Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Ein Jahr Russland: Clara zieht es in den Osten
Lokales Bad Schwartau Ein Jahr Russland: Clara zieht es in den Osten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:28 05.07.2017
„Schön, Russland richtig kennenzulernen“, sagt Clara Schulz, die es von Bad Schwartau nach Wolgograd zieht. Quelle: Foto: Irene Burow
Bad Schwartau

Das wird eine Reise in die russische Provinz: Clara Schulz will ab Herbst einen Friedensdienst im Ausland leisten. Der Verein Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) vergibt 180 Plätze in 13 Ländern; einen davon hat Clara bekommen. „Ich hatte mich auch für die Ukraine, Weißrussland und Norwegen beworben“, erzählt die 19-jährige Bad Schwartauerin, die gerade am GaM ihr Abitur gemacht hat. In der Schulzeit war sie bereits ein Jahr in Estland, jetzt geht es nach Russland. Brisant in der Vergangenheit und Gegenwart, findet sie:

„Politisch ist es gerade jetzt wichtig, Kontakte zu dem Land zu pflegen. Dazu tragen unter anderem kleine Organisationen wie ASF bei.“ Der kirchliche Verein entsendet Freiwillige in Länder, mit denen Deutschland einst im Krieg war. „Um Hemmungen abzubauen, in Dialog zu treten und zu bleiben“, sagt Clara (siehe Infokasten). Der Ort in dem sie leben wird, könnte kaum geschichtsträchtiger sein:

Wolgograd – das ehemalige Stalingrad. Eine der Regionen, in denen noch deutschstämmige Minderheiten leben.

Das Projekt wird vielfältig. Eingesetzt wird sie in der evangelisch-deutsch-russischen Gemeinde Sarepta. Zu den Aufgaben zählt vor allem die Arbeit mit älteren Menschen; Nachfahren der Wolgadeutschen und Repressierten. Die 19-Jährige kann Gottesdienste mitgestalten, aber auch Reparatur- und Gartenarbeit erledigen, Texte übersetzen oder Deutschunterricht geben. „Auf dem Kirchentag in Berlin habe ich den Propst aus dem Wolgagebiet getroffen. Er ist auch in der Gemeinde dort tätig. Wir haben schon russische Süßigkeiten und Tee probiert“, erzählt Clara. Im Vergleich zu deutschen Gemeinden ist die dortige sehr klein, es fehlt noch an Erfahrung für Gemeindearbeit, heißt es von der ASF. Es bleibt also viel Raum für eigene Interessen und Kreativität. „Wichtig ist die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Menschen, deren Denken und Vorstellungen nicht unbedingt mit den eigenen übereinstimmen.“ Ein- bis zweimal in der Woche hilft sie zudem in einem jüdischen Gemeindezentrum aus.

Damit der Freiwilligendienst gelingen kann, sind die Teilnehmer dazu verpflichtet Paten zu finden, die kleine Summen zahlen. 15 Personen, die 15 Euro pro Monat übernehmen, lautet das Ziel.

Privatpersonen, Vereine, Firmen und kleine Gruppen können sich auch zusammenschließen. „Ein paar fehlen mir noch“, sagt sie. „Im Gegenzug werde ich Projektberichte zu meiner Arbeit schreiben.“ Das Geld geht direkt an den Verein, der für die Organisation, Unterbringung, Verpflegung und Betreuung sorgt.

Clara ist jetzt fleißig dabei, Russisch zu lernen. Anfang September nimmt sie an einem Vorbereitungskurs teil, anschließend startet ein länderspezifisches Camp. Mitte September geht der Flieger nach Moskau und der Zug nach Wolgograd. Wolgograd ist zwar eine Millionen-Metropole, liegt aber sehr abgelegen. Das macht ihr nichts aus, weil sie so das echte russische Leben kennenlernen kann. „Wenn ich will, fahre ich 20 Stunden in den nächstgrößeren Ort“, sagt sie lachend. Spannend wird auch die wiederholte Ausreise, denn es gibt keine Jahres-Visa in Russland. Alle drei Monate wird sie nach Berlin zum Vereinsbüro reisen, um dort ein neues Visum zu beantragen. Russland sei eben ein Land der Extreme, findet sie schon jetzt.

Die Ziele des Vereins

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste wurde 1958 bei der Synode der Evangelischen Kirche ins Leben gerufen. Die Anerkennung der Schuld für die nationalsozialistischen Verbrechen steht am Anfang des Aufrufs.

Ziele von ASF sind demzufolge die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen sowie die Verpflichtung für konkretes Handeln in der Gegenwart. Der Verein will aber auch aktuellen Formen von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegentreten.

Wolgograd ist eine russische Großstadt mit rund einer Million Einwohnern. Sie erstreckt sich über 100 Kilometer am Ufer der Wolga entlang und ist das administrative und wirtschaftliche Zentrum im Süden Russlands.

Kontakt: Wer Pate werden möchte meldet sich bis Mitte Juli bei Clara unter Telefon: 0174/6299503 oder per E-Mail an argustus@web.de.

Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sonnabend feiert der Fackenburg-Stockelsdorfer Quartett-Verein sein 160-jähriges Vereinsbestehen.

05.07.2017

Indische Delegation der Partnergemeinde besucht zwei Wochen Stockelsdorf.

05.07.2017

Bilder von Hanna Conrad-Peters und Torsten Bahr sind demnächst im Asklepios Gesundheitszentrum in Bad Schwartau zu sehen. Die Künstler zeigen ihre Werke dort von Sonnabend, 8.

05.07.2017