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Bad Schwartau Ehefrau getötet: Totschlag oder Mord?
Lokales Bad Schwartau Ehefrau getötet: Totschlag oder Mord?
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21:32 29.08.2018
Gut gesichert: Das Landgericht Lübeck unterhält eine Außenstelle in der Schwartauer Landstraße. Quelle: Foto: Maxwitat
Bad Schwartau

„Herr Z. hat seine Frau getötet.“ So begann Staatsanwältin Ann-Sofie Portius gestern ihr Plädoyer vor dem Landgericht Lübeck. Dies ist nach der Beweisaufnahme allerdings auch die einzige Tatsache, die zweifelsfrei feststeht. Denn, so schilderte es die Staatsanwältin, Rüdiger Z. (Name geändert) habe sich zwar ausführlich geäußert, aber zum Tatablauf selber nur wenig gesagt, sondern angegeben, sich nicht erinnern zu können. „Nur, weil er der Einzige ist, der noch Angaben machen kann, müssen wir diese nicht als gegeben hinnehmen“, so Portius. Schließlich habe Rüdiger Z. , ein „überdurchschnittlich intelligenter und bedachter Mann“, einmal nachweislich nicht die Wahrheit gesagt: Dass er von vorne auf seine Frau eingestochen habe, ihr bösartiges Grinsen vor Augen, sei von der Rechtsmedizin widerlegt. Alle zehn Stichverletzungen befanden sich im Rücken von Marita Z.

Das Urteil

Der Vorsitzende Richter Christian Singelmann will das Urteil in dem Prozess am Freitag, 7. September, verkünden. Der Verhandlungstag beginnt um 9 Uhr vor dem Landgericht in der Schwartauer Landstraße (I. Große Strafkammer, Saal 315).

Mehrere Szenarien plausibel

Zum Tathergang stellte Ann-Sofie Portius verschiedene Szenarien dar: Nach dem Schlag mit dem Kaffeebecher sei das Opfer einfach stehen geblieben oder gestürzt und wieder aufgestanden oder gestürzt und dann gekrabbelt. „Vielleicht hat die Frau ihre Verletzung im Gesicht bemerkt und ist in die Küche gegangen, um das Blut abzuwaschen. Vielleicht hat Herr Z. dort seine Frau mit dem Messer angegriffen. Vielleicht hat sie die Küche nicht mehr erreicht, da er ein Messer im Flur deponiert hatte und schon dort auf sie eingestochen hat“, führt Portius aus. Alle Szenarien seien mit der objektiven Beweislage vereinbar. Im Flur war die größte Blutspur, Spritzer fanden sich auch an der Tür zum Wohnzimmer und in der Küche. „Bei so vielen alternativen Szenarien ist eine sichere Feststellung zum konkreten Tatablauf kaum zu treffen“, so Portius. Das sei bitter und unbefriedigend, müsse sich aber im Zweifel für den Angeklagten auswirken. Auch über Mordmerkmale habe sie nächtelang gegrübelt, gab Ann-Sofie Portius an, Heimtücke wegen der Stiche in den Rücken oder niedrige Beweggründe, aber letztlich sei keines überzeugend genug. „Es bleibt der Totschlag“, so Portius, die deswegen eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren beantragte. Die Tat sei zwar in einem hohen Erregungsgrad, aber nicht im Affekt ausgeführt worden. Zudem sei diese besonders roh gewesen und er habe die Traumatisierung des Sohnes, der die Tat miterleben musste, billigend in Kauf genommen. Zugunsten des Angeklagten führte sie sein Geständnis und seine Reue an.

Verteidiger: Opfer habe Ehemann provoziert

Auch Z.s Verteidiger Nicolai Preuß plädierte auf Totschlag, er forderte jedoch eine Haftstrafe von nicht mehr als neun Jahren. Für ihn sei dies ein „Musterbeispiel einer Affekttat“, so Preuß. Der Streit der Eltern, die Sorge um den Sohn, der Stress bei der Arbeit hätten dazu geführt, dass sich Z. am Tattag erschöpft und niedergeschlagen gefühlt hätte. Zudem hätte er seinem Sohn an diesem Sonntag vor Weihnachten gesagt, dass er ihn bald nur noch an den Wochenenden sieht. „In dieser deprimierten Stimmung passierte der Streit mit der Mutter des Kindes“, erläuterte Preuß. Für ihn sei es naheliegend, dass Marita Z. ihren Ehemann am Tattag bis aufs Blut provoziert hätte, da sie zuvor im Gespräch mit einer Nachbarin, die dies als Zeugin ausgesagt hatte, gesagt hätte, dass sie froh wäre, wenn ihr Mann ihr mal eine langt. „Dann hätte sie das gemeinsame Haus verlassen und das alleinige Sorgerecht beantragen können.“ Preuß führte aus, dass mehrere Zeugen und schließlich auch der Gutachter gesagt hätten, dass Rüdiger Z. zu der geschilderten Tat eigentlich gar nicht fähig sei. Sie sei im Affekt geschehen, danach sei der Zorn sofort von ihm abgefallen. Bei der ärztlichen Untersuchung sei er deprimiert und apathisch gewesen. „Wenn er die Tat nur ansatzweise geplant hätte, hätte er Sorge dafür getragen, dass keine Möglichkeit besteht, dass der Sohn Zeuge wird“, so der Verteidiger.

Sohn hat am längsten mit der Tat zu tun

Doch der Sohn wurde Zeuge, machte aber im Prozess, in dem er ebenso wie die Mutter und der Bruder der Getöteten Nebenkläger ist, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Seine Anwältin Brigitta Brunner wollte den bei der Tat Sechsjährigen in ihrem Plädoyer „sichtbar“ machen. „Es ist nicht in seinem Interesse, dass der Vater möglichst lange bestraft wird“, erläuterte die Anwältin. Der Junge sei „hochnervös“, im Gespräch stets bemüht zu vermeiden, dass über das Geschehene gesprochen wird. „Er war jedoch sehr fokussiert, als ich ihm gesagt habe, dass sein Papa gesagt hat, dass er etwas gesehen habe“, so die Anwältin. Es sei eine Entlastung, wenn der Vater ihm erlaube, das zu erzählen. Rüdiger Z. weinte bei der Schilderung, dass sein Sohn versuche, ihn zu schützen, indem er nicht über das Erlebte spricht.

Familie des Opfers spricht von Mord

Auch die beiden anderen Vertreter der Nebenklage, die Rechtsanwälte Torsten Dinsing und Stephan Vitzdamm, kamen zu Wort. Rechtsanwalt Vitzdamm verlas zunächst eine persönliche Erklärung von Mutter und Bruder des Opfers, in der sie darlegten, „dass Z. aus unserer Sicht ein Mörder ist. Er hat uns Tochter und Schwester auf heimtückische Art genommen“. Sie hofften nun auf eine hohe Strafe, auch wenn das für seinen Sohn bedeute, dass er seinen Vater lange nicht in Freiheit sehe. „Seine Mutter sieht er nie wieder.“ In seinem Plädoyer sagte Rechtsanwalt Dinsing, dass die voneinander abgegrenzten Einzeltaten gegen eine Tat im Affekt sprächen und das Verletzungsbild zeige, „mit welcher Kraft und Energie er zugestochen hat“. Auch habe Z. im Prozess vor allem daran gelegen, sich als Opfer darzustellen und zum Hergang nur das gesagt, was durch die objektive Beweislage offensichtlich war. Er forderte eine hohe Freiheitsstrafe.

Ilka Mertz

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