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Bad Schwartau Eine Geschmacksfrage: Fleckessen
Lokales Bad Schwartau Eine Geschmacksfrage: Fleckessen
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18:17 08.01.2016
So sieht die Flecksuppe aus.

Der typische Geruch liegt in der Luft, auch die Liebhaber des Königsberger Fleck haben sich schon in der Mensa der Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule in der Schulstraße eingefunden. Jetzt war es wieder soweit: Die Landsmannschaft Ostpreußen hat zu ihrem traditionellen ostpreußischen Fleckessen geladen. Rund 60 Gäste, Liebhaber der gehaltvollen Pansensuppe und Einige, die sich lieber an eine alternativ gereichte Gulaschsuppe hielten, speisten gemeinsam bei musikalischer Unterhaltung des Bad Schwartauer Akkordeonorchester „Tanzende Finger“.

„Bei mir hat es einige Jahre gedauert, bis ich die Flecksuppe dann mal probiert habe“, gesteht Gustav Kutz lachend. „Aber so schlimm ist es gar nicht.“ Das Königsberger Fleck wird neben Gemüse und Gewürzen vor allem aus dem Pansen, dem größten der drei Vormägen bei Wiederkäuern, hergestellt. Bei dem Verzehr von Innereien streiten sich die Geschmäcker.

Auch das Ehepaar Falk aus Eutin ist sich uneinig. „Meine Frau ist Holsteinerin“, sagt Edwin Falk. „Die kann ich von der Suppe nicht überzeugen — deshalb isst sie Gulasch.“ Der 74-Jährige dagegen schwört auf das ostpreußische Gericht — schließlich kommt er aus Memeln. „Da habe ich die bei meinem Großvater kennengelernt“, sagt Falk. Er hat sich für den Abend viel vorgenommen: „Heute esse ich mindestens vier Teller.“

Bis die Spezialität, die ursprünglich ein Armeleuteessen war, in den großen Porzellan-Terrinen überhaupt aufgetischt werden kann, dauert es allerdings eine Weile. „Wir haben zu zweit in der Küche stundenlang dafür gearbeitet“, sagt Anne Muus-Seyfferth vom Horsdorfer Catering-Service „Hühnerkram vom Birkenplatz“, der seit fast zehn Jahre die Suppe zubereitet. Drei Stunden habe es gedauert, bis das Fleck geschnitten war, nochmal anderthalb Stunden mussten für das Gemüse gerechnet werden. „Garen musste die Suppe dann nochmal ganze drei Stunden“, sagt Muus-Seyfferth. „In die Suppe kommt weißer Pansen vom Kalb, Möhren, etwas Sellerie, Zwiebeln und Gewürze.“ Nach Geschmack wird sie dann individuell mit Senf, Essig und Majoran verfeinert.

Um einen Teller der begehrten Speise genießen zu können, kommen einige Liebhaber sogar mit Tupperdosen. Sie nehmen die Suppe mit Nachhause, essen dort zusammen mit der Familie oder mit Freunden. Auch Gerhard Watzlawik lässt sich in der Küche der Mensa die Suppe einpacken. Er ist zwar kein Ostpreuße, aber in Oberschlesien, woher er gebürtig stammt, gibt es die Speise auch. „Ich kenne sie noch von früher“, sagt der 88-Jährige. „Das Gericht Zuhause zu kochen, ist aber viel zu aufwendig — da hole ich sie lieber hier.“

Bei ausgelassener Stimmung genießen die Gäste ihre Mahlzeit. Auch Regina Gronau, die seit mehr als 20 Jahren das Fleckessen organisiert, ist zufrieden — auch wenn an diesem Abend weniger Teilnehmer dabei waren als in den letzten Jahren. „Das ist schade“, sagt die 80-Jährige. „Aber viele hatten natürlich das Wetter im Hinterkopf — daran lag es vermutlich. Wir sind ja alle nicht mehr die Jüngsten.“ Für die gebürtige Königsbergerin ist das Fleckessen jedes Jahr eine ganz besondere Veranstaltung. „Mich erinnert das Essen an meine Kindheit“, sagt sie. „Die Suppe gab es damals viel auf dem Dorf.“ Bis es wieder soweit ist, dauert es nun wieder ein Jahr. Aber Regina Gronau verzagt nicht, sie freut sich schon auf den Winterball im Waldhotel Riesebusch Anfang Februar. Das ist die nächste Veranstaltung, zu der die Landsmannschaft Ostpreußen dann alle Tanzfreudigen aus Bad Schwartau und Umgebung lädt.

km

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