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Bad Schwartau Täglich zu spät zum Unterricht wegen der Schulbuszeiten
Lokales Bad Schwartau Täglich zu spät zum Unterricht wegen der Schulbuszeiten
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11:57 14.02.2019
Thema Busverbindung auf den Dörfern in Stockelsdorf im Bauausschuss. Schülerin Veronika (11) aus Obernwohlde erzählt von ihrem normalen Alltag in Sachen Schulweg. Quelle: Doreen Dankert
Stockelsdorf

Wenn die Besucherstühle im Sitzungssaal des Rathauses nicht reichen, geht es immer um ein Thema, das Bürgern unter den Nägeln brennt. So, wie am Dienstagabend, als das Thema Busverbindung auf den Dörfern auf der Tagesordnung im zuständigen Ausschuss stand. Rund 60 Bürger – darunter viele Eltern mit ihren Kindern aus den Dörfern der Gemeinde Stockelsdorf – waren gekommen, um auf sachliche, aber nachdrücklich Art darauf aufmerksam zu machen, „dass sich in 30 Jahren bei der Busanbindung auf den Dörfern nichts getan hat, und sich jetzt aber endlich mal was tun muss“, erklärte Anne Kathrin-Stein aus Obernwohlde. Die Mutter, die wie viele anderen Eltern „Taxifahrer für unsere schulpflichtigen Kinder sein müssen“, bekam extra Rederecht.

Stefan Luft vom Planungsbüro Urbanus erklärte Möglichkeiten der verbesserten Anbindung auf den Dörfern – und auch die damit verbundenen Kosten.Von daher ist klar, dass vieles unbezahlbar bleibt. „Das ist uns klar, und das wollen wir auch gar nicht“, erklärte Anne-Kathrin Stein, der es darum gehe, dass beim Schulbus-Fahrplan auf den Dörfern nachgebessert werden müsse. Vor allem die Dorfschaften Krumbeck, Arfrade, Obernwohlde und Dissau seien betroffen – und damit rund 40 bis 50 Schüler, die in Stockelsdorf die Gemeinschaftsschule oder in Bad Schwartau eines der Gymnasien besuchen.

Eine Schülerin beschreibt ihren Schulweg

Wie ein ganz normaler Weg zur Schule nach Bad Schwartau zum Gymnasium am Mühlenberg (GaM) und wieder zurück aussieht, hat die elfjährige Veronika aus Obernwohlde den Anwesenden geschildert. Jeden Morgen klingelt um 5.45 Uhr der Wecker, um 6.40 Uhr fährt Veronikas Bus in Obernwohlde los Richtung Stockelsdorf, wo sie nach 20 Minuten Wartezeit umsteigen muss in den Bus, der nach Bad Schwartau fährt, der dort um 7.50 Uhr am GaM ankommt. Die erste Unterrichtsstunde beginnt bereits fünf Minuten vorher um 7.45 Uhr. Wenn Veronika vom Bus bis zum Klassenraum rennt, braucht sie eine Minute. „Ich komme also jeden Morgen sechs Minuten zu spät zum Unterricht, sechs Minuten“, betont Veronika, „die Lehrer sind davon schon voll genervt.“ Für den Weg nach Hause muss sich Veronika genauso verbiegen. Montags, mittwochs und freitags muss sie die sechste jedes Mal zehn Minuten früher verlassen, um den letzten möglichen Schulbus zu kriegen, um nach Hause zu kommen. Weil sie dienstags und donnerstags erst nach der achten Stunde Schluss hat und gar kein Bus mehr nach Obernwohlde fährt, „fahren meine Eltern mich“, sagt das Mädchen, „denn sonst komme ich nicht nach Hause.“

Kritik an Kreis als Träger der Schülerbeförderung

Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) sind die Schwachpunkte im Fahrplan bekannt: „Die Übergangszeiten beim Umsteigen sind oft zu knapp, manchmal sind es zu lange Wartezeiten. Und die Busse fahren morgens eine andere Route als mittags.“ Zugleich machte Julia Samtleben darauf aufmerksam, dass „der Kreis der Träger der Schülerbeförderung ist“. Die Bürgermeisterin erklärte, „dass der Kreis sich schwer in unsere Richtung bewegen wird, aber der Kreis dafür sorgen muss, dass die Kinder in die Schule kommen. Das ist haarsträubend“. „Da kann man ja nur mit dem Kopf schütteln, wenn der Kreis an dem Konzept festhält“, erklärte Ausschussmitglied Christian Ehmcke (CDU) und fügte hinzu, „wenn wir 40, 50 Kinder haben, die nicht zur Schule kommen, dann kann man das nicht so im Raum stehen lassen.“

Bürgermeisterin Samtleben erklärte, dass Uwe Brinkmann, Bürgermeister der Nachbarkommune Bad Schwartau, in der kommende Woche über zwei zusätzliche Fahrten der Linie 17 am Mittag abstimmen lasse. Von diesen Fahrten würde auch Stockelsdorf profitieren. „Diese zusätzlichen Fahrten lassen sich schnell umsetzen“, sagte Samtleben, die zudem ankündigte, dass es Anfang März eine Beratung mit dem Stadtverkehr Lübeck über eine verbesserte Taktung (halbstündlich), zusätzliche Fahrten am frühen Morgen, nach 20 Uhr und am Wochenende geben werde. „Eine solche Ausweitung wäre zum Fahrplanwechsel im Dezember möglich“, sagte Samtleben, „wenn man sich bis Juli einig ist.“

Info-Veranstaltung für Bürger im März angekündigt

Angekündigt hat Julia Samtleben auch, dass es im März eine öffentliche Info-Veranstaltung zum Thema Busverbindung geben wird. „Vorher werden dazu die Dorfvorsteher abgefragt“, kündigt die Bürgermeisterin an.

„Hier wird richtig Druck aufgebaut aus der Bevölkerung“, stellte Planer Stefan Luft nach der Versammlung fest, „aber der Druck ist gut, denn hier handelt es sich nicht um einen Einzelfall bei der Schülerbeförderung.“

„Das Thema muss groß diskutiert werden“, erklärte Anne-Kathrin Stein und gab sich vorsichtig optimistisch, dass es gelingen wird, etwas zu bewegen.

Doreen Dankert

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