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Bad Schwartau Eckhorster in Sorge um ihre Flüchtlinge
Lokales Bad Schwartau Eckhorster in Sorge um ihre Flüchtlinge
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21:09 26.07.2016
Sie haben Unterschriften bei der Eckhorster Bevölkerung gesammelt, damit das afghanische Paar, das abgeschoben werden soll, in Deutschland bleiben kann: Annegret und Hinrich Hilscher sowie Barbara Schumann (v.l.). Quelle: Anja Hötzsch

Ein Dorf kämpft für seine Flüchtlinge – in Eckhorst. Sieben Flüchtlinge aus Afghanistan leben hier seit Oktober 2015. Eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern und ein Ehepaar ohne Kind. „Die Flüchtlinge sind bei uns im Dorf gut integriert“, so Dorfvorsteher Helmut Neu, „denn es kommt darauf an, dass die Dorfschaft sich sehr bemüht, Integrationshilfe zu geben. Und das funktioniert bei uns“.

Ein Paar sollte in sein Erstregistrierungsland Ungarn abgeschoben werden – Jetzt ist das Paar offenbar abgetaucht aus Angst vor der deutschen Ausländerbehörde.

Jetzt hat sich plötzlich die Lage geändert: Von den sieben Flüchtlingen sind plötzlich nur noch fünf da. Das Ehepaar Jaihun und Khosrau Taheri, 28 und 26 Jahre alt, ist seit Beginn dieser Woche spurlos verschwunden, wie Dorfvorsteher Helmut Neu erklärt. „Ich habe den Eindruck, dass die beiden untergetaucht sind“, so Neu. Grund dafür dürfte vermutlich die Angst vor einer Abschiebung sein.

Das Ehepaar hat eine Duldung in Deutschland bis zum 30. August dieses Jahres. Dennoch sollten Jaihun und Khosrau Taheri bereits am 5. Juli abgeschoben werden – und zwar nach Ungarn, dem Land, in dem sich beide erstmals haben registrieren lassen nach ihrer Ankunft in Europa. Sechs Mitarbeiter der Ausländerbehörde seien dort gewesen, um das Ehepaar zum Flugplatz zu bringen. Weil die Ehefrau ob dieses überraschenden Behördenbesuchs einen Zusammenbruch erlitt, wurde die Abschiebung erst einmal abgewendet.

Unterdessen hat man sich in Eckhorst mit einer Unterschriftenaktion und einem schriftlichen Appell vom Dorfvorstand an die Bürgermeisterin von Stockelsdorf dafür stark gemacht, dass die Flüchtlinge weiterhin in dem Dorf bleiben können. Die Antwort von Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann kam prompt – aber ernüchternd.

In dem Antwortschreiben heißt es: „Wie Sie sicher wissen, ist die Gemeinde Stockelsdorf für die Unterbringung und die Integration für die uns vom Kreis Ostholstein zugewiesenen Flüchtlinge zuständig, nicht aber für die Durchführung des Asylverfahrens. Zu den Einzelheiten des Asylverfahrens, insbesondere dem aktuellen Verfahrensstand, liegen hier regelmäßig keine Erkenntnisse vor. Auch erhält die Gemeinde keinerlei Informationen darüber, wer, wann und vor allem warum von Mitarbeitern anderer Behörden aufgesucht wird.“ Eine Einflussnahme sei nicht möglich, heißt es weiter seitens des Rathauses.

Die Antwort der Bürgermeisterin hält Neu für „angemessen“. Dass diese Abschiebung „ausgerechnet Leute trifft, die hier schon gut integriert sind, das ist eine Enttäuschung“, so Helmut Neu. Immerhin haben die Afghanen von Eckhorst auf Eigeninitiative Deutsch gelernt und an verschiedenen Veranstaltungen der Dorfschaft teilgenommen.

„Die Dorfschaft hat die Flüchtlinge anständig behandelt“, so Neu, und die Flüchtlinge hätten sich auch anständig benommen. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“, so Neu. „Wir vom Dorfvorstand glauben, gemacht zu haben, was wir machen konnten. Und wir müssen wissen, wir sind hier in einem Rechtsstaat.“

 Doreen Dankert

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