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Bad Schwartau Die etwas andere Sitzung: Politiker in Gummistiefeln
Lokales Bad Schwartau Die etwas andere Sitzung: Politiker in Gummistiefeln
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21:19 25.09.2013
Entdeckungstour im Curauer Moor: Christian Ehmcke hatte keine Angst vor der Natter. Quelle: Fotos: Doreen Dankert

Wenn man es nicht selbst erlebt hat, dann mag das gar nicht glauben: Der Boden mitten im Curauer Moor kann beben. Es fühlt sich an wie ein Mini-Erdbeben. Ein kräftiger Sprung auf der dicht mit Gräsern und Kräutern bewachsenen Fläche reicht schon aus — und der Boden unter den Füßen vibriert spürbar. „Das ist ja unglaublich“, so der Kommentar von einem der Mitglieder des Stockelsdorfer Umweltausschusses, der sich zur jüngsten Tagung mit Gummistiefeln zum Ortstermin in das Curauer Moor begab.

Das Curauer Moor ist nämlich nicht nur irgendein Moor, sondern ein ganz besonderes, erklärte Wolf-Dieter Klitzing, Moor-Experte und Naturschutzbeauftragter des Kreises Ostholstein, den Politikern während der fast zweistündigen Führung durch dieses Landschaftsschutzgebiet. Denn das rund 350 Hektar große Areal zwischen den Dörfern Böbs, Curau, Sarkwitz und Malkendorf ist nicht nur das größte Moor im Kreis Ostholstein, sondern in seiner Struktur sogar einzigartig im gesamten Land Schleswig-Holstein. Denn hier gibt es vier verschiedene Arten von Mooren: Niedermoor, Hochmoor, Quellmoor und Hangmoor. „So viele verschiedene- Moore in einem Gebiet“, so Klitzing, „das gibt es sonst im ganzen Land nicht. Wer das sehen will, muss ins Curauer Moor kommen, nirgendwo sonst hat man das.“

Obwohl es kaum nennenswert geregnet hat in den vergangenen Wochen, so ist bei einem Ausflug ins Curauer Moor eigentlich immer wetterfestes und am besten auch wandertaugliches Schuhwerk angesagt.

Diesen Tipp haben alle an diesem Tag beherzigt, auch Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann, die nicht zum ersten Mal an einer Führung mit Klitzing im Curauer Moor teilnahm. Dieser Landstrich ist nicht nur für die Stockelsdorfer Rathauschefin „immer wieder ein Erlebnis“. Schließlich stellten die Gäste von Klitzing, der als Fachmann offiziell Führungen durch dieses Moor leiten darf fest, dass diese Wanderung durch zum Teil schulterhohes Gras auf weichem Untergrund und „versteckten“ Schlammlöchern viel mehr ist als ein gemächlicher Spaziergang. „Das hier ist was für Hardcore-Wanderer“, stellte ein Ausschussmitglied fest. Und tatsächlich, das Curauer Moor hat es in sich, wie Polit-Neuling Holger Matthusen (CDU) feststellen musste, der plötzlich bis zu den Knien in einem Moorloch steckte und nur mit fremder Hilfe wieder herauskam. „Allein durch das Moor zu gehen abseits der offiziellen Wege ist ohne offizielle Führung verboten“, so Klitzing, „und es kann auch gefährlich werden.“

Spätestens seit dieser Führung wissen die Stockelsdorfer Politiker, dass Moore „gigantische Stickstoffspeicher“ sind und von der EU nicht wegen des Naturschutzes, „sondern aus Klimaschutzgründen gefördert werden“, so Klitzing. „Und der Schutz von besonderen Blümchen und Vögelchen im Moor“, so Klitzing, „das ist nur ein kleiner Nebeneffekt.“

Und wenn die Stockelsdorfer Politiker künftig was zum Curauer Moor entscheiden, dann nicht nur vom Konferenztisch aus.

„Es kann auch gefährlich werden im Moor.“
Wolf-Dieter Klitzing, Moor-Experte

Doreen Dankert

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