigen Jahre immer mehr als besonderer Ort für eine Zeremonie herumspricht. Zweitens: „Bei uns finden Trauungen nicht wie in Lübeck am Fließband im Zehn-Minuten-Takt statt. Wir nehmen uns 30 Minuten Zeit“, betont Henk. Und drittens „mache ich jeden Termin möglich“. Das heißt, wer zum Beispiel tatsächlich Heiligabend heiraten will, der steht bei den meisten Standesämtern der Republik vor verschlossener Tür — nicht aber in Stockelsdorf.

Ob sich an den Motiven, eine Ehe einzugehen, im Laufe der Jahrzehnte etwas geändert hat? „Also ein Kind ist heute kein Grund mehr zum Heiraten“, so Henk, „früher war das anders, da musste oder wollte man verheiratet sein, bevor das Kind kam.“ Die klassische Versorgungsehe habe im Laufe der Zeit auch immer mehr an Bedeutung verloren. Das häufigste Motiv sei jetzt die Liebe. Allerdings sei von den Brautleuten heutzutage kaum einer unter 30. Dafür hat sich an der klassischen Namensvariante (die Frau nimmt den Nachnamen ihres Mannes an) so gut wie nichts verändert.

Ob Michel Henk schon einmal einen Prominenten getraut hat? „Ja“, verrät Henk und lacht, „unsere Bürgermeisterin vor elf Jahren.“ Michael Henk, heute 60 Jahre und davon 35 verheiratet, hat einen Tipp für das Gelingen eines langen Lebens zu zweit: „Sich zusammenraufen, miteinander reden, aufeinander zugehen und Toleranz üben gegenüber dem anderen.“

Und dann hat Michael Henk noch einen Wunsch: Noch einmal heiraten — seine Frau natürlich — in einer ganz verrückten Zeremonie in Las Vegas.

Doreen Dankert

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