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Bad Schwartau Ein Abschied ohne Wehmut
Lokales Bad Schwartau Ein Abschied ohne Wehmut
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23:14 23.07.2016
14 Jahre lang  hat der 63-Jährige die Geschicke der Stadt Bad Schwartau und der Verwaltung gelenkt. Quelle: Sebastian Prey

Lübecker Nachrichten: Die Kisten sind fast komplett gepackt. Macht sich bei Ihnen schon etwas Wehmut breit?
Gerd Schuberth: Das Gefühl von Wehmut hat sich bei mir bislang nicht eingestellt. Die Freude auf das Nächste überwiegt eindeutig.

LN: Warum nicht? Waren Sie nicht gern Bürgermeister?
Gerd Schuberth: Doch. Ich war sehr gern Bürgermeister. Die Arbeit hat mir Spaß und Freude bereitet und mich auch erfüllt. Ich bin in der Stadt tief verwurzelt. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und berufstätig gewesen. Als Bürgermeister war ich in der Lage, etwas für meine Heimatstadt zu bewegen. Das ist schon etwas Besonderes.

LN: Welche Schulnote würden Sie sich für Ihre Amtszeit auf dem Zeugnis geben?
Gerd Schuberth: (beginnt mit einem langen „Ooooch“) Das Zensieren meiner Arbeit überlasse ich lieber anderen. Die Benotung wird dabei sicherlich höchst unterschiedlich ausfallen. Meine Begegnungen auf der Straße zeigen mir aber, dass ich nicht so schlecht war. Das Feedback von den Leuten ist überwiegend positiv.

LN: Was ist denn in Ihrer Ära besonders gut gelaufen?
Gerd Schuberth: Wir haben über die ganze Zeit gut gewirtschaftet. So kann ich einen geordneten Haushalt mit freien Finanzmitteln übergeben. Auch im Bereich Infrastruktur hat sich viel getan: Neue Gewerbe- und auch Wohngebiete sind entstanden. Ein Wohnmobilstellplatz und ein Recyclinghof haben sich gut etabliert und werden bestens frequentiert. Zudem wurden in einigen Schulen moderne Mensen eingerichtet. Persönlich freue ich mich über die Ansiedelung des P1-Centers mit dem erfolgreichen Kinobetrieb und auch darüber, dass Bad Schwartau jetzt Spielstätte beim Schleswig-Holstein-Musikfestival ist. Sehr gelungen waren auch die Veranstaltungen zu den Bad- und Stadtjubiläen. Mit Freude denke ich an die erfolgreiche Revanche bei der NDR-Stadtwette zurück. Wir sind sogar Städte-Champion geworden, so dass die ganze Stadt einen Tag lang freien Eintritt im Hansapark hatte.

LN: Und was ist in der Zeit weniger gut gelaufen?
Gerd Schuberth: Die Abwanderung von Nordcolor war natürlich hart. Die Schließung des hiesigen Amtsgerichts war sicherlich eine falsche Entscheidung der Landesregierung – auch aus wirtschaftlicher Sicht. Grundsätzlich muss ich sagen, dass sich vieles zu sehr in die Länge zieht. Von der Entscheidungsfindung zur Planung und Umsetzung vergeht einfach zu viel Zeit. Das hat sich auch beim derzeitigen City-Umbau gezeigt.

LN: Ärgert es Sie, dass durch die großen Themen Hinterlandanbindung, 380-kV-Leitung oder auch Streit um die Platanen andere Dinge schlichtweg vergessen werden?
Gerd Schuberth: Der Platanen-Streit ist wirklich ausgeufert. Von meinen beiden Amtskollegen aus den Gemeinden Ratekau und Stockelsdorf habe ich deshalb jetzt zum Abschied ein gerahmtes Blatt einer Platane bekommen. Sie meinten, wenn das das einzige Problem Bad Schwartaus ist, habe ich wirklich gute Arbeit geleistet. In der Tat gerät durch solche Streitereien einiges in Vergessenheit. So ist uns die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen gut gelungen. Da haben alle im Rathaus gute Arbeit geleistet und viel Zeit investiert. Da ist es aber auch klar, dass andere Dinge dann mal etwas länger dauern.

LN: Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?
Gerd Schuberth: Ich freue mich darauf, wieder meine freie Zeit selbst planen zu können. Als Bürgermeister war man doch bei vielen Abend- und Wochenendterminen gefordert. Natürlich plane ich auch einige Urlaubsreisen und freue mich auf mehr Zeit für meine Hobbys Oldtimer und Hund. Meine fünf Monate alte Hündin „Mila“ wird mit dafür sorgen, dass ich weiter einen fest strukturierten Tag habe. Ich werde auch versuchen, mein Portugiesisch zu verbessern. Gelernt wird aber auf der Terrasse (lacht).

LN: Werden Sie in der Stadt trotzdem präsent bleiben und in einem Verein oder in der Partei Ämter übernehmen?
Gerd Schuberth: (schüttelt heftig den Kopf) Zunächst will ich meine neue Freiheit genießen. Es gab schon einige Angebote Ämter zu übernehmen, aber das will ich vorerst nicht. Bestimmte Veranstaltungen werde ich weiter besuchen, aber ich werde mich aus Politik und Verwaltung selbstverständlich heraushalten. Ich bleibe in Bad Schwartau weiter wohnen – also werde ich hier und da präsent sein.

LN: Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger?
Gerd Schuberth: Als Bürgermeister ist es wichtig, Präsenz zu zeigen und ständig ein offenes Ohr für die Bürger zu haben.

Interview: Sebastian Prey

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