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Bad Schwartau Eine klasse Gemeinschaft
Lokales Bad Schwartau Eine klasse Gemeinschaft
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20:39 12.06.2017
60 Jahre sind inzwischen seit dem Schulabschluss an der jetzigen ESG vergangen: Hans-Jürgen Heinrich, Heide Brede, Dietrich Höpfner, Jutta Eggert, Ferdinand Schöppich, Reimer Dornquast, Elke Scheiner, Otto Utesch, Dr. Armin Knoblauch und Barbara Freyher, Gerd Beckmann, Gertrud Matthiesen und Jürgen Steinfeldt mit dem alten Rechenschieber (v.l.). FOTO/REPROS: IRENE BUROW

„Du kannst wieder nach Hause gehen, die Schule brennt gerade ab!“ Er habe seinen Mitschülern auf dem Schulweg einen Vogel gezeigt.

Nach 60 Jahren hat sich die ESG-Abschlussklasse von 1957 wiedergetroffen.

Damals, im Schuljahr 1951/52. „Die können ja viel erzählen“, dachte sich Reimer Dornquast vor mehr als 60 Jahren. Doch es stimmte: Die heutige Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule stand in Flammen.

Damals war das die Mittelschule von Bad Schwartau. Es gab schulfrei. „Wir waren wirklich unschuldig daran“, sagt Dornquast kichernd über die Folgen dieses Unglücks und alle lachen mit. Denn nach 60 Jahren Schulabschluss haben sich er und seine Klassenkameraden kürzlich wieder getroffen.

Reimer Dornquast outet sich gleich als Klassenbester, Elke Scheiner hat zwischendurch in Costa Rica gewohnt und Armin Knoblauch erinnert sich noch an die alten Dielen: „Die knarzten so schön“. Es ist kein Zufall, dass sie im Gebäude zwei – im alten Schulteil – sitzen, in ihrem alten Klassenraum. Vergrößerte Bilder des Heimatforschers Klaus Faasch werden von Tisch zu Tisch gereicht, und die Erinnerungen sprudeln nur so. Von knorrigen Bäumen vor dem Amtsgericht, von der alten Straßenbahn in der Lübecker Straße und von Frechheiten in der Schulzeit: Ein gemalter Donald Duck am Klassenfenster und eingereichte Hausarbeiten am letztmöglichen Termin – am Weihnachtsabend beim Lehrer zu Hause. „Es war schon eine tolle Klasse damals“, sagt Barbara Freyher. Es waren die Nachkriegsjahre, bei denen es durch die Flüchtlinge mehr Schüler gab, als Plätze in den Räumen. Die Lehrer wechselten oft. Lehrer Mallow hatte einen militärischen Ton, alle mussten sich auf Kommando setzen. Lehrer Sick wusste einfach alles, Lehrerin Hansen sang wie eine Nachtigall – das war aber auch das einzig Positive. Lehrer Linde brachten sie regelmäßig zur Weißglut. Und am Ende war es der Lehrer Böhls, der die Klasse bis zum Abschluss begleitete. „Er war wirklich ein Schatz“, sagt Freyher. „Er hat mit uns gepaukt, damit wir die Prüfungen überhaupt schaffen“, lacht sie über den Pädagogen, den alle „Atompille“ nannten. Er setzte sich voll für die Klasse ein.

Vieles hat der alte Klassenverband in einem kleinen Buch zusammengetragen, vor zehn Jahren schon. Denn es ist mindestens das sechste Klassentreffen in Bad Schwartau. „Jeder weiß vom anderen viel, wir haben sehr zusammengehalten“, sagt Freyher. Und das über all die Jahre und Jahrzehnte. Auch wenn nicht mehr alle leben, Kontakt hielten sie doch immer. Und so sind von den rund 20 Kindern von einst nun 14 Ehemalige zu dem Treffen gekommen.

Drei sind der Heimat treu geblieben: Neben Barbara Freyher, die als Grüne Dame ehrenamtlich Patienten in den Kliniken besucht, auch die beiden Unternehmer Jürgen Steinfeldt, Geschäftsführer des hiesigen Einrichtungshauses in der Lübecker Straße, und Ferdinand Schöppich, Geschäftsführer des hiesigen Küchen-Einrichtungshauses in Langenfelde. Letzterer hat vor vielen Jahren einen alten Rechenschieber geschenkt bekommen und ihn als Geste nun der ESG geschenkt. Alle anderen kommen von teils weit her, vom Bodensee oder aus Fürth. Und dennoch haben sie immer wieder den Weg nach Bad Schwartau gefunden.

Bei dem 60-jährigen Klassentreffen haben sich alle einen Tag lang Zeit genommen, zusammen gefrühstückt, einen Bummel durch Bad Schwartau unternommen, mittags gegessen und später noch viele Fotos getauscht. Noch heute schwärmen sie von ihrer tollen Schulzeit. „Wer kann das heute wohl noch von sich sagen?“, fragt Heide Brede. „Mit dem heutigen Schulsystem wird den Kindern viel von ihrer Jugend genommen. Sie lernen viel zu viel.“ Nicht nur Freyher stimmt ihr zu: „Man behält ja doch nur das, was einen wirklich interessiert.“ Und wenn sie so in die Runde blicken, dann sehen sie auch, dass letztlich aus allen von ihnen etwas geworden ist. „Ich habe immer eine gute Ausrede dafür, dass ich mal nur ,Mit Bedenken versetzt’ wurde“, betont Armin Knoblauch noch. „Es gab nämlich noch jemanden, der ,Mit großem Bedenken versetzt’ wurde“, scherzt er und schielt dabei ein paar Plätze weiter zum einstigen „Klassenbesten“, Reimer Dornquast.

Irene Burow

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