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Bad Schwartau „Ein Stück Bad Schwartau, das verloren geht“
Lokales Bad Schwartau „Ein Stück Bad Schwartau, das verloren geht“
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10:10 08.04.2016
Arno Klein (63, Beamter), Ilona Riepenhausen (53, Altenpflegerin) und Ingeborg Höhne (77, Verkäuferin). Quelle: Olaf Malzahn

„Schade“, bemerkt Ilona Riepenhausen (53). „Ein Stück Bad Schwartau, das verloren geht.“ Immerhin wolle das Werk seine Belegschaft weiter beschäftigen, aber die Altenpflegerin glaubt trotzdem nicht, dass alle ihren Arbeitsplatz behalten werden. „Wenn sie weit fahren müssen zum neuen Standort, werden viele hier aus dem Ort sich das überlegen.“ Ihr selbst ist wehmütig ums Herz. „Ich hab‘ da mal gearbeitet“, gesteht sie, „Mandeln sortiert und Marzipanherzen in Kartons gepackt.“

Erinnerungen, die wohl viele Bad Schwartauer teilen. „Ich kenne viele ehemalige Kunden, die da gearbeitet haben“, sagt Ingeborg Höhne (77), die früher Verkäuferin war. „Hausfrauenschicht, von 19 bis 23 Uhr, wissen Sie. Das war gut für junge Mütter. So konnten sie sich tagsüber um ihre Kinder kümmern und abends mussten dann eben die Väter ran.“ Harte Arbeit sei das gewesen, in der Fabrik. „Akkord. Denen lief der Schweiß so runter.“ Sie zuckt die Achseln. „Die im Büro gearbeitet haben, hatten es besser.“ Alles in allem sei die Firma immer ein guter Arbeitgeber gewesen, ist ihre Ansicht. „Das Arbeitsklima stimmt wohl.“

Bad Schwartau ohne Marmeladen-Werke, das kann sie sich nicht recht vorstellen. „Früher, in den 50er Jahren, haben wir die Marmelade noch lose geholt“, erinnert sie sich mit wehmütigem Lächeln. „Da hat man sein Glas selbst mitgebracht und vollmachen lassen. Manche kamen mit Eimern.“

Arno Klein (63) sorgt sich um die Einnahmen der Stadt. „Da fallen eine Menge Steuern weg.“ Es sei auch ein Versäumnis der Politik, wenn es Umzugspläne der Firma in andere Kreise gebe. „Platz ist hier im Umkreis doch auch. Sollen sie den Schwartauer Werken doch ein gutes Angebot machen!“ Für die Anwohner sei die Möglichkeit, sich saisonal etwas dazuzuverdienen, immer eine prima Sache gewesen. „Bekannte von mir haben da in der Erdbeersaison oft ausgeholfen.“

So oder so: Dass die Firma nach all den Jahren und trotz der Wertschätzung der Bewohner Bad Schwartau zumindest teilweise verlassen wolle, findet der Beamte nicht in Ordnung. „Eine Schweinerei.“ „Ist ja nicht das erste Mal, dass sie drohen wegzugehen“, meint Bäckereiverkäuferin Marina Will (23). Sie hat früher mal bei Corny gearbeitet. „Riegel in Fächer schieben, bevor sie in Kartons kommen.“ Für den Bau des Corny-Werkes sei damals Wald gerodet worden, erinnert sich eine Anwohnerin empört. „Das wäre ja dann nicht nötig gewesen.“

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