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Bad Schwartau Ein Mann der Worte und Taten
Lokales Bad Schwartau Ein Mann der Worte und Taten
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20:15 17.05.2016

Die Fußabdrücke, die Karl Eigen nach seinem Rückzug aus dem politischen Geschäft hinterließ, waren sehr groß. Und die Lücke, die er jetzt im Leben seiner Familie, Freunde und Weggefährten hinterlässt, ist noch größer. Karl Eigen ist am Pfingstwochenende, in der Nacht von Freitag zu Sonnabend, verstorben. Sein Schicksal beschenkte ihn mit einem stolzen Alter von 88 Jahren.

Karl Eigen war der geborene Macher. Er hatte keine Angst, für seine Ideen und Überzeugungen zu kämpfen. Er war stark genug, auch harten Gegenwind auszuhalten – ohne sein Ziel dabei aus den Augen zu verlieren. „Wo du büst, dor must du vorn wähn“ (wo du bist, da musst du vorne sein) – das war Eigens Lebensmotto, an das er sich seit seiner Jugend gehalten hat.

Geboren wurde Karl Eigen am 3. November 1927 in Lübeck als Sohn eines Landwirts aus Klein Parin. Nach der Schule, dem Kriegsdienst und der landwirtschaftlichen Ausbildung bis hin zum Landwirtschaftsmeister übernahm Karl Eigen als junger Mann im Alter von 24 Jahren den elterlichen Hof in Klein Parin. Sein Hauptaugenmerk galt dabei dem Gemüseanbau und der Milchwirtschaft. Doch Karl Eigen war viel mehr als nur ein Landwirt. Karl Eigen war ein Visionär landwirtschaftlicher Interessen auf dem politischen Parkett.

Seit Ende 1961 war Karl Eigen Mitglied der CDU Stockelsdorf. Sein politisches Wirken ist beispielhaft: Von da an bis 1995 war Karl Eigen Dorfvorsteher in Klein Parin; von 1966 bis 1985 war er stellvertretender CDU-Ortsvorsitzender, von 1962 bis 1969 war er Gemeindevertreter in Stockelsdorf. Besonders stark hat sich Karl Eigen während dieser Zeit gemacht für den Bau des ersten Stockelsdorfer Kindergartens „Zum guten Hirten“ und die Schaffung des Gewerbegebietes am Funkturm. „Karl Eigen ist unvergleichlich eine der großen Persönlichkeiten unserer Gemeinde“, so Bürgervorsteher Harald Werner. „Er hat die Rechte der Landwirte deutlich vertreten, er hatte eine deutliche Sprache und er war ein streitbarer Zeitgeist.“

Nach seiner Wahl zum Vizepräsidenten des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes schied Karl Eigen vorzeitig aus der Gemeindevertretung aus. Von 1984 bis 1994 war Eigen dann Präsident dieses Verbandes. Parallel trieb er seine politische Karriere voran. Von 1972 bis 1976 und von 1980 bis 1990 saß Karl Eigen für die Christdemokraten im Deutschen Bundestag. Und genau an dieser Stelle gab Karl Eigen seinen Visionen von bleibenden Perspektiven für die deutsche und europäische Landwirtschaft Nahrung und Energie. Denn viel früher als alle anderen war er von der Bedeutung der nachwachsenden Rohstoffe und erneuerbaren Energien überzeugt. Und in genau dieser Überzeugung wurde er initiativ von 1990 bis 1996 als Gründungsvorsitzender und Bundesvorsitzender der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen und der Fachagentur Nachwachsender Rohstoffe. Aufgrund dieses herausragenden Engagements wurde Karl Eigen 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog das Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen. Das ist die höchste Auszeichnung, die je einem Bürger der Gemeinde Stockelsdorf verliehen wurde. Doch einer wie Karl Eigen setzt sich nicht einfach zur Ruhe auf dem Gipfel des Ruhms: Im Jahre 2009 gründete und finanzierte er gemeinsam mit Dietrich Brauer die „Karl Eigen und Dr. h.c. Dietrich Brauer Stiftung“, die sich der Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Öl- und Eiweißpflanzen verschrieben hat.

Und auch darüber hinaus hat Karl Eigen sich eingebracht. Auch hier vor Ort. Bad Schwartau hat er 2008 die Fontäne für den Kurparksee spendiert. Und als der Gemeinnützige Bürgerverein Stockelsdorf 2013 die Blumenampelaktion ins Leben rief, war Karl Eigen der Erste, der mit gutem Beispiel voranging und gleich drei Blumenampeln spendete.

„Für mich persönlich ist sein Tod ein großer Verlust“, erklärt sein Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Hartmut Hamerich. „Er war über 20 Jahre mein Wegbegleiter, mein Wegbereiter und ein väterlicher Ratgeber.“ Als Hamerich sich entschied, 2004 für den Kieler Landtag zu kandidieren, gab Eigen ihm einen Rat, an den er sich bis zum Schluss selber gehalten hat: „Verliere nie den Kontakt zu den Menschen und vergiss nie, woher du kommst!“

Am kommenden Donnerstag, 26. Mai, findet der Trauergottesdienst statt für Karl Eigen – einen großen Mann, der keine Angst davor hatte, sich an seinen Taten messen zu lassen. Karl Eigen – ein Macher.

Doreen Dankert

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