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Bad Schwartau „Der größte Feind ist nicht die Krankheit“
Lokales Bad Schwartau „Der größte Feind ist nicht die Krankheit“
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20:21 10.05.2016
Hans Matthießen (73) setzt vor allem auf die Motivation der Mitglieder. Quelle: Irene Burow

Hans Matthießen hat die Leitung der Parkinson Regionalgruppe Ostholstein übernommen. Doch weniger die Funktion ist ihm wichtig: „Ich möchte vor allem inhaltlich etwas beisteuern“, sagt der Bad Schwartauer. Dazu gehört vor allem, die Betroffenen zu motivieren, selbst aktiv zu werden. „Das Gehirn ist in der Lage, Beeinträchtigungen zu kompensieren“, weiß er. „Dazu ist es aber notwendig, täglich zu üben.“

Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die sich klassischerweise durch unwillkürliche Bewegungen, Zittern, steife Muskeln sowie Gang- oder Gleichgewichtsstörungen äußert.

Asiatische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsformen, wie Qi Gong, Tai Chi oder Yoga können helfen, aber auch Dehnungsübungen und gezielte Gangschulung, erklärt Hans Matthießen. „Der größte Feind ist nicht die Krankheit, sondern der innere Schweinhund. Mit konsequenter Physiotherapie ist es möglich, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen oder gar aufzuhalten“, sagt er.

„Regelmäßig durchgeführte Übungen können sogar mehr bewirken, als Medikamente.“ Er selbst hat die Diagnose 2001 erhalten. „Dafür geht es mir heute im Vergleich zu anderen Patienten hervorragend.“ Dass er seit 25 Jahren Yoga praktiziert, hat ihm dabei geholfen.

In der Regionalgruppe möchte der 73-Jährige, der in verschiedenen Funktionen als Ingenieur bei Dräger gearbeitet hat, so viel wie möglich aufklären. „Patienten sind in der Regel schlecht informiert“, sagt er. Darüber, welche Wirkungen einige Medikamente haben zum Beispiel. „Ich muss doch wissen, was die Pillen bewirken, die ich schlucke.“ Und ob sie noch immer korrekt eingestellt sind. „Wir wollen nicht die Aufgabe eines Arztes übernehmen. Aber wir können dazu anspornen, die Medikation wieder einmal überprüfen zu lassen.“ Parkinson gehöre zu den seltenen Krankheiten. Entsprechend seien auch Spezialisten nicht in jedem Krankenhaus zu finden.

Hans Matthießen hat die neue Aufgabe von seinem Vorgänger Gerhard Schulte übernommen, der die Regionalgruppe Ostholstein vor vier Jahren mit der Ausgliederung von der Lübecker Gruppe auf den Weg gebracht und bis kurz vor seinem Tode in seiner bestimmenden Art erfolgreich geführt hat. Selbst für seine Trauerfeier hat er noch bestimmt, dass anstelle von Blumen Geldbeträge für die Gruppe gespendet werden.

39 Mitglieder, Patienten und deren Angehörige treffen sind momentan regelmäßig in Bad Schwartau. Bei dem wöchentlichen Gedankenaustausch geht es in der ersten halben Stunde um neue Informationen, die gewonnen werden konnten. Anschließend folgen eine logopädische und eine physiotherapeutische Übungseinheit speziell für Patienten bei Morbus Parkinson. Darüber hinaus nimmt die Regionalgruppe aber auch an Vorträgen von Fachärzten und Therapeuten teil, besucht Kongresse oder Seminare und andere Veranstaltungen.

Ziel ist die gegenseitige Unterstützung und der Austausch zwischen Betroffenen und deren Angehörigen. Als neue Idee möchte Matthießen gemeinsames Singen und Tanzen bei den Treffen integrieren. „Das hält den Parkinson in Schach.“

Treff ist jeden Mittwoch im „Relax“

39 Mitglieder zählt die Gruppe momentan. Neue Gesichter sind immer gern gesehen, vor allem auch aus dem Norden des Kreises Ostholstein. Die Mitglieder zahlen derzeit einen Beitrag von 56 Euro pro Jahr.

Die Parkinson Regionalgruppe Ostholstein gehört der Deutschen Parkinson Vereinigung an. Sie trifft sich immer mittwochs um 15 Uhr im Klubraum des „Relax“ in Bad Schwartau, Ludwig- Jahn-Straße 5. Das Treffen dauert rund zwei Stunden.

Kontakt zu dem Leiter der Gruppe, Hans Mattießen, ist möglich unter Telefon 0451/27369 oder per E-Mail an abstract.life@t-online.de.

Von Irene Burow

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