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Die eindrucksvolle Geschichte des Zeitzeugen Jurek Szarf

Bad Schwartau Die eindrucksvolle Geschichte des Zeitzeugen Jurek Szarf

Der 82-Jährige berichtete in der Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule vor rund 200 Schülern, wie er den Holocaust als Kind überlebte.

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Jurek Szarf (82) hat ganz präzise Erinnerungen an seine Kindheit. Ohne Manuskript spricht er über sein Leben in der Nazi-Zeit.

Quelle: S. Prey

Bad Schwartau. Wenn Jurek Szarf in Schulen eingeladen wird, um seine Lebensgeschichte zu erzählen, dann spricht er meist in einem Klassenraum vor 20, 30 Zuhörern.

 

LN-Bild

Die Jahrgangsstufen neun und zehn an der ESG haben sich den spannenden Vortrag angehört.

Quelle:

Am Donnerstag lauschen gleich alle Schüler der neunten und zehnten Klassen der Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule seinen Worten. „Das ist überhaupt kein Problem für mich“, sagt Szarf, der auch keine Befürchtungen hat, dass es zu unruhig werden könnte. „Mein ganzes Leben war unruhig“, winkt er lächelnd ab.

Szarf, der auch schon vor mehr als 1000 Leuten in den USA seine Lebensgeschichte geschildert hat, weiß die Teenager in der Krummlandhalle schnell für sich zu gewinnen. „Darf ich Euch duzen?“ fragt der Stockelsdorfer ins Publikum und bekommt ein zustimmendes Nicken. „Normalerweise gibt es immer ein wenig Musik, bevor ich spreche. Wir haben auch versucht, Bushido zu bekommen. Er ist nicht gekommen — zu teuer“, sagt der 82-Jährige mit einem süffisanten Lächeln. Mit ernster, aber nicht mit finsterer Miene beginnt er dann zu erzählen. Ohne ein Manuskript auf dem Tisch, zeichnet er sein Leben in den düsteren Jahren des Nationalsozialismus nach. Er berichtet von seinem Elternhaus im polnischen Lodz. „Ich war um die sechs, sieben Jahre, als ich meine erste Begegnung mit den Nazis hatte“, erklärt Szarf. Er erinnert sich an einen Spaziergang mit seinem Opa in einem Park. „Ich wollte mich auf eine Parkbank setzen und durfte es nicht“, so Szarf. „Juden war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, dort Platz zu nehmen“, berichtet der Zeitzeuge weiter. Wenig später hätten alle Juden einen Stern tragen müssen, wurden in einem Ghetto untergebracht, um ihre Wertsachen erleichtert und wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet. „Wir mussten Uniformen und Schuhe nähen. Ich habe als Achtjähriger Tüten geklebt, aber so schlecht, das die Deutschen am Ende den Krieg verloren haben“, sagt Szarf mit einem Augenzwinkern und lockert so immer wieder die Atmosphäre trotz seiner dramatischen und auch brutalen Erzählungen auf. „Ein SS-Mann hat mich einfach so an die Wand geworfen.“ Szarf wird später ins KZ Sachsenhausen gebracht. Aus seiner Familie überlebten außer ihm nur sein Vater und ein Onkel.

Zeitweise ist es in der Krummlandhalle ganz still. So wie es sich Schulleiter Torsten Hardt bei der Begrüßung gewünscht hat. „Ich wünsche mir, dass ihr diese einmalige Gelegenheit, einen Zeitzeugen zu hören, nutzt, und mit Konzentration, Ruhe und Respekt den Vortrag verfolgt“, so Hardt, der auch an die aktuelle politische Lage erinnert. „Vor dem Hintergrund, dass es derzeit auch politische Strömungen gibt, die Stimmung gegen Migranten machen, ist so ein Bericht besonders wichtig.“

Buch-Autor

Jurek Szarf lebte nach dem Krieg noch einige Jahre in Berlin, bevor er dann 1951 in die USA emigrierte. In den 1970er Jahren kehrte er aus beruflichen Gründen nach Deutschland zurück. In Stockelsdorf hat er ein Zuhause gefunden. Seine Geschichte erzählt Jurek Szarf seit Jahren vor Schülern und anderen Gruppen. Er hat auch ein Buch geschrieben mit dem Titel „Ich lebe, um zu überleben“.

Von Sebastian Prey

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