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Bad Schwartau „Ein Narzisst packt aus“ – Leonard Anders bricht Tabu
Lokales Bad Schwartau „Ein Narzisst packt aus“ – Leonard Anders bricht Tabu
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20:44 29.05.2018
Bad Schwartau

Das Thema ist uralt und doch aktuell: Narzissmus. Pastor Matthias Kiehn hat es in die Rensefelder Kirche geholt. Gut 50 Besucher wollten hören, was Kiehns Gast, Leonard Anders, zu sagen hatte unter dem Titel seines autobiografischen Buches „Ein Narzisst packt aus“.

Leonard Anders erlaubt nur Schwarz-Weiß-Fotos von sich. Am 31. Mai liest er um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Lübeck, Hundestraße. Quelle: Foto: Gal

Kiehn erinnerte an die griechische Mythologie, in der das Thema in der Legende von „Narziss und Echo“ im Kern verdeutlicht wird. Ein gewisses, ein gesundes Maß an Narzissmus sei gut und wichtig, erklärt Psychologe Dr. Bodo Karsten Unkelbach in seinem Vorwort in Anders’ Buch. Denn ein gesunder Narzissmus, der irgendwo in der Mitte von Echo und Narziss liegt, befähigt laut Unkelbach einen Menschen, ein starkes Selbstwertgefühl und ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben und somit ein eigenverantwortliches und erfülltes Leben leben zu können – und zwar ohne Dauerbewunderung von außen zu benötigen.

Ein Zuwenig an Narzissmus wie bei Echo ist ebenso schädlich und leidvoll für sich selbst und andere wie ein Zuviel wie bei Narziss (und Leonard Anders).

Doch kein Mensch wird als Narzisst geboren. Der 34-jährige Autor Anders schildert nach intensiver therapeutischer Aufarbeitung seiner Vergangenheit in dem Buch, welche Umstände den Weg bereiten, um in eine Persönlichkeitsstörung wie den (pathologischen) Narzissmus hineinzuschlittern. Die Weichen dazu werden in der Kindheit – in erster Linie durch die Eltern – gestellt. Anders schildert in seinem Buch sehr plastisch, wodurch seine Kindheit geprägt war: mangelnde Liebe und Aufmerksamkeit, mangelndes Verständnis und schlichtweg mangelndes Interesse seiner Eltern, besonders seiner Mutter, an ihm. Und das nicht nur einmal, sondern als fortlaufendes Verhaltensmuster seiner Eltern.

Selbst als Leonard Anders wegen seines Aussehens von anderen Kindern misshandelt und weggemobbt wird, findet er keinen häuslichen Schutz, keinen Trost, keine Wärme, keine Geborgenheit. Umstände also, die trefflich dazu geeignet sind, das Selbstwertgefühl eines kleinen Menschen im Keim zu ersticken. Eine Prägung fürs Leben, die wiederum dafür sorgt, dass dieser Mensch geneigt sein wird, auch im späteren Leben schlecht von sich selbst zu denken, sich für minderwertig und nicht liebenswert zu halten, egozentriert und unerklärbar andere abrupt wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen und ständig Versagensängste mit sich rumzuschleppen – aber alles gut verborgen hinter einer auf den ersten Blick arroganten, zuweilen sehr verführerischen und schillernden narzisstischen Maske.

Nach einem Zusammenbruch, Selbstmordversuchen, einem Jahr Obdachlosigkeit und einem Jahr in der Psychiatrie hat der gelernte Veranstaltungskaufmann Leonard Anders sich mit therapeutischer Hilfe selbst aus dem Sumpf seines Lebens gezogen. Und nein, Leonard Anders sucht keinen Schuldigen in diesem Buch. Er will anderen Mut machen, in ihr Innerstes zu schauen und an falschen Glaubenssätzen aus der Kindheit zu rütteln.

Und Leonard Anders will reden über ein Tabu: über Mutterliebe, die nicht immer Liebe ist. „Manchmal wünschte ich, ich würde sie (seine Mutter) hassen, aber ich tu es nicht“, gesteht der Autor.

dd/gal

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