Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau „Diktator“ der Dichtkunst
Lokales Bad Schwartau „Diktator“ der Dichtkunst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 24.11.2016

. Sein Name ist in der Poetry Slam-Szene seit vielen Jahren schon ein Begriff: Bjoern Hoegsdal. Und spätestens jetzt kennen ihn auch die oberen Jahrgänge der Gerhart-Hilgendorf-Gemeinschaftsschule Stockelsdorf. Diesen Bjoern Hoegsdal, den „Diktator auf Lebenszeit“ bei seiner Künstleragentur namens assemble Art, wie er sich selbst auf Facebook beschreibt.

Autor Bjoern Hoegsdal liebt Sarkasmus und schwarzen Humor, „aber ich gehe nie unter die Gürtellinie“. FOTO: DOREEN DANKERT

Dichterwettstreit

Poetry Slam ist ein Wettstreit der Dichter. Innerhalb einer bestimmten Zeit müssen selbstgeschriebene Texte dem Publikum vorgetragen werden. Es geht beim Poetry Slam aber nicht nur um den Inhalt der Texte, sondern auch darum, wie man diese Texte performt.

Hoegsdal hatte einen Termin für einen Impuls-Workshop im großen Saal der Villa Jebsen, um im Rahmen der landesweiten Kinder- und Jugendbuchwochen den Schülern nahezubringen, was ein Poetry Slam überhaupt ist und wie man selbst den Zugang dazu finden kann, sich als Autor zu versuchen. Und dabei nahm der 41-jährige Deutsche, der zur Hälfte norwegische Wurzeln hat, den Schülern zunächst einmal die Angst davor, dass Dichtkunst nur etwas für Auserwählte sei. „Zehn bis 15 Prozent ist Talent, der Rest ist Handwerk“, so der Poetry Slamer, der schon im zarten Alter von acht Jahren wusste, dass er einmal Autor werden will.

Bjoern Hoegsdal ist der lebende Beweis dafür, dass man in der heutigen Zeit von Dichtkunst ganz gut leben kann. Und „sogar eine Familie ernähren kann“, wie er dem Publikum motivierend sagt. Man solle das machen, „was man selber wirklich will und nicht das, was andere sagen, dass man das tun soll“. Am Anfang sei es schwer gewesen, „denn man muss sich erst einen Namen machen. Aber wer wirklich Künstler sein will, der darf sich das nicht ausreden lassen und muss all seine Energie und Leidenschaft da reinstecken.“

Dichtkunst ist den Schülern nicht neu. Wer kennt nicht die Klassiker aus der Schule? Aber die anwesenden Mädchen und Jungen lernen an diesem Tag, dass es viele Facetten gibt. Bjoern Hoegsdal ist nämlich das Gegenteil von Goethe, Schiller und Co.

„Er macht das wirklich toll“, befindet die Lehrerin Birte Loose, „ich bin begeistert.“ Und mit ihr die Schüler, wie der hohe Grad der Konzentriertheit beweist.

Aber wie wird man Dichter? Der „Diktator“ hat Antworten. Zunächst einmal müsse man seinen Stil finden, herausfinden, was zu einem passt. Ironie, Sarkasmus oder vielleicht eine schrullige Art. Zu seinen Anfangszeiten habe Hoegsdal es mit Rap versucht und sei ein bisschen auf der Hip Hop-Schiene geritten. „Doch beim Hip Hop sind zu 90 Prozent Vollidioten. Ich habe herausgefunden, wenn ich bösen schwarzen Humor benutze, dann funktioniert es am besten bei mir.“

Der Autor macht den Schülern klar, dass jeder zunächst einmal seine Stärken herausfinden müsse, „ihr müsst gucken, was zu euch passt.“ Dann ein Thema finden. Aber wie? „Ein guter Weg ist über die Gefühle“, so Hoegsdals Tipp. Liebe, Ärger, Wut – hinter jedem Gefühl steckt eine Geschichte. Und die kann man dann in Worte fassen. Jedes Thema könne funktionieren beim Poetry Slam. Die Themenfindung soll im Übrigen unter seiner Leitung für Schüler an der Gerhart-Hilgendorf-Schule auch in einem Praxis- Workshop im Februar ausprobiert werden. Was dabei herauskommen kann, ahnt man, wenn Hoegsdal sich ein Gedicht von Goethe vornimmt: „Ich habe Faust 1 und Faust 2. Geh weg, Heine! Das erreichst du nie!“

Der Impuls-Workshop war aber noch etwas anderes als ein Ausflug in die Dichtkunst der Neuzeit. Es war auch die Botschaft an die junge Generation, mutig zu sein. Zu sagen, was man denkt und keine Angst zu haben, anderen Menschen nicht zu gefallen. „Wenn von der Hälfte des Publikums Buh-Rufe kommen und die andere Hälfte jubelt – das mag ich am liebsten“, sagt der Künstler, „denn dann weiß ich, ich habe keinen Massengeschmack getroffen.“

Doreen Dankert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wist du di to Koffitiet mal’ n beten verpusten, kannst’ den Fernkieker andreihn. Dor gifft dat meist up alle Programme sowat as „Mein Nachmittag“.

24.11.2016

In Groß Parin wird es am Sonntag weihnachtlich.

24.11.2016

Das ehemalige Amtsgericht am Markt ist für viele Bad Schwartauer eine Herzensangelegenheit. Das weiß auch die Politik. Entsprechend steht der Ankauf des Gebäudes vom Land Schleswig-Holstein ganz oben auf der Agenda. Ein Nutzungskonzept sieht die Immobilie jetzt als Haus der Begegnung vor.

24.11.2016
Anzeige