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Bad Schwartau Eine Erfolgsgeschichte: Das Reparatur-Café in Rensefeld
Lokales Bad Schwartau Eine Erfolgsgeschichte: Das Reparatur-Café in Rensefeld
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19:16 24.02.2016
Rainer Grendel und Daniel Sack (r.) zerlegen einen Vertikutierer.

Im Gemeindezentrum Rensefeld geht es zu, wie im Wartezimmer eines Arztes. Nur gemütlicher und entspannter. Die Besucher sind auch nicht krank oder haben ein Leiden. Sie können Tee oder Kaffee trinken, selbst gebackenen Kuchen verkosten und ganz nebenbei einen gelben „Patientenschein“ mit persönlichen Daten und dem Grund des Besuchs ausfüllen.

Eine Art Auftragszettel für den ehrenamtlichen Reparaturdienst. „Wir haben hier eine Reihe von Spezialisten, die in verschiedenen Bereichen kostenlos ihre Hilfe anbieten. Das Spektrum reicht von Elektronik, Mechanik, Holz bis hin zum Nähen“, berichtet Heidi Niehaus, die Initiatorin des Reparatur-Cafés in Bad Schwartau, das mittlerweile seit einem Jahr und einem 20-köpfigen Helfer-Team besteht. „Die Resonanz ist phantastisch. Um die 500 Kunden hatten wir im ersten Jahr unseres Bestehens“, zieht die Macherin eine positive Bilanz bei der jetzigen vierten Auflage.

Horst Häse (85) genießt im „Wartezimmer“ einen Bienenstich. Er hat einen Videorecorder nebst VHS-Kassette mitgebracht. „Der funktioniert nicht mehr. Die Kassette kommt nicht wieder raus“, sagt der Sereetzer, der zum ersten Mal das Reparatur-Café in Rensefeld besucht. Keine fünf Minuten später wird Häse von „Technik-Doktor“ Eckhard Schramm (58) abgeholt und in den „Werkstatt-Bereich“

mitgenommen. „Der Videorecorder ist ja mindestens 25 Jahre alt“, sagt Schramm, der gelernter Radio- und Fernsehtechniker ist, aber schon lange nur noch als Klavierstimmer arbeitet. „Aber viel zu schade zum Wegschmeißen“, sagt Häse. Schramm nickt zustimmend, schraubt die Deckel ab und hat auch gleich einen Verdacht, woran es liegen kann. Sogleich hält er einen kleinen Gummiring in der Hand.

„Der Kapstan-Riemen hat keine Elastizität mehr“, sagt Schramm, der zufälligerweise in seinem Werkzeugkasten Ersatz dabei hat. „Das ist ja ein doller Service hier“, sagt Häse begeistert.

Am Nachbartisch strahlt auch Premieren-Besucherin Maxi Vogt (66), die eine defekte Munddusche mitgebracht hat. Uwe Ellenberger (67) hat den gebrochenen Schlauch gekürzt. „Ich bin begeistert und bestimmt nicht zum letzten Mal hier gewesen“, erklärt Vogt und füttert die aufgestellte Spendenbox.

Doch nicht allen kann auf die Schnelle geholfen werden. Herbert Neubauer (66) versucht, den Laptop von Tim Bollmann (12) zu reparieren. Der Medizintechniker muss aber nach knapp 15 Minuten passen.

„Ich bin mit meinem Latein am Ende. Bevor ich etwas kaputtmache, breche ich hier lieber ab“, sagt Neubauer. Für Tim kein Beinbruch. „Der Versuch war es wert. Der Laptop ist ja schon alt“, sagt der Schüler. Technikfreak und Hörgeräteakustikermeister Daniel Sack (41) hat zwar erfolgreich eine Kettensäge zum Laufen gebracht, aber beim defekten Vertikutierer von Christiane Nicolaus (45) aus Stockelsdorf muss er zunächst passen. „Jetzt sind Sie am Zuge. Das Ersatzteil müssen Sie besorgen“, sagt Sack und hält einen gerissenen Antriebsriemen in der Hand. Die Stockelsdorferin, die nicht wegen einer möglichst günstigen Reparatur gekommen ist, ist dennoch zufrieden. „Der Nachhaltigkeitsgedanke ist mir wichtig. Jetzt weiß ich schon mal, dass eine Reparatur möglich ist.“

Nächster Termin: 28. Mai

150 Euro hat das Repair-Café-Team jetzt an Pastor Matthias Kiehn als Spende überreicht. „Wenn die Kirchengemeinde uns die Räume nicht zur Verfügung stellen würde, könnten wir das Angebot nicht machen“, so Heidi Niehaus. Sie betont zudem, dass das Café keine Konkurrenz für Handwerksbetriebe sei. „Fast alle Dinge, die hier zur Reparatur kommen, würden sonst weggeschmissen.“ Nächster Repair-Café-Termin: 28. Mai.

Sebastian Prey
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