Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Die Alte Zwoelf ist in der Klemme
Lokales Bad Schwartau Die Alte Zwoelf ist in der Klemme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:51 19.10.2017
Sind in Sorge um die Zukunft der Alten Zwoelf: Leiter Ralf Herrmann (l.) und Wolfgang Belhustede (Vorsitzender des Trägervereins).

Für Wolfgang Belhustede, Vorsitzender des Vereins für Offene Jugendarbeit (VOJA) in Bad Schwartau, steht fest: „Wir brauchen jetzt 23 000 Euro oder wir müssen im November Insolvenz anmelden.“

Das Jugendzentrum Alte Zwoelf ist in schwere See geraten. Die Einrichtung benötigt dringend Geld, um die Gehälter der Mitarbeiter noch bis zum Jahresende bezahlen zu können. Ein entsprechender Nachtragsantrag der SPD fand in der jüngsten Stadtvertretung aber keine Mehrheit. CDU und WBS stimmten dagegen.

Er fühlt sich von der Politik und Verwaltung im Stich gelassen. Die finanzielle Schieflage des Vereins ist nämlich schon lange bekannt. Bereits im Juni hat der Verein bei der Stadt einen Nachschlag von 46000 Euro beantragt. Doch passiert ist lange nichts. Eine interfraktionelle Sitzung zu dem Thema vor der Sommerpause verpuffte ergebnislos.

Erst in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung und Jugend wurde die Situation erneut thematisiert. Es wurde für die Zukunft geplant, aber der Antrag der SPD-Fraktion, im Nachtrag dem VOJA 25400 Euro zusätzlich für die Jugendarbeit sowie 10000 Euro für Personal zu gewähren, wurde abgelehnt. Auch bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gab es keine Mehrheit für eine entsprechende Tischvorlage. Der VOJA hat erste Konsequenzen gezogen und die Kinderbetreuung beim anstehenden Martinsmarkt, das Senioren-Café und eine geplante Weihnachtsfeier gestrichen. Ralf Herrmann, Leiter des Jugendzentrums: „Wir können es uns ganz einfach finanziell und personell nicht mehr erlauben.“

SPD-Fraktionschef Hans Tylinski: „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass CDU und WBS der Nachfinanzierung des VOJA nicht zugestimmt haben. Seit Sommer dieses Jahres liegen die Anträge des VOJA in der Verwaltung vor. Die Situation ist bekannt. Es greift hier einfaches Vereinsrecht. Ab November dieses Jahres können die Gehälter für die Mitarbeiter nicht mehr voll bezahlt werden. Im Dezember geht gar nichts mehr. Somit steht der Verein vor der Insolvenz und wenn es schlecht läuft, die Mitarbeiter zu Weihnachten auf der Straße.“ Ellen Brümmer von der CDU will sich von der Zuspitzung der Lage nicht aus der Reserve locken lassen. „Wir haben nicht die Absicht, dass das Jugendzentrum schließen muss, aber wir können keiner Tischvorlage aus dem Bauch heraus zustimmen“, erklärt Brümmer. Der Finanzbedarf der VOJA müsse von Verein und Verwaltung detailliert und nachvollziehbar aufgeschlüsselt werden. Genau das sei das Ziel der anberaumten interfraktionellen Sitzung am 7. November. „Wenn dann der tatsächliche Bedarf feststeht, wird die Stadtvertretung am 16. November die Summe im Nachtrag einmalig bewilligen. Das ist immer noch rechtzeitig“, sagt Brümmer. Auch die WBS steht weiter zur Institution Jugendzentrum. „Wir beabsichtigen nicht, die Alte Zwoelf oder VOJA aufzulösen. Wir halten uns nur an den vereinbarten Fahrplan, über die Situation zu sprechen, zu entscheiden und gegebenenfalls überplanmäßige Ausgaben zu genehmigen“, sagt der stellvertretene Fraktionschef Andreas Marks.

Unterdessen haben die Jusos in Bad Schwartau eine Unterschriften-Aktion zur Rettung der Alten Zwoelf gestartet. „Rund 500 Menschen haben schon unterzeichnet“, erklärt Daniel Böttcher, der gemeinsam mit Björn Frohne die Aktion gestartet hat. Auch am morgigen Sonnabend wollen die Jusos bei Edeka im P1-Center weiter Unterschriften sammeln. Auch in einigen Bad Schwartauer Geschäften liegen Listen aus. Dass mit den Listen und auch über die sozialen Medien Stimmung gegen die CDU und WBS gemacht wird, will Marks nicht weiter kommentieren. „Dazu werden wir zur gegebener Zeit etwas sagen“, erklärt der WBS-Fraktionsvize Marks.

Für das Haushaltsjahr 2018 wurden dem VOJA 235000 Euro für den Betrieb des Jugendzentrums bereitgestellt, weitere 50000 Euro mit einem Sperrvermerk versehen. Die Summe soll freigegeben werden, wenn der VOJA und die Stadt ihre Zusammenarbeit vertraglich regeln. Bislang lief die Zusammenarbeit mehr oder weniger auf Zuruf. Dass die Politik jetzt eine vertragliche Lösung anstrebt, wird vom Leiter des Jugendzentrums Ralf Herrmann durchaus begrüßt. „Das bedeutet ja auch für uns mehr Sicherheit“, sagt Herrmann.

 Von Sebastian Prey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige