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Bad Schwartau Eine Arbeit zwischen hohen Erwartungen und Realität
Lokales Bad Schwartau Eine Arbeit zwischen hohen Erwartungen und Realität
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20:22 02.03.2018
In ihrer wöchentlichen Sprechstunde hilft Beatrice Walker Asylsuchenden bei den unterschiedlichsten Problemen. Quelle: Foto: Dankert

Das sei ein großer Unterschied, erklärt Beatrice Walker, „denn ich berate nicht.“ Vielmehr ist das, was die Stockelsdorferin verkörpert in ihrer Funktion als Asylbegleiterin, eine Mischung aus Psychologin, Seelsorgerin, Motivationstrainerin, Koordinatorin und vor allem auch so eine Art Realitäts-Predigerin.

Immer montags hat sie für mehr oder weniger schwierige Fälle von 14.30 bis 16 Uhr eine Sprechstunde im Stockelsdorfer Rathaus. Im ersten Stock, gleich neben dem Büro vom Hauptamtsleiter. Etwa fünf bis sechs Migranten pro Sprechstunde suchen das Büro von Beatrice Walker auf. Und jeder Besucher hofft, dass Beatrice Walker, die hauptberuflich diplomierte Übersetzerin für Englisch und Französisch ist, irgendwie helfen kann, das jeweilige Problem aus der Welt zu schaffen.

Immer wieder suchen die Flüchtlinge bei Beatrice Walker befriedigende Antworten auf Fragen wie diese: Wie kann ich die Zeit bis zum Beginn des Integrationskurses überbrücken? Wie bekommen ich eine eigene Wohnung? Wie kann ich meine Familie nachholen? Und warum dauert das alles so lange? Und immer wieder muss Beatrice Walker feststellen, „dass viele hier mit ganz falschen Vorstellungen und Erwartungen nach Deutschland kommen, schnell feststellen, dass es nicht so ist, wie sie dachten, und dann enttäuscht und frustriert sind.“ Nicht wenige Flüchtlinge würden nämlich das Bild von Deutschland glauben, das ihnen die Schlepper schmackhaft machen. Und deswegen glauben viele Flüchtlinge, so die Erfahrung der Asylbegleiterin, dass jeder hier Bargeld bekommt und eine eigene Wohnung, die der deutsche Staat bezahlt. Einfach so.

Natürlich gibt es auch die Flüchtlinge, die aus dem Krieg fliehen und dankbar seien, dass sie am Leben sind und hier in Deutschland ohne Bombenhagel leben können. Doch auch Flüchtlinge aus Syrien hätten nicht immer das Bild vom Leben in Deutschland, wie es wirklich ist. „Und wie das wirkliche Leben ist, das sehen die Flüchtlinge dann schon nach kurzer Zeit“, räumt Beatrice Walker ein und fügt nüchtern hinzu, „ja, es gibt nicht wenige, die denken, die können hier in Deutschland ein bisschen Schlaraffenland erleben. Aber dann merken sie schnell, dass das hier nicht so ist, und man Anforderungen erfüllen muss.“

Insofern gehört auch immer das Geraderücken des falschen Bildes von Deutschland bei den Flüchtlingen zum Job der Asylbegleiterin neben den Ratschlägen, dass die Sprache das Wichtigste ist bei der Integration. So ein bisschen sei sie für viele eben auch eine Mischung aus Seelsorgerin und Psychologin, sagt sie. Denn wenn zu hohe oder gar falsche Erwartungen bei den Flüchtlingen von der Realität enttäuscht und im schlimmsten Fall zerstört werden, dann ist Beatrice Walker ganz besonders gefragt, mit viel Fingerspitzengefühl die richtigen Worte zu finden. Das macht den Unterschied zwischen beraten und begleiten.

Aktuelle Zahlen aus Stockelsdorf

Etwa 200 Migranten wohnen aktuell in Stockelsdorf, teilt der Hauptamtsleiter Axel Kerbstadt mit. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Jemen, und Armenien.

Der Familiennachzug sei schwer einzuschätzen, so Kerbstadt, insbesondere auch vor dem Hintergrund der begrenzenden Regelungen für Personen mit subsidiärem (schutzberechtigte Personen, die stichhaltige Gründe vorlegen, dass ihnen im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht) Schutz, die eine künftige Regierung möglicherweise treffen wird.

Erfahrungsgemäß geht man in der Stockelsdorfer Gemeindeverwaltung von einem Familienzuzug von zehn bis 20 Personen pro Jahr aus. Untergebracht sind die Migranten vor allem in von der Gemeinde angemietetem Wohnraum. Aktuell gibt es noch 25 frei Wohnplätze.

Die Container für Flüchtlinge am Brandenbrooker Weg und im Ahornweg wurden wieder abgebaut.

2017 und 2016 hatte der Flüchtlingsstrom deutlich abgenommen .

Doreen Dankert

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