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Bad Schwartau Einkaufen wie die Großen
Lokales Bad Schwartau Einkaufen wie die Großen
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20:42 27.07.2017
Paulina zeigt die Ausstattung – es gibt Gewichte, eine Kasse und Lebensmittel aus Holz. Sogar Eis und Milch können gekauft werden. Quelle: Fotos: Ibu

In der Bad Schwartauer Kita Mittenmang kostet ein Kilo Melone zwei Euro, so steht es auf dem Angebotsschild im Gruppenraum. Seit Kurzem können die Kinder hier einkaufen. Was sie so brauchen: Milchflaschen, Backwaren, Weintrauben, Kiwi, Paprika. Natürlich darf ein Eis nicht fehlen. Paulina verstaut die Lebensmittel in einem Beutel – der Spaß kostet diesmal 20 Euro, sagt sie. Einige andere Kinder stehen noch im Geschäft und brauchen Lebensmittel. Das Schöne: es kann immer wieder eingekauft werden. Die Kita ist Besitzer eines neuen Kidskaufladens, spendiert von den Schwartauer Werken. Handeln, tauschen, wiegen und messen – das können jetzt auch die Kinder aus den Kitas Spatzennest und Wirbelwind. Die drei Einrichtungen hatten sich für einen Kaufladen beworben.

Die Schwartauer Werke haben Kitas mit Kidskaufläden ausgestattet.

„Je früher Kinder spielerisch lernen, desto leichter gelingt Vieles im späteren Leben. Dr. Arend Oetker

„Die Gruppen machen ohnehin sehr viele Projektarbeiten, da passt das super rein“, sagt Renate Offenborn, Leiterin der Kita Mittenmang in der Ludwig-Jahn-Straße. „Einmal pro Woche können sie sich eine AG aussuchen, kochen oder backen zum Beispiel.“ Und im neuen Laden kann nun schon mal für die Realität geübt werden. „Das zeigt den Kindern, dass man nichts geschenkt bekommt, sondern dass Lebensmittel etwas kosten“, so Offenborn. Die Gruppen üben gemeinsam oder spielen selbstständig mit dem Kaufladen, auch die Krippenkinder haben etwas davon.

Das Projekt „Kidskaufladen“ ist 2013 vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Schwartauer Werke, Dr. Arend Oetker, und der Initiative „Jugend mit Zukunft“ in Aschaffenburg ins Leben gerufen worden, um frühkindliche Basiskompetenzen und soziale Interaktion zu stärken. „Naturwissenschaft, Umgang mit Lebensmitteln und Wirtschaften – diese Themen werden altersgerecht dargestellt“, sagt Alice Haußer, Sprecherin der Schwartauer Werke. Anfang des Jahres seien alle Kitas von dem Unternehmen angeschrieben worden, um sich mit einem kurzen Konzept zu bewerben. Deutschlandweit sind inzwischen über 50 Kaufläden im Einsatz. Jeder besteht aus einer Grundausstattung mit Kasse und Waage sowie hochwertigen Materialien aus Holz. Begleitet wird das Aufstellen der Läden durch einen Workshop für die Erzieherinnen, in dem sie Tipps für den pädagogischen Nutzen bekommen.

In der Kita Mittenmang von der Lebenshilfe Ostholstein haben über 50 Kinder etwas von der Spielzeugeinrichtung. „Alle Angebote werden grundsätzlich gemeinsam gestaltet, so dass sich alle Kinder mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten beteiligen können“, erklärt Renate Offenborn. Im Rollenspiel lernen sie Abläufe beim Einkaufen zu verstehen und zu verinnerlichen. Der soziale Umgang wird gefördert, ihr Sprachverständnis verbessert sich und sie lernen, sich richtig mitzuteilen. Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit Geld. „Sie können mit der Zeit leichter einschätzen, welchen Wert bestimmte Dinge haben“, sagt Catharina Witaszak, Sprecherin der Lebenshilfe. Ziele seien insgesamt die Förderung frühkindlicher Basiskompetenzen und der sozialen Integration. Der Kidskaufladen bietet einen breiten Erfahrungsraum für Themen rund um Kommunikation, Interaktion, gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit. Das Einkaufen stellt Alltagsgeschehen dar, die viele Kinder mit ihren Eltern erleben.

Im Spiel können Kinder ihren Erfahrungsschatz einbringen. Das Interesse für diese Themen soll geweckt und das Bewusstsein für einen sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen geschärft werden.

Das Projekt richtet sich an Bildungseinrichtungen, die Kinder im Alter von drei bis acht Jahren betreuen. Neben dieser Hauptzielgruppe werden das pädagogische Personal und idealerweise die Eltern einbezogen, um das Konzept mitzugestalten. Die teilnehmenden Bildungseinrichtungen sorgen für den Erhalt des Kaufladens und wirken an der Durchführung mit.

Irene Burow

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