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Bad Schwartau Ein Geschenk für die Ewigkeit
Lokales Bad Schwartau Ein Geschenk für die Ewigkeit
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23:04 25.11.2016
Pythagoras-Lehrsatz in 3-D – Günter Stave hat bewiesen, dass es funktioniert. FOTOS: DOREEN DANKERT
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Bad Schwartau

„Wir haben eine Berühmtheit in der Stadt – und der Name ist Günter Stave“, schwärmt Elisabeth Kremer, die neben Bürgermeister Uwe Brinkmann gestern als Stadtvertreterin zum Geburtstagsempfang von Günter Stave in die Seniorenresidenz Geertz kam.

Mathematiker Günter Stave machte gestern zu seinem 90. Geburtstag der Stadt ein Geschenk.

Stave feierte seinen 90. Geburtstag mit einem kleinen Empfang. Und bei dieser Gelegenheit bekam Günter Stave zwar eine Menge Geschenke, doch das größte Geschenk machte der humorvolle Senior mit dem messerscharfen Verstand und der schier grenzenlosen Leidenschaft für Mathematik selbst – und zwar der Stadt Bad Schwartau: die wahrgewordene Idee eines Raumkörpers nach dem Lehrsatz von Pythagoras.

Pythagoras war das Mathe-Genie aus Griechenland. Im sechsten Jahrhundert vor Christus hat er den fundamentalen geometrischen Lehrsatz a2+b2=c2 für immer und ewig in Stein gemeißelt. Diese Formel beschreibt Seitenlängen und Flächeninhalte von rechtwinkligen Dreiecken. Alles in 2 D, also zweidimensional, sozusagen. Nur mit dem Stift auf Papier.

Das, was Stave in jahrelanger Denkarbeit herausgefunden und kreiert hat, ist, wie man diese Formel auf die dreidimensionale Welt übertragen kann. „2500 Jahre hat es gedauert, bis man aus einem Lehrsatz eine geschlossene Raumfigur gemacht hat“, erklärt Stave und fügt augenzwinkernd hinzu: „Und leider bin ich es gewesen.“ Günter Stave aus Bad Schwartau ist es offenbar als erstem Menschen überhaupt gelungen, einen geschlossenen Körper zu bauen auf Basis des Lehrsatzes von Pythagoras. Wissenschaftliche Fachzeitschriften haben sich bereits mit Staves Entdeckung beschäftigt. Und es gibt offenbar bis dato niemanden sonst, der behauptet, er hätte diese Lösung für diese Figur à la Pythagoras, die sich Polyeder nennt, gefunden. Alles, was erlaubt ist, das ist das Falten und Spiegeln.

Mehr nicht. Entweder es gelingt, auf diese Weise einen nahtlosen 3-D-Körper zu bauen oder nicht. „2500 Jahre lang haben es vielleicht immer mal andere versucht“, sagt der gebürtige Lübecker trocken und grinst, „aber ich weiß es nicht, ich hab’ mit denen nicht gesprochen.“

Bürgermeister Uwe Brinkmann jedenfalls ist „fasziniert“ von Staves Entdeckung und versichert, im Rathaus eine zeitweilige Ausstellung mit Staves Entdeckung zu machen. „Und dann überlegen wir, wie wir in Zukunft damit umgehen können“, so Brinkmann mit Blick auf eine Art mathematisches Kabinett im Museum.

Über die Bedeutung von Günter Staves Erfindung sagt Dr. Renate Kastorff-Viehmann, Leiterin der Gesellschaft für Geografie und Völkerkunde in Lübeck: „ Ich habe das Gefühl, dass das was ganz Großes ist.“ Und Elisabeth Kremer ist ganz fest davon überzeugt, dass „Günter Stave in die Geschichte eingehen wird, denn er hat nach 2500 Jahren die Lösung gefunden“. Das wäre dann in der Tat ein Geschenk für die Ewigkeit. Für Günter Stave – und auch für Bad Schwartau.

 Doreen Dankert

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