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Bad Schwartau Ein Heimspiel ganz ohne Lampenfieber
Lokales Bad Schwartau Ein Heimspiel ganz ohne Lampenfieber
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20:18 11.09.2013
Heute Abend spielt Katja Rieckermann bei einem Konzert von Rod Stewart in der Hamburger O2-World. Quelle: Fotos: hfr, Binder

Wenn Katja Rieckermann einem Star begegnet, wird sie nervös. Auch bei Rod Stewart sei das noch ein bisschen so, erzählt die Saxofonistin — dabei steht sie seit über zehn Jahren regelmäßig mit dem Sänger auf der Bühne, sie war zum Essen bei ihm zu Hause, hat mit ihm gefeiert. Dennoch schüchtere sie seine Gegenwart noch manchmal ein. Und als sie einmal den mehrfachen Grammy-Gewinner John Mayer getroffen habe, sei nur Kauderwelsch aus ihrem Mund gekommen.

Dass sie selbst auf einige Menschen eine ähnliche Wirkung hat, kann die Musikerin dennoch nicht nachvollziehen. Wenn sie in Bad Schwartau scheue Blicke auf sich zieht oder von aufgeregten Menschen angesprochen wird, dann wundert sie sich. Nervös müsse man doch nur bei „richtigen Stars“ werden, sagt sie.

Nach mehr als zwei Jahren ist Katja Rieckermann wieder einmal zu Besuch in ihrer alten Heimat. Früher ist sie ein- bis zweimal im Jahr hergeflogen; seit dem Tod ihrer Mutter 2007 kommt sie nicht mehr so oft in ihr Elternhaus in Bad Schwartau. Ihr Vater Peter (77) verbringt dafür viel Zeit in Los Angeles, wo seine Tochter seit 1997 lebt. Der Umzug nach Amerika sei damals überhaupt nicht geplant gewesen, erinnert sich die 47-Jährige. Sie lebte in Hamburg, gab Saxofon-Unterricht und spielte viel auf Messen. Eigentlich wollte sie nur ihren Bruder Ralph besuchen, damals Bassist der Rockband „Scorpions“. Doch es gefiel ihr gut in der Ferne, sie hatte sich in Deutschland gerade von ihrem Freund getrennt, war auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Und so blieb sie.

Vor Kurzem ist die gebürtige Norddeutsche auch wieder mit ihrem Bruder zusammengezogen, der inzwischen als Filmkomponist arbeitet. „Es ist schön, Familie um sich zu haben“, sagt sie. Wenn sie nicht gerade auf Tour ist, essen die beiden häufig zusammen, sitzen gemeinsam am Tisch und erzählen, wie einst in Bad Schwartau. „Ich bin gern zu Hause“, sagt Katja Rieckermann. Damit meint sie jetzt Los Angeles, nicht mehr die Solbadstadt. Letztere ist für die Saxofonistin inzwischen hauptsächlich ein Stück Vergangenheit. Mit ihr verbindet sie Kindheitserinnerungen, Gedanken an Abenteuerspiele an der Holzbrücke im Riesebusch, an Ausflüge nach Niendorf oder nach Timmendorfer Strand, wo sie häufig mit Freunden im Café Wichtig saß.

Wenn sie jetzt dorthin gehe, sei es anders, sagt Katja Rieckermann, „ich kenne da ja niemanden mehr“. Und trotzdem steht dieser Programmpunkt auf ihrer Liste, wenn sie Bad Schwartau besucht. Genau wie Spaziergänge im Wald, Richtung Groß Parin, über die Holzbrücke. Ansonsten verbringt sie vor allem Zeit mit ihrer Familie — und diesmal auch mit zwei Schulfreundinnen: Eine von ihnen ist ebenfalls zu Besuch in der Stadt, die andere sei gerade erst wieder hergezogen, erzählt die Musikerin.

Sie selbst bleibt diesmal nur drei Tage in Bad Schwartau. Heute Abend steht sie schon wieder mit Rod Stewart in Hamburg auf der Bühne. Im Publikum wird dann auch ihr Vater sein. „Deshalb ist es für mich natürlich immer besonders schön, wenn wir in Deutschland spielen“, sagt die Saxofonistin, „weil dann meine Verwandten und Freunde zu den Konzerten kommen können.“

Bei ihrem letzten Besuch in Bad Schwartau im Jahr 2011 ist sie sogar direkt in der Solbadstadt aufgetreten, solo damals: beim Kiwanis Jazz Festival. „Das hat Spaß gemacht“, sagt sie. Sie sei allerdings auch sehr aufgeregt gewesen, gibt sie schmunzelnd zu: „Es war schon auch ein gewisser Druck dabei — die Erwartungen waren natürlich ziemlich hoch.“

Nervosität vor dem Auftritt kenne sie ohnehin gut, erzählt die Saxofonistin. Bei einem Konzert 2007 zu Ehren der verstorbenen Prinzessin Diana im Londoner Wembley-Stadion vor über 60 000 Zuschauern und mit Live-Übertragung in 142 Länder habe vor Aufregung ihre Lippe gezittert; bei ihrem Solo sei deshalb ein Ton daneben gegangen. „Ich wollte im Erdboden versinken“, erinnert sie sich. Mit der Zeit habe sich das Lampenfieber aber etwas gelegt. „Bei einem Konzert dieser Größenordnung wäre ich aber heute noch genauso nervös wie damals“, ist Katja Rieckermann sicher. Und eben bei Heimspielen in Bad Schwartau.

Von Bad Schwartau in die weite Welt
Katja Rieckermann ist in Lübeck geboren und in Bad Schwartau aufgewachsen. Seit 1997 lebt die erfolgreiche Saxofonistin in den USA. Sie tourt regelmäßig mit Rod Stewart um die Welt und hat mittlerweile zwei eigene Alben herausgebracht.

Mehr über die Musikerin im Internet unter www.katjarieckermann.com.

„Ich freue mich immer, wenn wir in Deutschland spielen.“
Katja Rieckermann

Jennifer Binder

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